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28 ultraorthodoxe Journalisten wegen des Verdachts der Erpressung verhaftet

JERUSALEM, 19.04.2017 (FJ) – Die israelische Polizei hat 28 Ultraorthodoxe verhaftet, darunter zahlreiche Angestellte einer ultraorthodoxen Zeitung wegen des Verdachts der Erpressung, Bedrohung und Belästigung.

Nach einer sechsmonatigen Untersuchung der Polizei wurden bei einem landesweiten Einsatz leitende Angestellte und Redakteure der Tageszeitung „Hapeles“ festgenommen. Die Beamten durchsuchten auch die Büroräume der Zeitung und sammelten Akten. Im Laufe des vergangenen Jahres gingen offenbar Dutzende Klagen bei der Polizei ein, wonach die Zeitung große Konzerne – darunter auch staatliche Unternehmen – erpresst haben soll, damit diese Werbeanzeigen in der Zeitung schalteten. Ansonsten würden schlimme Konsequenzen folgen, soll den Firmen gedroht worden sein. Opfer war unter anderem Coca-Cola und das israelische Innenministerium.

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Rund 250 Polizeibeamte, Ermittler und weiteres Sicherheitspersonal führten die Razzia durch und verhafteten Verdächtige in Jerusalem, Bnei Brak, Nmodiin Illit, Ashdod und anderen Teilen des Landes. In Bnei Brak randalierten mehrere Ultraorthodoxe bei den Festnahmen und warfen Steine auf die Sicherheitskräfte. Die Verdächtigen müssen sich nun vor Gericht verantworten.

Nachrichtenflut brachte Systeme zum Erliegen

Die Belästigung soll in Form von ständigen Telefonaten, E-Mails und Faxe an die Geschäftsführer der Unternehmen stattgefunden haben. Die Untersuchungen der Polizei ergaben, dass die Angestellten von einem Call-Center Gebrauch gemacht hatten. Dabei hatten sie in Tageszielen festgelegt, welche Firmen belästigt würden und in welchem Umfang. Sobald das Center die täglichen Anweisungen erhalten hatte, führte es Hunderte von Anrufen durch, schickte E-Mails und Faxe an die Firmen und deren Familienmitglieder. Die Flut an Droh-Nachrichten brachte teilweise sogar die Systeme der Unternehmen zum Erliegen.

Die Zeitung „Hapeles“ ist das Sprachrohr der ultraorthodoxen Gruppe „Yeruchalmi Faction“. Die Gruppe hatte in den vergangenen Wochen mehrere Massendemonstrationen ins Leben gerufen und dabei Straßen im ganzen Land blockiert und gegen Polizisten gekämpft, um gegen die Wehrpflicht von Yeshiva-Studenten zu protestieren. Im Gegensatz zu anderen Protesten fordert die „Yerushalmi Faction“ ihre Mitglieder auf, den Wehrdienst nicht nach hinten zu schieben, sondern sich ihm komplett zu widersetzen. Ein Aufschub würde das bestehende Gesetz nur weiter legitimieren, so argumentieren die Anhänger.

 

Foto: Israeli Police

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