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Von Indien über Saudi-Arabien nach Israel – Wissenschaft durchbricht Barrieren

JERUSALEM, 07.07.2017 (DL) Vishnu Mohan ist in seinem letzten Jahr des Doktoratsstudiums im Labor von Prof. Irit Sagi im Weizmann Institut. Seine Forschung führt ihn in eine neue Richtung bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs. Mohans Geschichte ist genauso komplex wie die Funktion der Bauchspeicheldrüse. Er wurde im indischen Alleppey geboren. Mit 10 kam er nach Saudi-Arabien, als sein Vater dort bei der norwegischen Forma Jotun Paints beschäftigt war. „Wenn mir jemand in diesen Jahren gesagt hätte, dass ich an einem Institut in Israel forschen würde, auf der anderen Seite des sprichtwörtlichen Zauns, hätte ich es nicht geglaubt. Meine Perspektive war damals die des Konflikts. Denn das liest du in den Zeitungen. Seitdem habe ich gelernt, dass Konflikte überall in der heutigen Welt existieren. Aber die Wissenschaft is Balsam auf dieser Wunde. Die Wissenschaft bringt Menschen zusammen“, sagt Mohan.

Israel vergibt ein achtmonatiges Stipendium, das Studenten aus befreundeten Ländern kurzfristige Forschungsprojekte ermöglicht. Nachdem Mohan sein MSc-Studium abgeschlossen hatte, zog er nach Bangalore, wo er am Goethe-Institut Deutsch studierte. Einer seiner ehemaligen Mentoren kooperierte mit Dr. Nachum Vaisman vom Ichilov Hospital in Tel Aviv. Vaisman arbeitete an einem Projekt mit Prä-Diabetes und dem mitochondrialen UCO-2-Protein. Mohan schrieb einen Vorschlag zu diesem Projekt, später seine Bewerbungsunterlagen für das israelische Kurzzeitforschungsstipendium und wurde angenommen. Kurz vor Beendigung dieser Forschungszeit ebnete Chen Varol, Direktor des Forschungszentrums für Verdauungstrakt und Leberkrankheiten im Tel Aviv Sourasky Medical Center, den Weg für Mohan zu einer Doktorandenstelle am Weizmann-Institut.

Vishnu und seine Frau Anjana verbindet die Liebe zur Wissenschaft

Vishnu Mohan liebt die Wissenschaft

Im Labor von Prof. Irit Sagi erforscht er nun Matrix-Metalloproteinasen (MMPs) – eine Untergruppe von Enzymen, die in erster Linie die Matrix zerlegen, in der unsere lebenden Zellen eingebettet sind. Diese Enzyme sind entscheidend für die normale Entwicklung vom embryonalen Stadium bis zum Alter und regeln die Architektur des Körpers. Bei krankhaften Zuständen kann der Körper die Kontrolle über diese Enzyme verlieren, wodurch sie zu Agenten des Krankheitsverlaufs werden. Mohan und seine Kollegen im Labor von Sagi untersuchen, wie diese Proteinasen an der Progression des Bauchspeicheldrüsenkrebses beteiligt sind und wie sie sich direkt auf pro-tumorigene Prozesse wie die Bildung neuer Blutgefäße auswirken. Im Fortschreiten der Krankheit müssen Tumorzellen metastasieren, also sich von ihrem primären Standort in den Blutkreislauf verlagern, zu einem neuen Ziel reisen und dort eine neue Kolonie bilden. Dazu benötigen sie Proteineasen, weil diese Enzyme die Matrix durchschneiden. Sie bereiten den Weg für die Tumorzellen.

Die Wissenschaftler in Sagis Labor erforschen, ob und wie die Blockierung von Proteinasen zur Begrenzung des Tumorwachstums, der Progression und der Metastasierung beitragen kann. Sie haben hochspezifische, therapeutische Antikörper entwickelt, die auf spezielle Proteinasen abzielen. Sagi selbst ist weltweit vernetzt. Auch in Deutschland schätzt man die Forschungsarbeit.

Es war sein ehrgeiziger Geist, der die Zuneigung seiner Frau Anjana (Foto) gewann, einer Wissenschaftlerin, die derzeit an der Tel Aviv Universität arbeitet. Anjana ist auch eine Bharatanatyam, eine klassische indische Tänzerin. Sie begegneten sich bei der Erlangung ihrer Bachelor-Abschlüsse am St. Joseph’s College of Arts and Science, Bangalore, Indien. Sie forscht zu Brustkrebs.

„Wir sprechen über Wissenschaft beim Abendessen, wir sprechen über Wissenschaft am Morgen. Es gibt überall Wissenschaft“, sagt Mohan. „Für mich gehen Wissenschaft und Kultur wirklich Hand ind Hand und ich bin froh, dass ich sie dabei an meiner Seite habe.“

Mohan glaubt, Wissenschaft sei auch die Lösung für alle Konflikte in derKrankheit, im Leben oder sogar in der Politik: „Wissenschaft kann Barrieren brechen!“

 

Fotos: Building Dialogue Through Science

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