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Holocaust-Gedenktag: Es ist nicht genug, sich zu erinnern

JERUSALEM, 12.04.2018 (FJ) – Anlässlich des Holocaust-Gedenktages Yom Ha‘Schoa, der heute in Israel begangen wird, hat der israelische Staatspräsident Reuvlin Rivlin klare Worte zur Situation der Juden in der Vergangenheit und Gegenwart und seinen Erwartungen an die weltweite Bevölkerung gesprochen. Seine Rede fand im Rahmen einer Staatszeremonie am gestrigen Abend in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem statt. Die Zeremonie markierte den Beginn des Holocaust-Gedenktages in Israel.

Jüdisches Volk erwartet keine Gerechtigkeit von Europa

„Die Gerechtigkeit kann nicht aus dem Land wachsen, auf dem unsere Brüder und Schwestern verbrannt wurden“, sagte Rivlin bei der Eröffnungszeremonie. „Wir erwarten, dass wir in Europa eine echte Partnerschaft finden, mit der wir gemeinsam in Bildung, Forschungsinstitute, Gedenken und Gedächtnis investieren können. Wir müssen lernen, was passiert ist und „Nie wieder“ versprechen.“ Weiter erklärte der Staatspräsident: „Wir erwarten nicht, dass die europäischen Länder ein Gefühl der Schuld an die jüngere Generation weitergeben. Wir erwarten und fordern, dass sie die Fackel der Erinnerung und Verantwortung weitergeben. Diejenigen, die bereit sind, mutig in ihre Vergangenheit zu blicken, sich mit dem Antisemitismus und Rassismus auseinanderzusetzen, die heute ihre Köpfe nach oben ziehen, werden Verbündete unter uns finden, entschlossene Partner, die den Weg in die Zukunft ebnen“.

Bei der Holocaust-Gedenkfeier hielt auch Premierminister Benjamin Netanjahu eine Rede. Im Anschluss haben Holocaust-Überlebende aus sechs Ländern Fackeln zum Gedenken an die sechs Millionen Juden angezündet, die während des zweiten Weltkrieges getötet wurden. Eine Vielzahl von Würdenträgern, Überlebenden und Familienangehörigen von Überlebenden nahmen an der Zeremonie teil.

Video zur Gedenkzeremonie. Quelle: Youtube / Yad Vashem

Am Donnerstagmorgen ertönte in Israel um 10 Uhr eine Sirene, die das Land für zwei Minuten zum Stillstand brachte und dazu aufrief, an den Holocaust zu gedenken. Der Verkehr stand im ganzen Land still.

Marsch der Lebenden in Polen

In Polen findet heute der jährliche Internationale Marsch der Lebenden statt. Er wird in diesem Jahr von Staatspräsident Rivlin geleitet. „Dort, auf dem Boden Europas, auf der Asche unserer Brüder und Schwestern, werden wir einfach sagen: Es gibt Holocaustüberlebende und Holocaustleugner, und der Unterschied zwischen ihnen ist die Wahrheit“, äußerte sich Rivlin zum Marsch der Lebenden. „Viele Bürger Polens sowie die Bürger Frankreichs, der Sowjetunion und anderer Länder wurden von Nazi-Deutschland in einem grausamen Krieg während des Zweiten Weltkriegs getötet und ermordet. Wir, die Juden, wurden im Holocaust ermordet. Ein Holocaust, dessen Zweck es war, das jüdische Volk vom Angesicht der Erde zu vertreiben. Ein Holocaust, der nicht nur in den Konzentrations- und Vernichtungslagern, sondern auch in den Tötungsgruben, in den Ghettos und Pogromen stattfand. Ein Holocaust, der ein Massaker, Mord und Tod mit der Folterung von anderthalb Millionen Kindern und Babys beinhaltete, deren einzige Sünde darin bestand, als Jude geboren worden zu sein.“ Erinnerung, sagte Rivlin, ist die Antwort des jüdischen Volkes auf die Nazis.

Überlebende singen bewegendes Lied

Zum Holocaust-Gedenktag haben sich hunderte Holocaust-Überlebende in Israel versammelt, um gemeinsam mit ihren Kindern und Enkeln eine Ode an das Leben zu singen. Mit dem Lied „Chai“ (Leben) war die israelische Sängerin Ofra Haza 1983 beim Eurovision Song Contest aufgetreten. Auf Youtube wurde das Video mit dem Song veröffentlicht. Zu Beginn werden einige der Holocaust-Überlebenden gezeigt:


Quelle: Youtube / Koolulam

Bild: Viele Überlebende und ihre Angehörigen haben an der Eröffnungszeremonie in Yad Vashem teilgenommen. Präsident Rivlin erklärte in einer Rede seine Erwartungen an Europa.
Quelle: Youtube-Screenshot des Livestreams der Zeremonie

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