zurück zu Aktuelles

3.300 Jahre altes Schiffswrack vor der israelischen Küste gefunden

JERUSALEM, 20.06.2024 (TM) – Eine bahnbrechende archäologische Entdeckung hat die israelische Altertumsbehörde (IAA) am heutigen Donnerstag bekannt gegeben: Auf dem Grund des östlichen Mittelmeers wurde das älteste in der Tiefsee liegende Schiffswrack gefunden. Die Entdeckung der Überreste des Schiffes aus dem 14. bis 13. Jahrhundert vor Christus beweist, dass die Seeleute der späten Bronzezeit die Meere auch ohne Sichtkontakt zur Küste befahren konnten. Das rund 3.300 Jahre alte Schiff mit hunderten intakten Amphoren an Bord wurde 90 Kilometer vor der nordisraelischen Küste in einer Tiefe von 1,8 Kilometern entdeckt.

Wrack in der Tiefe konserviert

„Aus der späten Bronzezeit sind nur zwei weitere Schiffswracks mit Ladung im Mittelmeer bekannt… beide wurden vor der türkischen Küste gefunden“, erläuterte Jacob Sharvit, Leiter der IAA-Abteilung für Meeresforschung. „Hier gibt es ein enormes Potenzial für die Forschung. Dieses neu entdeckte Schiff ist in einer so großen Tiefe konserviert, dass die Zeit seit der Katastrophe stehen geblieben ist. Sein Rumpf und sein Inhalt wurden weder von Menschenhand gestört noch von Wellen und Strömungen beeinflusst, die Schiffswracks in flacheren Gewässern beeinträchtigen.“

Die weltweit älteste bekannte Schiffsladung auf dem Meeresgrund. Foto: Energean

Der aufregende jüngste Fund begann, als ein Tauchroboter von Energean, einem Unternehmen für Erdgasforschung und -förderung, das mehrere Offshore-Felder betreibt, etwas entdeckte, das aussah wie ein großer Haufen auf dem Meeresboden gestapelter Krüge. „Wir stehen in ständigem Kontakt mit der israelischen Altertumsbehörde. Als wir ihnen die Bilder schickten, stellte sich heraus, dass es sich um eine sensationelle Entdeckung handelte, die weit über das hinausging, was wir uns vorstellen konnten“, berichtet Dr. Karnit Bahartan, die Umweltbeauftragte bei Energean.

Die große Tiefe machte die Erforschung des Wracks schwierig. An Bord des für Tiefseearbeiten ausgerüsteten Schiffes „Energean Star“ setzten die Techniker ein speziell angefertigtes Werkzeug ein, mit dem die Artefakte mit minimalem Risiko einer Beschädigung der gesamten Sammlung geborgen werden konnten. Während des Einsatzes bestätigte das Team, dass das Schiff 12 bis 14 Meter lang war und Hunderte von Gefäßen an Bord hatte. Einige waren über dem Meeresboden sichtbar, aber der schlammige Boden verbarg eine zweite Schicht von Amphoren. Die Holzbalken des Schiffes waren ebenfalls im Schlamm begraben.

Der Tauchroboter untersucht das Wrack in knapp zwei Kilometern Tiefe. Foto: Emil Eljam / IAA

Jacob Sharvit von der IAA erläuterte, dass der internationale Handel in der Spätbronzezeit erheblich zunahm, da sich die technischen Eigenschaften der Schiffe stark verbesserten. Dies ermöglichte den Transport großer Warenmengen und erhöhte den Status von Hafenstädten wie dem kanaanäischen Byblos und anderen phönizischen Städten.

Erstaunliche Navigationsmöglichkeiten

„Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass der Handel in dieser Zeit durch sicheres Gleiten von Hafen zu Hafen in Sichtweite der Küste abgewickelt wurde. Die Entdeckung dieses Bootes verändert nun unser gesamtes Verständnis von den Fähigkeiten der antiken Seefahrer. Es ist das erste, das in so großer Entfernung und ohne Sichtkontakt zu einer Landmasse gefunden wurde“, sagte er. Es wird vermutet, dass die Seeleute mit Hilfe der Himmelskörper navigierten, indem sie die Positionen der Sonne und der Sterne anpeilten.

Warum das Schiff sank, ist unklar. Ein Sturm könnte die Ursache gewesen sein. Es könnte aber auch sein, dass Piraten dem Schiff Schaden zugefügt haben. „Es ist gut möglich, dass weitere Untersuchungen des Schiffes Antworten auf diese Fragen liefern werden oder dass sie unbeantwortet bleiben, bis umfangreiche Ausgrabungen mit fortschrittlichen Technologien durchgeführt werden“, so Sharvit.

Titelbild: Yaakov Sharvit und Dr. Karnit Bachartan staunen über die gut erhaltenen uralten Krüge, die das Schiff geladen hatte. Foto: Emil Eljam / IAA

Weitere News aus dem Heiligen Land