
Orthodoxe Frauen im Hightech-Einsatz für Israel
JERUSALEM, 15.08.2025 (LS) – Zum jährlichen Hackathon des Jerusalem College of Technology (JCT) sind ultra-orthodoxe und modern-orthodoxe Frauen zusammengekommen, um kreative Beiträge zu realen Problemen zu liefern. Während dieser Hackathons haben die Teilnehmerinnen 48 Stunden Zeit, um eine funktionsfähige Lösung zu entwickeln und die orthodoxen Frauen enttäuschten nicht. „Es gibt viele Hackathons auf der Welt, aber die meisten verlangen am Ende der 48 Stunden keinen funktionierenden Prototyp oder keine funktionierende Technologie – wir schon“, so die Organisatoren.
Technologie im Dienst der nationalen Sicherheit
Organisiert vom Schreiber LevTech Entrepreneurship Center, zeigte der Hackathon „Hack.Her.It“, dass die Teilnehmerinnen auch unter Druck gut zusammenarbeiten und Technologie in den Dienst der nationalen Sicherheit stellen. Die Projekte reichten von Apps zur schnellen Alarmkommunikation bis zu Sensor-gestützten Systemen, die in kritischen Infrastrukturen eingesetzt werden könnten – Lösungen, die im Kriegsalltag Israels praktischen Nutzen haben.
Ein Team kreierte zum Beispiel eine Technologie zur Ortung abgestürzter Drohnen. Die Frauen entwickelten zwei Modelle, um die Drohnen zu finden – eines davon nutzt den Schall, um das Objekt zu kategorisieren, das die Drohne getroffen hat. Diese Informationen werden dann in das zweite Modell eingespeist, das mithilfe künstlicher Intelligenz und Physik den Standortradius der abgestürzten Drohne berechnet.

Einsatz unter Raketenhagel
In den frühen Morgenstunden des Freitags, 13. Juni, als das Halbfinale des 48-stündigen Hackathons in vollem Gange war, kündigten Sirenen den Beginn des 12-tägigen Krieges zwischen dem Iran und Israel an und unterbrachen damit abrupt die gründlich geplante Veranstaltung.
„Wir hörten plötzlich diese sehr seltsamen Sirenen, die sich von den Sirenen unterschieden, die wir bisher kannten“, erzählte Orlee Guttman, Mitbegründerin des Schreiber LevTech Entrepreneurship Center. Sie erinnerte sich daran, wie sie die nächsten drei Stunden damit verbrachten, die Frauen sicher nach Hause zu bringen. Bis zum darauffolgenden Dienstag seien die Halbfinale über Zoom abgeschlossen worden. Das Finale wurde jedoch verschoben.
Eine Teilnehmerin zeigte bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Yael und ihr Mann verloren ihr Zuhause, als eine iranische Rakete ihr Gebäude traf, doch die junge Frau nahm dennoch von der Wohnung einer Freundin aus über Zoom am Halbfinale teil, so Guttman.
Ein neuer Weg für orthodoxe Frauen in Hightech und Verteidigung
Guttman erklärte, ihr Ziel sei es, einen systemischen Wandel für Frauen in modern- und ultra-orthodoxen Gemeinschaften zu bewirken. Das Ziel bestehe nicht nur darin, diese Frauen zu stärken, sondern über ihre Vorbildrolle auch ihre Töchter. Die Mädchen sehen Frauen, die in ihren Gemeinschaften bleiben, ihre Werte bewahren und gleichzeitig in den Bereichen Technologie und Führung erfolgreich sind.
In den letzten Jahren ist der Anteil ultra-orthodoxer Frauen in Hightech-Bereichen stark gestiegen, vor allem dank Initiativen wie „Hadasim“ des Vereins Atida. Mehr als 250 Frauen wurden bereits in Verteidigungs‑ und Technologieeinheiten, darunter auch das Luftwaffen‑Technologiebüro und die Geheimdiensteinheit 8200, integriert.
Gleichzeitig wächst die Beteiligung religiöser Frauen in Forschung und Entwicklung kontinuierlich: Inzwischen arbeiten fast 40 Prozent aller Frauen im Hightech-Bereich in Forschungs- und Entwicklungspositionen, ein Wachstum von 130 Prozent im letzten Jahrzehnt.
Titelbild: Religiöse Frauen nehmen am jährlichen Hack.Her.It-Wettbewerb teil. Foto: JERUSALEM COLLEGE OF TECHNOLOGY