zurück zu Aktuelles

Umweltunternehmer nimmt Kampf gegen Plastik auf

von Elisabeth Lahusen

JERUSALEM, 09.11.2017 – Ein israelischer Umweltunternehmer hat den Kampf gegen Plastikverschmutzung aufgenommen. Mit seiner Firma „Infimer Technologies“ hat Yuval Tamir eine revolutionäre Technologie entwickelt.

Ein kilometerweites „Meer aus Plastik“ ist im vergangenen Monat in der Karibik entdeckt worden. Weltweit werden jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Plastik produziert. Doch nur neun Prozent werden recycelt, berichtet das Science Magazine. Weitere 12% werden verbrannt und 79% landen auf Mülldeponien oder sonst wo. Plastik verschmutzt die Welt und kostet nach einer Schätzung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen rund 40 Milliarden Dollar pro Jahr.

Rettungsmission nach eigener Krankheit

„Alle Kunststoffe bleiben über Hunderte von Jahren im Wasser. Wir sind die einzige Lösung, die auch den gesamten organischen Abfall verarbeiten kann, und wir müssen ihn nicht separat sortieren“, erklärt Yuval Tamir. Als ehemaliger Marinekommandant tauchte Tamir zwanzig Jahre lang regelmäßig zum Training im verseuchten Kishon River. Kurz nach seiner Entlassung wurde bei ihm Darmkrebs diagnostiziert. Tamir weiß nicht, in wie weit die jahrelange Arbeit im schwimmenden Müll seinen Krebs verursacht hat, aber er kämpft gegen die Ursachen solcher Erkrankungen, indem er „Infimer Technologies“ gründete. Seine Firma hat ihren Sitz im Kibbutz Barkai, 60 Kilometer nördlich von Tel Aviv.

„Infirmer“ hat eine patentierte Technik zum effizienteren Recycling entwickelt. Im Gegensatz zu den meisten Recyclern weltweit, entfernt die Fabrik Mineralien – Glas, Sand und Steine – aus dem Müll und verwandelt den verbleibenden biologischen Abfall in ein neues thermoplastisches Material, das „Infimer“. Dieses recycelte Komposit-Polymer ist ein Verbundstoff, der als Rohstoff für Kunststoffhersteller dienen und mit neuem Kunststoff kombiniert werden kann, um hochwertige Stühle, Tische, Sanitärrohre, Werkzeugkästen und eine große Vielfalt an Möbeln und Infrastruktur-Produkten herzustellen.

Vorteil: Müll kann zusammen recycelt werden

Ein Großteil der zur Herstellung von Kunststoff verwendeten Materialien wie Polyethylen und Polypropylen wird aus fossilen Brennstoffen hergestellt und ist nicht biologisch abbaubar. Ein Hindernis für das Recycling ist, dass Polyethylen und Polypropylen dabei getrennt werden müssen. „Infimer ist ein Verbundmaterial, das sich an jede Art von Polymer binden kann. So können wir alle Kunststoffe zusammen recyceln. Sobald der Müll die Fabrik erreicht, wird er entweder in Mineralien (Glas, Sand und Stein) oder in organisches Material aufgeteilt, das aus Pappe und faulem Gemüse stammt. Das organische Material kann in Rohöl und von dort in Kunststoff umgewandelt werden“, so Tamir. „Das organische Material wird eine Art fossiler Brennstoff. Wir wiederholen den Prozess der Natur über Millionen von Jahren in nur 15 Minuten.“

Das 2013 gegründete Unternehmen kann so pro Stunde rund 700 Kilogramm Abfall verarbeiten und dafür 454 Kilogramm „Infimer“ produzieren.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on Twitter