zurück zu Aktuelles

Israel will eigene Tarnkappenjets entwickeln – Unabhängigkeit von den USA als strategisches Ziel

von Alon David

JERUSALEM, 31.07.2026 – Israel prüft langfristig die Entwicklung eigener Tarnkappen-Kampfflugzeuge sowie autonomer Kampfflugzeuge. Ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter erklärte in Washington, Israel müsse sich auf den Fall vorbereiten, dass wichtige Waffensysteme künftig möglicherweise nicht mehr aus dem Ausland geliefert werden. Das Ziel sei, innerhalb der kommenden zehn Jahre die Voraussetzungen für eine eigenständige Produktion zu schaffen.

„Wenn wir zu der Einschätzung gelangen, dass uns diese Systeme eines Tages möglicherweise nicht mehr geliefert werden, dann müssen wir sie selbst herstellen“, unterstrich der Regierungsvertreter.

Neben bemannten Kampfflugzeugen setzt Israel dabei verstärkt auf sogenannte unbemannte Kampfflugzeuge (UCAV). Diese sollen mithilfe künstlicher Intelligenz eigenständig oder gemeinsam mit Piloten operieren. Sie können Aufklärungsmissionen übernehmen, elektronische Kriegsführung durchführen oder Ziele bekämpfen. Experten sehen darin einen entscheidenden Baustein der Luftkriegsführung der Zukunft.

Lehren aus den vergangenen Kriegsjahren

Die Überlegungen sind Teil einer umfassenderen Strategie von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Israels Verteidigungsindustrie unabhängiger vom Ausland zu machen. Bereits heute investiert Israel verstärkt in die eigene Produktion von Artillerie, Raketen, elektronischer Kriegsführung und Cybertechnologie.

Nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums haben insbesondere die vergangenen Kriegsjahre gezeigt, wie wichtig eine eigenständige Produktion kritischer Waffensysteme ist. Ziel sei es, auch im Falle internationaler Lieferengpässe oder politischer Einschränkungen handlungsfähig zu bleiben.

Gleichzeitig setzt Israel weiterhin auf die enge militärische Zusammenarbeit mit den USA. Erst vor wenigen Monaten wurden weitere amerikanische F-35- und F-15-Kampfflugzeuge für die israelische Luftwaffe bestellt. Die Überlegungen zu einem eigenen Tarnkappenflugzeug gelten daher nicht als Ersatz für amerikanische Kampfflugzeuge, sondern als langfristige Ergänzung zur Stärkung der strategischen Unabhängigkeit.

Israel verfügt über Erfahrung im Kampfflugzeugbau

Ganz neu wäre ein eigenes Kampfflugzeugprogramm nicht. Bereits in den 1980er-Jahren entwickelte Israel mit dem Lavi einen modernen Mehrzweckjäger. Das Flugzeug wurde erfolgreich entwickelt und flog als Prototyp, das Programm wurde jedoch 1987 aus finanziellen und politischen Gründen eingestellt. Zuvor hatte Israel bereits den Kfir produziert, der bis in die 1990er-Jahre bei der israelischen Luftwaffe im Einsatz war. Israel Aerospace Industries modernisiert die Kfir bis heute für ausländische Luftstreitkräfte, unter anderem für Sri Lanka.

Der 1986 erstmals geflogene Prototyp des israelischen Kampfflugzeugs „Lavi“ im Museum der israelischen Luftwaffe in Hatzerim. Foto: Wikimedia/Bukvoed

Seitdem setzt Israel bei bemannten Kampfflugzeugen vor allem auf amerikanische Modelle wie die F-35 und konzentrierte sich gleichzeitig auf den Ausbau seiner international erfolgreichen Drohnenindustrie.

Autonome Begleitflugzeuge als Zukunft

Parallel zu einem möglichen Tarnkappenjet arbeitet Israel offenbar an autonomen Begleitflugzeugen nach dem Vorbild des amerikanischen Programms Collaborative Combat Aircraft (CCA). Dabei steuern Piloten mehrere unbemannte Flugzeuge gleichzeitig. Diese fliegen voraus, klären Ziele auf, übernehmen besonders gefährliche Einsätze oder schützen bemannte Maschinen vor feindlichem Beschuss.

Ein ranghoher Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums betonte, Israel müsse künftig nicht nur neue Technologien entwickeln, sondern diese auch in großem Maßstab im eigenen Land produzieren können. Genau darin liege eine der wichtigsten Lehren der vergangenen Jahre.

Ein eigenes Tarnkappenflugzeugprogramm würde allerdings erhebliche finanzielle Mittel erfordern. Experten weisen darauf hin, dass die Entwicklung eines modernen Kampfflugzeugs zu den teuersten Rüstungsprojekten überhaupt gehört. Angesichts der wirtschaftlichen Belastungen durch fast drei Jahre Krieg dürfte die Finanzierung eine der größten Herausforderungen eines solchen Vorhabens werden.

Ob und wann aus den Überlegungen ein offizielles Regierungsprogramm mit eigenem Budget wird, ist derzeit noch offen.

Titelbild: Konzeptdarstellung eines autonomen Begleitkampfflugzeugs („Loyal Wingman“) im Formationsflug mit einem bemannten Kampfflugzeug. Quelle: KI-generierte Illustration/OpenAI

Weitere News aus dem Heiligen Land