
Für Deutschland war dieser Besuch sicherheitspolitisch weit wichtiger als für Israel
Von Alon David
JERUSALEM, 11.12.2025 – Bundeskanzler Friedrich Merz war in Israel, und kaum ein Besuch eines deutschen Kanzlers in den vergangenen Jahren war sicherheitspolitisch so aufgeladen wie dieser. Offiziell stand das 60-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen im Mittelpunkt. Doch hinter den Kulissen ging es um etwas viel Grundsätzlicheres: Deutschland braucht Israel heute sicherheitspolitisch weit mehr, als Israel Deutschland braucht.
Bevor die Kameras liefen, war bereits klar, worum es wirklich ging: Deutschland sucht in Israel nicht nur politische Nähe, sondern konkrete sicherheitspolitische Stabilität. Während Berlin sich in endlosen Debatten verliert, trifft Israel seit Jahren schnelle und konsequente Entscheidungen in der Sicherheits- und Technologiepolitik. Und genau diese Fähigkeiten sind es, die Deutschland inzwischen dringend braucht. Für Israel ist der Besuch wichtig – doch für Deutschland war er essenziell, fast schon überfällig.
Schon die Anreise des Kanzlers macht das sichtbar. Die deutschen Regierungsmaschinen werden inzwischen mit israelischen Laserschutzsystemen ausgerüstet – Technologie aus dem jüdischen Staat, die das Leben der deutschen Regierungsmitglieder schützt. Es ist ein Symbol für eine tiefere Entwicklung, die viele in Deutschland noch immer unterschätzen.

Israel schützt heute Europas größte Volkswirtschaft
Die feierliche Inbetriebnahme der ersten Raketenabwehrsystem Arrow-3 in Brandenburg in der vergangenen Woche markierte eine historische Zäsur. Erstmals steht ein israelisches Raketenabwehrsystem dieser Reichweite auf europäischem Boden. Das System, das im Frühjahr entscheidend dazu beitrug, iranische Raketen über Israel abzufangen, soll nun ballistische Geschosse vom Himmel holen – über Deutschland.
Doch der Besuch von Merz brachte eine noch weitreichendere Nachricht.
Laut dem israelischen Nachrichtensender N12 werden Israel und Deutschland künftig sogar gemeinsam Arrow-Abfangraketen produzieren.
Das bedeutet: Deutschland wird von Nutzer zum Mitentwickler – ein Schritt, den Israel bisher noch keinem anderen Staat eingeräumt hat.
Darüber hinaus, so N12 weiter, signalisierte Berlin Interesse an weiteren israelischen Waffensystemen, darunter Präzisionsmunition, Drohnentechnologie, Aufklärung und Cyberabwehr. Mit anderen Worten: Deutschland baut seine militärische Abhängigkeit von Israel massiv aus.
Und es gibt mehr.
Geheimer Anhang im Sicherheitsabkommen
Laut N12 enthält das neue Abkommen einen klassifizierten Anhang, in dem Deutschland zusichert, Israel in kritischen Bereichen zu unterstützen – insbesondere bei der Bewahrung des israelischen qualitativen Vorsprungs. Das ist eine der zentralen Säulen der israelischen Sicherheitsdoktrin.
Währenddessen glaubt man in Teilen der deutschen Öffentlichkeit immer noch, Israel sei der „junior partner“. Die Realität ist längst eine andere:
- Ohne israelische Cybertechnologie wären zahlreiche Anschläge in Deutschland nicht verhindert worden.
- Ohne israelische Ziel- und Drohnensysteme wäre die Bundeswehr in mehreren Einsatzbereichen blind.
- Ohne israelische Raketenabwehr wäre Europa heute schutzlos gegenüber neuen russischen Systemen.
Der sicherheitspolitische Wert Israels für Deutschland ist faktisch – nicht symbolisch.

Die Wahrheit dieses Besuchs lautet deshalb:
Deutschland braucht Israels Schutz, Know-how und Technologie jetzt dringender, als Israel deutsches Wohlwollen braucht.
Merz’ Reise nach Israel war der Versuch, verlorenes Vertrauen wiederherzustellen – Vertrauen, das er selbst mit dem einseitigen Waffenembargo beschädigt hatte. Ob ihm das gelingt, wird sich zeigen.
Aber sicher ist:
Ohne Israel kann Deutschland die sicherheitspolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre nicht bestehen.
Und Israel weiß genau, welchen Wert diese Erkenntnis hat.
Titelbild: Bundeskanzler Friedrich Merz in der Präsidentenresidenz in Jerusalem am 6. Dezember 2025. Foto: Flash90/Yonatan Sindel