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Iranischer Präsident kommt bei Hubschrauberabsturz ums Leben

JERUSALEM 20.05.2024 (LS) – Der Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi ist am Dienstagmorgen bestätigt worden, wie die staatliche iranische Nachrichtenagentur IRIB berichtet. Sein Tod wurde zusammen mit dem Tod des iranischen Außenministers Hossein Amir-Abdollahian und sieben weiteren Personen gemeldet.

Am späten Sonntag stürzte ein Hubschrauber, der die iranischen Staatsoberhäupter transportierte, in den Bergen bei der Stadt Tavil im Iran ab. Einzelheiten über den Vorfall blieben unklar, obwohl Berichte darauf hindeuteten, dass der Hubschrauber des Präsidenten bei nebligem Wetter eine “harte Landung” hinlegte.

Der Hubschrauber, so heißt es, flog in einem sehr nebligen Gebiet an der iranischen Grenze zu Aserbaidschan. Außerdem sei die iranische Hubschrauberflotte sehr alt.

Göttliche Strafe?

Verschiedene israelische Rabbiner haben öffentlich mit Äußerungen reagiert, die auf ein göttliches Eingreifen schließen lassen. Rabbiner Meir Abutbul bezeichnete Raisi als “Henker von Teheran” und verurteilte ihn in einem Facebook-Posting für seine Feindseligkeit gegenüber Israel und dem jüdischen Volk. Raisi hatte als Scharfrichter in den späten 1980er Jahren viele Menschen an den Galgen geschickt.

“Dieser Hund wollte Juden aufhängen, also hat Gott ihn und seine gesamte israelhassende Bande bei einem Hubschrauberabsturz in alle Winde zerstreut”, schrieb Abutbul.

Auch der Rabbiner Nir Ben Artzi brachte das Ereignis mit dem Unmut Gottes in Verbindung. In seinem Facebook-Beitrag warnte Ben Artzi: “Habt Erbarmen mit euch selbst, Gott hat gesagt, genug ist genug, ihr habt Ihn verärgert”.

Verschwörungstheorien in sozialen Medien

Noch bevor der Tod des iranischen Präsidenten bestätigt war, wurden Stimmen laut, die Israel die Schuld an dem Unfall gaben. Vor allem in den sozialen Medien häuften sich die Verschwörungstheorien.

Ein Beitrag auf X (ehemals Twitter) erklärte, israelische Medien seien die ersten gewesen, die über den Hubschrauberabsturz berichteten. Andere freuten sich und gratulierten Israel, wie dieser Beitrag: „Endlich mal gute Nachrichten auf Twitter. Wenn es der Mossad war, ich würde es feiern.“

Nahostexperten sind sich jedoch einig, dass sich durch den Tod Raisis nichts an der Politik des Iran ändern wird, was gegen eine Beteiligung Israels spricht.

Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Generalmajor Yaakov Amidror erklärte, letztendlich bestimme der Oberste Führer, Ayatollah Ali Khamenei, die Politik des Landes. Amidror schloss daher die Möglichkeit aus, dass Israel hinter dem Absturz steckt. Es sei “Energieverschwendung”, gegen Raisi vorzugehen, stellte Amidror fest.

“Sollte man etwas unternehmen wollen, das entweder im Inland oder [extern] Einfluss hat”, dann würde man nicht den Präsidenten ins Visier nehmen, fügte er hinzu.

Kein Regimewechsel, aber interne Machtkämpfe

Für einen Regimewechsel bedeute dies “nichts”, erklärte Dr. Meir Javedanfar, ein iranischer Dozent an der Reichman-Universität. Die Auswirkungen würden weitgehend im Inland zu spüren sein.

“Das Einzige, was ihn auszeichnete, war, dass eine Reihe iranischer Forscher außerhalb des Landes glaubte, er sei ‚ein potenzieller Nachfolger‘“, erklärte er.

Der plötzliche Verlust des iranischen Präsidenten schafft ein Machtvakuum, das hochrangige Persönlichkeiten auszunutzen versuchen werden. Viele einflussreichen iranische Offizielle haben auf eine Gelegenheit wie diese gewartet, um in der Machtstruktur des Regimes weiter aufzusteigen.

Auch wenn sich die allgemeine Außenpolitik des Irans nicht ändern wird, dürfte die Bewältigung unerwarteter politischer Umwälzungen die Aufmerksamkeit einige Zeit von dem Mehrfrontenkampf gegen Israel ablenken.

Titelbild: Ebrahim Raisi bei einer Wahlkampfkundgebung in Teheran im Jahr 2017. Foto: Mahmoud Hosseini/Wikimedia Commons