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Türkei kritisiert Israels Vorgehen am Gaza-Streifen

JERUSALEM / ANKARA, 16.05.2018 (FJ) – Die diplomatischen Beziehungen zwischen Ankara und Jerusalem haben einen neuen Tiefstand erreicht. Die türkische Regierung hat das Vorgehen Israels gegen Demonstranten an der Gaza-Grenze scharf verurteilt.

Sie forderte den israelischen Botschafter Eitan Naeh zur Ausreise auf und teilte ihm mit, dass es „angemessen sei, wenn er für einige Zeit in sein Land zurückkehre“. Außerdem rief sie ihre diplomatischen Vertreter in Israel und den Vereinigten Staaten zur Beratung in die Türkei zurück. Im Zuge dessen forderte Israel den türkischen Konsul in Jerusalem auf, „das Land für einige Zeit zu verlassen“. Die Regierung in Ankara reagiert damit auf das harte Vorgehen Israels am Montag an der Gaza-Grenze – dem Tag, an dem die Vereinigten Staaten ihre Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt hatten. Laut dem von der Terrororganisation Hamas geführten Gesundheitsministerium wurden dabei 60 Palästinenser getötet und mehr als 2700 verletzt. (Fokus Jerusalem berichtete).
Die Verlegung der US-Botschaft sowie die gewaltsamen Zusammenstöße am Gaza-Grenzzaun führten zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen den Regierungsvertretern der beiden Länder.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf Israel vor, ein „Terrorstaat“ zu sein und „Genozid“ zu betreiben. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu konterte, Erdogan sei als ein Hauptunterstützer der Hamas selbst an „Terrorismus und Metzelei“ beteiligt.

Auch Abbas ruft Diplomaten aus Washington zurück
Am Dienstag wurde bekannt, dass Palästinenserpräsident Mahmud Abbas seinen diplomatischen Vertreter aus Washington nach Ramallah zurückruft. Abbas reagiert damit auf die Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem. Er nannte diese “einen neuen Siedlungsvorposten, genau wie die israelischen Siedlungen” und einen “Angriff auf unsere Souveränität, einen Angriff auf unsere etablierten Rechte”. Er teilte mit: “Palästina ist für die Palästinenser und nicht, wie die Juden behaupten, das Land ihrer Vorfahren”.

Guatemala eröffnet Botschaft in Jerusalem
Guatemala hat sich an der USA ein Beispiel genommen und Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Die guatemaltekische Botschaft wurde am heutigen Mittwoch feierlich in Jerusalem eröffnet. Guatemala hatte im Jahr 1959 als erstes Land die Botschaft in Jerusalem eröffnet. Da die israelischen Ansprüche auf Ost-Jerusalem international abgelehnt wurden, zog sie später nach Tel Aviv um.

Bild: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.
Foto: Serkan Eldeleklioğlu-Bora Ömeroğulları-Ozan Atasoy