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Verkohlte Holzbalken könnten Zerstörung Jerusalems genauer datieren

JERUSALEM, 22.07.2026 (DR) – Verkohlte Holzbalken aus der Zeit des Ersten Tempels könnten Forschern helfen, die babylonische Zerstörung Jerusalems vor rund 2.600 Jahren deutlich genauer zu datieren als bisher.

Die dicken Balken wurden bei Ausgrabungen auf dem Givati-Parkplatz in der Davidstadt entdeckt. Die Grabungen im Nationalpark „Stadtmauern von Jerusalem“ werden von der Israelischen Altertumsbehörde und der Universität Tel Aviv geleitet.

Außergewöhnlicher Fund in der Davidstadt

Die Balken stammen aus einem großen Gebäude, das bei der babylonischen Eroberung Jerusalems im Jahr 586 vor Christus niederbrannte und einstürzte. Nach Angaben der Ausgrabungsleiterin Efrat Bocher dienten sie vermutlich als Dach über einem Innenhof.

„Während der Zerstörung stürzten sie auf den Boden“, erklärte Bocher. Der Wandputz sei durch die starke Hitze geschmolzen und habe die verkohlten Balken bedeckt. Dies hat vermutlich zu ihrer außergewöhnlich guten Erhaltung beigetragen.

Jahresringe ermöglichen genauere Datierung

Besonders bedeutsam ist die große Zahl erhaltener Jahresringe. Solche Funde seien in Israel äußerst selten, erklärte Dr. Johanna Regev von der Altertumsbehörde und dem Weizmann-Institut für Wissenschaften.

Je mehr Wachstumsringe erhalten seien, desto genauer könne das Holz datiert werden. Funde aus dieser Epoche ließen sich bislang häufig nur innerhalb eines Zeitraums von mehreren Hundert Jahren einordnen.

Die Forscher trennen und sammeln die einzelnen Jahresringe bereits während der Ausgrabung. Dadurch könnte sich der mögliche Datierungszeitraum auf nur etwa zehn Jahre verkürzen.

Die Balken stammen dabei nicht aus dem Ersten Tempel selbst. Sie gehörten zu einem Gebäude aus derselben Epoche, das während des babylonischen Feldzugs zerstört wurde, der das Ende des Königreichs Juda besiegelte.

Bewohner Jerusalems lebten später neben den Ruinen

Nach Einschätzung der Ausgrabungsleiter Dr. Yiftah Shalev und Prof. Yuval Gadot wurde das Gebäude absichtlich in Brand gesetzt und stürzte auf einmal ein.

In persischer Zeit, nach der Rückkehr von Bewohnern in die Stadt, wurde der Zugang zum zerstörten Bereich offenbar versperrt. Andere Teile des Gebäudes wurden jedoch weiter genutzt.

Die Forscher vermuten, dass die Bewohner die Ruinen bewusst nicht vollständig beseitigten, sondern neben ihnen und teilweise innerhalb des Gebäudekomplexes weiterlebten. Dies könne auf den Wunsch hinweisen, die Erinnerung an die Zerstörung sichtbar zu bewahren.

Der Fund wurde kurz vor Tischa beAv bekanntgegeben. An diesem wichtigen jüdischen Fastentag wird der Zerstörung des Ersten und des Zweiten Tempels gedacht.

„Es vermittelt das Gefühl, den Augenblick der Zerstörung selbst zu sehen“, so Bocher. Gerade kurz vor Tischa beAv sei dies sehr bewegend.

Titelbild: Verkohlte Balken aus der Zeit des Ersten Tempels. Bild: Reut Wilf, Kobi Harati und Efrat Bocher/Davidstadt