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Unterirdischer Friedhof wird in Jerusalem gebaut

HAR HAMENUHOT / JERUSALEM, 14.11.2017 (FJ) – Eine israelische Tunnelbaufirma baut einen unterirdischen Friedhof für Juden in Jerusalem. Das Projekt soll das Platzproblem der Grabstätten in Israels Hauptstadt lösen.

Unter dem größten Friedhof der Stadt Jerusalem, Har Hamenuhot, im Stadtteil Givat Shaul am westlichen Stadtrand, soll ein neuer Friedhof entstehen. Nach seiner Fertigstellung in rund zehn Jahren soll die unterirdische Ruhestätte Platz für bis zu 22.000 Gräbern bieten. Einige der Gräber des unterirdischen Komplexes sind bereits reserviert worden. Die zwölf Tunnel mit je drei Stockwerken sind mit Aufzügen, zentraler Klimaanlage und sanfter Beleuchtung ausgestattet.

„Jeden Tag müssen die Menschen an den Toten vorbei“

Die Idee zu dem unterirdischen Friedhof kam Arik Glazer, Generaldirektor der Tunnelbaufirma Rolzur, auf dem Weg zur Arbeit.

„Jeden Tag, wenn sich die Menschen der Stadt nähern, müssen sie an den Toten vorbei. Mir gefiel das nicht, und ich wollte über eine Lösung nachdenken“, erklärte Glazer. Har Hamenuhot, liegt direkt neben dem Highway 1, der in das Stadtzentrum führt.

Bevor Glazer das Projekt realisieren konnte, musste er umfangreiche Nachforschungen anstellen, da seine Firma vorher noch nie einen Tunnel für einen Friedhof gegraben hatte. Nach einigen Jahren hatte er die notwendigen Informationen gesammelt, sodass er ein Konzept ausarbeiten konnte. Das legte er der Beerdigungsgesellschaft der jüdischen Gemeinschaft Jerusalems vor. „Jetzt haben wir die Bohrausrüstung, das Know-How und die Mittel, also: lass uns loslegen“, antworteten die Vorsitzenden der Gesellschaft wenig später.

Nach Angaben von Glazer wird das rund 43 Millionen Euro teure Tunnel- und Bauprojekt vollständig von der Beerdigungsgesellschaft bezahlt.

Die Beerdigungskosten der Israelis werden hauptsächlich von der Nationalversicherung gedeckt. Deshalb setzt die Bestattungsgesellschaft auf sogenannte Diasporajuden, die nicht in Jerusalem leben, dort aber beerdigt werden wollen. Damit sollen hauptsächlich die Kosten für die unterirdischen Parzellen bezahlt werden. Für 4.300 bis 8.600 Euro pro Grab sind sie günstiger als die wenigen oberirdischen Feldparzellen in der Hauptstadt.

„Es werden Türen für andere Lösungen geöffnet“

Die Sorge, ob die unterirdische Bestattung mit den religiösen Vorgaben der Juden vereinbar ist, ist unbegründet. Schon zu biblischen Zeiten hat die jüdische Beisetzung meist in Höhlen und Tunneln statt gefunden.

Für Glazer ist das Projekt eine neue Chance : „Ich denke, es wird Türen für andere Lösungen hier in Israel und auch im Ausland öffnen.“

Das Konzept des Untergrund-Friedhofs wurde für den Preis des internationalen Komitees für Tunnelbau und unterirdische Räume (ITA-AITES) nominiert. Glazer freut sich, das Projekt von Rolzur bei der Ausstellung auf dem ITA-Treffen in Paris präsentieren zu können.

 

Foto: Courtesy of Rolzur

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