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Die geflügelten Einwanderer: Tausende Kraniche reisen nach Israel

JERUSALEM, 15.12.2021 (DK) – Jedes Jahr lockt ein Naturschauspiel Touristen zur Chulaebene in Nordisrael. 500 Millionen Vögel, rund 400 verschiedener Arten, machen auf ihrer Reise aus dem kalten Europa nach Afrika in dem grünen Tal Halt. Unter ihnen befinden sich jedes Jahr rund 100.000 Kraniche. Die beeindruckenden Zugvögel mit ihren langen Hälsen und Beinen schlagen inzwischen nicht nur ihr Winterquartier in den nördlichen Gefilden des Landes auf. „Aliyah“ heißt auf Deutsch soviel wie „Aufstieg“ und wird im Hebräischen als Wort für die jüdischen Einwanderung nach Israel verwendet – es scheint, dass die Vögel sich der Aliyah dieses Jahr anschließen. Anstatt die Chulaebene als Flugplatz zu nutzen, lässt sich so mancher Kranich langfristig dort nieder. Die ansässigen Landwirte beobachten das neue Verhalten mit großer Sorge. 

Vögel zerstören Felder der israelischen Landwirte

Kraniche sind sehr intelligente Tiere. Wenn sie auf den bepflanzten Feldern nach Futter suchen, graben sie nicht nur die frischen Samen sondern auch bereits geschlagene Wurzeln aus. Zamir Carmi, der nahe der Chulaebene seine Felder bestellt, berichtete: „Kraniche richten großen Schaden auf unseren Feldern an. Wenn ein Schwarm von ihnen landet, zerstören sie es komplett und wir müssen das ganze Feld neu bestellen“. Wegen ihrer Größe bezeichnen die Landwirte vor Ort die Zugvögel als „Wildschweine mit Flügeln“. Um die Zerstörung der Felder zu verhindern, haben sie rund 45 Geräte angeschafft, die dazu dienen, die Vögel abzuschrecken. Die Gaspistolen machen laute Sirenen- oder Explosionsgeräusche und sind ungefährlich für Tiere. Obwohl die Vogelart so geschützt wird, hat es auch zur Folge, dass die Kraniche so nur für kurze Zeit von den Feldern fern bleiben. 

Der jüdische Nationalfonds, der sich oftmals mit Themen rund um den Naturschutz befasst, hat vorgeschlagen, die Kraniche mit Futtertrögen von den Feldern wegzulocken. Der Plan wurde in die Tat umgesetzt. Zehn Tonnen Körner werden jeden Tag für die geflügelten Gäste bereit gestellt. Umgerechnet kostet das im Jahr zwischen ein bis zwei Millionen Euro – Geld, das hauptsächlich aus den Taschen der Landwirte fließt. In Deutschland werden für dasselbe Problem staatliche Entschädigungsgelder ausgezahlt und in Amerika werden die Vögel erschossen, während man in Israel versucht neue Mittel und Wege zu finden. Nicht nur auf der Chulaebene, sondern auch in der Negevwüste und in Eilat lassen sich die Kraniche inzwischen nieder. 

Kraniche üben Faszination auf Menschen in aller Welt aus

Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Schönheit und des tiefen Klangs ihrer Stimmen, haben Kraniche Menschen über die Jahrtausende hinweg fasziniert. „Die Kraniche tauchen in nordischen und asiatischen Legenden und Folklore auf, und einige Orte wie Japan verleihen dem Kranich eine große kulturelle Bedeutung“, erklärte Jonathan Meirav, ein Ornithologe des israelischen Naturschutzverbandes. In Nordvorpommern gibt es sogar ein Museum, das sich ausschließlich der Kranich-Kunst widmet. 

Bild: Kraniche auf der Chulaebene im Norden Israels gesichtet. Quelle: Anat Hermony/Flash90

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