
Israels Ex-Geheimdienstchef warnt vor Zeitenwende im Verhältnis zu den USA
JERUSALEM, 27.11.2025 (BF) – Der frühere Leiter des israelischen Militärgeheimdienstes, Generalmajor a.D. Tamir Hayman, hat vor einer langfristigen Erosion der strategischen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten gewarnt. Anlass ist der Beschluss von US-Präsident Donald Trump, Saudi-Arabien den Kauf moderner F-35-Kampfjets zu erlauben, ohne dies an die Bedingung einer Normalisierung der Beziehungen zu Israel zu knüpfen.
Auf einer Sicherheitskonferenz in Tel Aviv sagte Hayman, der heute Direktor des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) ist, diese Entscheidung signalisiere eine „tiefgreifende Verschiebung im strategischen Denken“ Washingtons. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten werde Israels militärischer Vorsprung in der Region nicht mehr als selbstverständlich betrachtet.
Er erklärte, das bisherige Prinzip, wonach die USA Israels qualitative Überlegenheit in der Luftwaffe sichern, scheine an Gewicht zu verlieren. „Wenn Saudi-Arabien denselben Jet in derselben Konfiguration erhält wie Israel, dann wird eine rote Linie überschritten“, sagte Hayman.
Schwächere Rückendeckung in Washington
Die Gefahr für die bilateralen Beziehungen liege nicht allein in der aktuellen Entscheidung, sondern in den politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten selbst. Laut Hayman hat die über Jahrzehnte parteiübergreifende Unterstützung Israels stark abgenommen. Während frühere Präsidenten, ob Demokraten oder Republikaner, Israels Sicherheit als gemeinsame Priorität betrachtet hatten, ist Israel heute zunehmend Teil innenpolitischer Polarisierung.
Er sprach von einem „besorgniserregenden Trend“, wonach Israel in der öffentlichen Wahrnehmung in den USA zu einem Streitpunkt geworden sei. Selbst unter einer Regierung, die als besonders israel-freundlich gilt, würden Entscheidungen getroffen, die Israels Sonderstellung infrage stellen. „Wenn solche Veränderungen in Zeiten guter Beziehungen passieren, was geschieht dann erst unter einer künftigen Regierung, die Israel weniger wohlgesonnen ist?“, fragte Hayman.

Die Entscheidung, Saudi-Arabien F-35-Jets zu verkaufen, sei ein geopolitisches Signal. Washington sehe in Riad zunehmend den zentralen Partner für regionale Stabilität, während Israel für manche in der amerikanischen Öffentlichkeit an Bedeutung verliere.
Iran und die Gefahr einer neuen Eskalation
Hayman warnte außerdem vor einem möglichen Wiederaufbau des iranischen Atomprogramms. Sollte Teheran seine Anlagen erneut hochfahren, gebe es „keine Alternative zu einem präventiven Angriff“. Die israelischen Luftangriffe auf iranische Ziele im Juni hätten die nukleare Entwicklung Irans um Jahre zurückgeworfen, aber das Problem nicht gelöst.
Der frühere Geheimdienstchef forderte, die Regierung müsse auf einen neuen Atomvertrag drängen, solange Trump im Amt sei. Ein Nachfolger könne aus politischen Gründen einen schlechteren, übereilten Deal schließen, um das Thema vom Tisch zu bekommen.
Gleichzeitig sieht Hayman die Gefahr einer neuen Eskalation mit der Hisbollah. Die Terrororganisation verfüge nach dem Krieg über deutlich reduzierte Raketenarsenale, versuche aber, diese wieder aufzustocken. Israel müsse seine militärische Drohkulisse nutzen, um internationalen Druck aufzubauen und den Wiederaufbau der Raketenbestände zu verhindern.
Sorge um Israels langfristige Position
Haymans Analyse zeigt, dass Israels Sicherheitslage heute weniger durch unmittelbare Bedrohungen als durch den allmählichen Wandel seiner strategischen Allianzen gefährdet wird. Sollte Washington beginnen, seine militärischen Zusagen zu relativieren, könnte das die Grundpfeiler der israelischen Abschreckung schwächen.
Die Äußerungen des ehemaligen Geheimdienstchefs wurden in israelischen Medien breit aufgegriffen. Kommentatoren wiesen darauf hin, dass der F-35-Deal mit Saudi-Arabien ein Präzedenzfall sein könnte, der das bisherige Gleichgewicht zwischen arabischen Staaten und Israel dauerhaft verändert.
Titelbild: Generalmajor Tamir Hayman sprach als Chef des Militärgeheimdienstes auf der internationalen Konferenz des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. Archivfoto: Tomer Neuberg/Flash90