
Saudi-Arabien sucht direkte Verständigung mit Iran
von Alon David
JERUSALEM, 03.07.2026 – Saudi-Arabien führt direkte Gespräche mit Iran. Das berichtet die „New York Times“. Im Mittelpunkt stehen demnach die Kontrolle über die Straße von Hormus, das iranische Raketenprogramm und Teherans Unterstützung für regionale Stellvertretergruppen.
Die Gespräche finden vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Riad und Washington statt. Der Krieg mit Iran hat das Vertrauen der saudischen Führung in die USA offenbar erschüttert. In Riad wächst die Sorge, dass Washington die Golfstaaten in eine neue Eskalation hineinziehen könnte, ohne ihnen im Ernstfall ausreichenden Schutz zu garantieren.
Sorge vor neuer Eskalation
Saudi-Arabien versucht, eigene Sicherheitskanäle nach Teheran offenzuhalten. Ziel ist es, Vereinbarungen zu erreichen, die das Königreich im Fall einer erneuten schweren Eskalation zwischen Israel, den USA und Iran schützen können.
Besonders brisant ist dabei die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten für den weltweiten Öltransport. Eine Krise dort könnte nicht nur die Golfstaaten, sondern auch die internationalen Energiemärkte massiv treffen.

Risse im Verhältnis zu Washington
Zuletzt kam es zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten zwischen Saudi-Arabien und den USA. Washington soll versucht haben, mit starkem diplomatischem Druck die saudische Führung auf Linie zu bringen. Kronprinz Mohammed bin Salman hielt jedoch aus Sorge vor einer Ausweitung des Krieges an seiner Position fest.
Auch der Besuch von US-Außenminister Marco Rubio in Bahrain, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten, bei dem Saudi-Arabien ausgelassen wurde, wurde in Riad als deutliches Signal verstanden.
Die Entwicklung zeigt, wie sehr sich die regionale Ordnung im Nahen Osten verändert. Saudi-Arabien bleibt zwar ein zentraler Partner der USA, sucht aber gleichzeitig nach eigenen Wegen, um sich gegen die Bedrohung aus Teheran abzusichern. Für Israel ist diese Entwicklung besonders wichtig: Sie zeigt, dass auch arabische Staaten Iran weiterhin als strategische Gefahr sehen – zugleich aber nicht automatisch bereit sind, jede amerikanische oder israelische Linie mitzutragen.
Titelbild: Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman gilt als zentrale Machtfigur des Königreichs. Foto: US Department of State