
Israel warnt vor möglichem Täuschungsmanöver zweier arabischer Staaten
von Alon David
JERUSALEM, 14.08.2026 – In Israels Sicherheitsapparat sorgt ein mögliches Bedrohungsszenario für Aufmerksamkeit: Zwei bislang nicht genannte arabische Staaten könnten eine diplomatische Annäherung an Israel nutzen, um über ihre tatsächlichen militärischen Absichten hinwegzutäuschen. Darüber berichten die israelischen Sender Kan und Kanal 12 unter Berufung auf Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden.
Im Mittelpunkt steht demnach die Befürchtung, dass politische Verständigung und militärische Planung parallel verlaufen könnten. Israel könnten zunächst Vereinbarungen angeboten werden, die auf eine Verbesserung der Beziehungen schließen lassen. Während dadurch auf politischer Ebene Vertrauen entsteht, könnten militärische Vorbereitungen fortgesetzt werden.
Sicherheitsbehörden ziehen Lehren aus dem 7. Oktober
Besonders brisant ist die Warnung vor dem Hintergrund der Erfahrungen vom 7. Oktober 2023. Nach Angaben von Kan sehen israelische Sicherheitskreise Parallelen zur Täuschungsstrategie der Hamas vor dem Massaker.
In den Jahren vor dem Angriff hatte sich in Teilen des israelischen Sicherheitsapparats die Einschätzung verfestigt, die Hamas sei an einer längerfristigen Stabilisierung der Lage interessiert. Wirtschaftliche Erleichterungen für den Gazastreifen und die Einreise palästinensischer Arbeiter nach Israel galten unter anderem als Faktoren, die einen neuen großen Krieg für die Terrororganisation weniger attraktiv machen sollten.
Diese Einschätzung erwies sich als folgenschwerer Irrtum. Während Israel davon ausging, die Hamas abschrecken und zumindest zeitweise einhegen zu können, bereitete die Terrororganisation unter Yahya Sinwar den Angriff vom 7. Oktober vor.
Das nun diskutierte Szenario geht jedoch über eine mögliche Täuschung durch eine Terrororganisation hinaus. Nach den israelischen Medienberichten besteht die Sorge, dass zwei Staaten eine politische Annäherung gezielt als strategische Tarnung für militärische Vorbereitungen einsetzen könnten.
Kanal 12 berichtet in diesem Zusammenhang von Kontakten zwischen den beiden Ländern. Demnach soll von einer Seite bereits vorgeschlagen worden sein, ein solches Vorgehen gemeinsam zu verfolgen.
Identität der Staaten bleibt geheim
Welche Länder Gegenstand der israelischen Einschätzung sind, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Weder Kan noch Kanal 12 nannten ihre Namen. Damit lässt sich derzeit auch nicht feststellen, ob Israel mit den betreffenden Staaten bereits diplomatische Beziehungen unterhält oder ob sie zu den Ländern gehören, bei denen eine künftige Normalisierung im Raum steht.
Ebenso offen ist, wie konkret die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden sind. Aus den Berichten geht nicht hervor, ob bereits tatsächliche militärische Vorbereitungen beobachtet wurden oder ob die Behörden vor allem ein mögliches strategisches Vorgehen untersuchen.
Diese Unterscheidung ist entscheidend: Öffentlich bekannt ist bislang keine konkrete Angriffsplanung der beiden nicht genannten Staaten.
Washington setzt weiter auf Normalisierung
Die Warnung fällt in eine politisch sensible Phase. US-Präsident Donald Trump versucht, weitere Staaten in die von ihm während seiner ersten Amtszeit initiierten Abraham-Abkommen einzubeziehen.
Die 2020 begonnenen Vereinbarungen veränderten Israels Beziehungen zur arabischen Welt grundlegend. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain nahmen diplomatische Beziehungen zu Israel auf, später folgte die Normalisierung mit Marokko. Auch mit weiteren Staaten wurden seitdem Möglichkeiten einer Annäherung diskutiert.
Gerade deshalb hätte das von den israelischen Sicherheitsbehörden untersuchte Szenario weitreichende Konsequenzen. Nach dem Versagen der israelischen Sicherheitskonzeption vor dem 7. Oktober steht nicht nur die militärische Stärke eines möglichen Gegners im Mittelpunkt. Auch die Frage, ob politische Entspannung tatsächlich eine geringere militärische Bedrohung bedeutet, wird heute wesentlich skeptischer betrachtet.
Bislang handelt es sich allerdings um eine Sicherheitsbewertung, deren entscheidende Details unter Verschluss bleiben. Solange weder die beiden Staaten genannt noch konkrete Angriffsvorbereitungen öffentlich belegt werden, lässt sich über ihre Identität und ihre tatsächlichen Absichten nicht seriös urteilen.
Titelbild: Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, US-Präsident Donald Trump, der Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Abdullah bin Zayed Al Nahyan, und Bahrains Außenminister Abdullatif bin Rashid Al-Zayani bei der Unterzeichnung der Abraham-Abkommen im Weißen Haus in Washington am 15. September 2020.