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Wie Deutschlands Medien aus Nahost „berichten“

ein Kommentar von Ulrich W. Sahm

JERUSALEM, 11.05.2018 – „Israel greift Dutzende iranische Stellungen in Syrien an“, titelt die Süddeutsche Zeitung. „Eskalation im Nahen Osten: Israel greift iranische Stellungen in Syrien an“, so t-online. „Israel greift Dutzende iranische Ziele in Syrien an“, behauptet der MDR. „Israels Armee greift zahlreiche iranische Ziele in Syrien an“, lautet die Ansicht der Deutschen Welle.

Tagesschau: „Offenbar“ Raketenangriff

Unter dem Titel „Israel greift iranische Ziele in Syrien an“ heißt es auch bei der Tagesschau: „Jetzt haben iranische Truppen in Syrien offenbar Stellungen auf dem Golan mit Raketen beschossen. Israel reagierte mit Angriffen auf Ziele in Syrien.“ Anders ausgedrückt: iranische Raketen wurden nur „offenbar“ auf Israel abgeschossen, aber die israelische Reaktion darauf ist ein Fakt. Der unbedarfte Leser muss zum Schluss kommen, dass Iran vielleicht gar keine Raketen abgeschossen hat und dass das nur eine bedingt glaubwürdige israelische Behauptung ist. Obgleich die Iraner eben noch „offenbar“ Israel beschossen haben, werden dann aber syrische Staatsmedien zitiert, denen die Tagesschau mehr Glaubwürdigkeit zugesteht als dem israelischen Militärsprecher. „Die Angriffe seien eine Antwort auf israelische Attacken gewesen. Sie erfolgten einen Tag nach dem US-Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran und dem Besuch von Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu beim russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser hatte angesichts der zunehmenden Spannungen zwischen Israel und dem Iran zu einer Lösung des Konflikts aufgerufen.“ Also hat es doch iranische Raketen auf Israel gegeben und zwar als Antwort auf „israelische Attacken“, die dann auch noch beim Namen genannt werden: Trumps Ausstieg aus dem Atomabkommen mit Iran, Netanjahus Treffen mit Putin in Moskau und schließlich noch Netanjahus Aufruf „zu einer Lösung des Konflikts“. Alle drei Argumente der syrischen „Staatsmedien“ scheinen für die Tagesschau überzeugende Gründe für Iraner in Syrien zu sein, Krieg gegen Israel zu führen. Dass ein iranischer Raketenangriff auf Israel fraglich sei, geht auch aus einem Titel in der FAZ hervor: „Israel feuert nach mutmaßlichem Raketenangriff des Iran zurück.“

Stimmungsmache gegen Israel

Durch das Verdrehen von Ursache und Wirkung, sowie durch die Verwendung relativierender Worte wie „mutmaßlich“ verbreiten diese Medien Fake News und machen offen Stimmung gegen Israel und die von Israel angeblich verschuldete „Eskalation“. Ein Täter ist im Nahen Osten offenbar erst dann ein richtiger Täter, wenn er ein jüdischer Täter ist.

Sachlicher Bericht in Österreich

Nur wenige deutsche Medien, darunter das Handelsblatt und Bild, haben erst einmal den iranischen Raketenangriff in den Titel gesetzt und danach die israelischen Reaktionen beschrieben: „Feuergefechte an den Golan-Höhen. Iranische Truppen greifen israelische Stellungen an.“ Sogar die russische Agentur Sputnik formulierte die Chronologie der Ereignisse korrekter als die meisten deutschen Medien: „Iranische Kräfte beschießen israelische Positionen mit 20 Raketen“ (Sputnik Deutschland). Und im Nachbarland Österreich heißt es sachlich: „Iranische Streitkräfte haben erstmals aus Syrien heraus direkt israelische Militärstellungen angegriffen. Nach Angaben der israelischen Armee wurden in der vergangenen Nacht 20 Raketen auf israelische Militärposten auf den Golanhöhen abgefeuert. Ein Armeesprecher machte die iranischen Al-Quds-Brigaden verantwortlich. Beinahe zur selben Zeit berichteten syrische Staatsmedien von israelischen Angriffen auf Ziele in Syrien. Dabei sollen etliche Raketen Ziele im Südwesten des Landes getroffen haben.“ So die österreichische Nachrichtenagentur apa.

Israelkritik“ ist in Deutschland selbstverständlich legitim, wobei der Duden weder „Syrienkritik“ noch „Irankritik“ kennt. Als Israel kürzlich nach elfjährigem Schweigen eingestanden hat, im Norden Syriens eine Atomfabrik bombardiert zu haben, behauptete die ARD-Tagesschau, dass es sich nur um eine „mutmaßliche“ syrische Atomfabrik gehandelt habe. Auf Anfrage erklärte die Redaktion, das Wort „mutmaßlich“ verwendet zu haben, weil keine syrische Bestätigung dafür vorliege. Die Kollegen von der Tagesschau wollen nicht verstehen, dass Syrien aus politischen niemals eingestehen kann, an einer Atombombe gebastelt zu haben.

Was alles ist „mutmaßlich“?

Man darf sich jetzt mal vorstellen, was von der Tagesschau alles mit dem Wort „mutmaßlich“ versehen werden müsste. So kann es in Deutschland Morde, Vergewaltigungen und andere Verbrechen nur geben, wenn der Täter seine Tat „bestätigt“ hat. Gleiches gilt für Autounfälle, Selbstmordattentate und andere Ereignisse mit tödlichem Ausgang, die alle nur als „mutmaßlich“ vermeldet werden müssten, solange der Täter nicht dazu interviewt wurde. Bis hin zur deutschesten aller Fragen: Hat Hitler den Befehl zur „Endlösung“, der Vernichtung der europäischen Juden, gegeben?

Die „mutmaßliche“ Antwort darauf mag man sich allerdings dann nicht mehr vorstellen.

Bild: UN-Beobachter suchen von den Golanhöhen aus die Grenze zu Syrien ab. Ob sie wohl mehr Durchblick haben als die deutschen Medien? Foto: Basel Awidat/Flash90