
Kolumbiens scheidender Präsident Gustavo Petro beschuldigt Israel nach Sieg des konservativen Kandidaten der Wahlmanipulation
JERUSALEM 23.06.2026 (LS) – Israel hat dem kolumbianischen Präsidentenwahlsieger Abelardo de la Espriella zu seinem Erfolg gratuliert. Gleichzeitig erhob der scheidende linke Präsident Gustavo Petro schwere Vorwürfe gegen Israel und forderte eine vollständige Neuauszählung.
Pro-israelischer Kurswechsel in Bogotá
Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar gratulierte Abelardo de la Espriella nach dessen knappem Sieg in der Stichwahl um das Präsidentenamt in Kolumbien. De la Espriella setzte sich nach vorläufigen Ergebnissen mit rund 49,7 Prozent der Stimmen gegen den linken Senator Iván Cepeda durch, der auf etwa 48,7 Prozent kam.
Sa’ar schrieb auf X: „Herzlichen Glückwunsch an meinen Freund Abelardo ‚El Tigre‘ de la Espriella zu seinem beeindruckenden Sieg bei den Präsidentschaftswahlen in Kolumbien.“ Weiter erklärte er: „Wir freuen uns darauf, mit dem gewählten Präsidenten de la Espriella zusammenzuarbeiten, um die Beziehungen zwischen Israel und Kolumbien zu stärken und sie auf ein historisches Hoch zu bringen.“ Auch aus Washington kamen Glückwünsche. US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die Regierung von US-Präsident Donald Trump freue sich auf eine enge Zusammenarbeit mit der neuen kolumbianischen Regierung.
Unter dem scheidenden Präsidenten Gustavo Petro hatte Kolumbien die diplomatischen Beziehungen zu Israel im Jahr 2024 abgebrochen. Petro war einer der schärfsten Kritiker Israels in Lateinamerika und hatte während des Krieges gegen die Hamas wiederholt schwere Vorwürfe gegen den jüdischen Staat erhoben. Der neue Präsident dagegen kündigte an, die Beziehungen zu den USA und Israel wieder zu stärken.
Petro erhebt Anschuldigungen gegen Israel
Gustavo Petro reagierte auf die Niederlage seines politischen Lagers mit massiven Anschuldigungen. Er schrieb auf X, er habe bereits zuvor gewarnt, die verwendete Software sei verwundbar.
In einem weiteren Beitrag auf X behauptete er, der Staat Israel habe bei der kolumbianischen Wahl eine Rolle gespielt. „Heute haben wir Beweise für eine Änderung der IP-Adressen mehrerer Server des Nationalen Registers. Das bedeutet, dass die Software kompromittiert wurde und andere Personen Daten für Wahllokale und Wahlzentren eingegeben haben. Die einzige Einrichtung auf der Welt, die dazu in der Lage ist, ist der Staat Israel.“
Petro kündigte an, die Informationen Richtern vorzulegen, damit eine technische Prüfung der Wahlsoftware durchgeführt werde. Er forderte „eine Neuauszählung aller Wahllokale und aller Stimmen“ sowie eine Untersuchung der Schwachstellen in der Wahlsoftware und der betroffenen Wahllokale. Auch der unterlegene Kandidat Iván Cepeda will das Ergebnis anfechten. Er fordert eine Überprüfung von rund 30.000 Wahllokalen, bevor das Resultat endgültig anerkannt wird.
Belege für eine israelische Einmischung wurden bislang nicht erbracht. Internationale Wahlbeobachter hatten bereits nach der ersten Runde Betrugsvorwürfe zurückgewiesen und den Ablauf der Wahl grundsätzlich positiv bewertet. Die Organisation Amerikanischer Staaten lobte den geordneten Ablauf, mahnte jedoch weitere Wachsamkeit und Transparenz an.
Titelbild: Der scheidende kolumbianische Präsident Gustavo Petro. Foto: Coronades03/Wikimedia Commons