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Sinwars letzter Brief und die 32.000-Dollar-Tasche seiner Frau

JERUSALEM 21.10.2024 (LS) – Aus Sicherheitsgründen hat Yahya Sinwar vor seinem Tod nicht elektronisch mit seinen Hamas-Kollegen kommuniziert. Vor einigen Tagen wurde ein Dokument veröffentlicht, das Sinwars letzte Kommunikation mit der Außenwelt gewesen sein könnte.

Dabei handelt es sich um eine Antwort auf einen Geiseldeal, der von Katar vermittelt wurde. In dem Dokument scheint Sinwar einigen Punkten zuzustimmen, während auch Punkte angesprochen werden, die weitere Klärung bedurften.

Hoffnung auf einen Geiseldeal

Nach Sinwars Tod nahm die Hoffnung vieler Israelis zu, die restlichen 101 Geiseln aus dem Gazastreifen zu befreien, aber bisher ist dies nicht passiert. Ronen Bergman, ein politischer Analyst, erklärt gegenüber Ynet, ein Deal sei jetzt schwieriger geworden, weil es möglicherweise keine zentrale Führungsperson mehr gibt.

Der Nachfolger Sinwars ist wahrscheinlich sein Bruder Mohammed, aber aus Sicherheitsgründen möchte die Terrorgruppe ihn nicht offiziell ernennen. Nach Einschätzung Bergmans ist Mohammed Sinwar noch radikaler als sein Bruder Yahya, der angeblich gerne Gefangene foltert und vor einigen Jahren den Geiseldeal für den israelischen Soldaten Gilad Shalit ablehnte.

Ob Mohammed Sinwar der neue Hamas-Chef ist oder nicht, es scheint keine großen Chancen auf einen Deal zur Befreiung der israelischen Geiseln zu geben.

Handtasche und Bargeld

Dass es der Hamas-Führung nicht an Geld mangelt, wurde in einem vor kurzem von der israelischen Armee veröffentlichten Video deutlich. Darin ist Yahya Sinwar zu sehen, der sich mit seiner Frau und Kindern am 6. Oktober 2023 für einen längeren Aufenthalt in einem Tunnel vorbereitet.

Sinwars Frau. Foto: Screenshot IDF-Video

Seine Frau trägt in diesem Video eine Handtasche, die scheinbar von der Firma Hermes stammt und 32.000 Dollar (ca. 29.000 Euro) kostet. „Während die Menschen in Gaza nicht genug Geld für ein Zelt oder das Nötigste haben, sehen wir viele Beispiele für die besondere Liebe von Yahya Sinwar und seiner Frau zum Geld“, schrieb der Armeesprecher Avichay Adraee auf Arabisch. Auch wurden an Sinwars Körper etwa 40.000 Schekel (ca. 10.000 Euro) Bargeld gefunden. Es scheint, als habe er vorgehabt, aus dem Gazastreifen zu fliehen.

Der Schlächter von Khan Yunis

Sinwar, der auch als „Abu Ibrahim“ bekannt war, stammte aus Khan Yunis. Mitte der 1980er Jahre schloss er sich der Hamas an. Er wurde stark vom damaligen Führer der Organisation, Ahmed Jassin, beeinflusst. Yahya Sinwar organisierte eine Vorgehensweise, in der Palästinenser, die mit Israel kollaborierten, aufgespürt und hingerichtet wurden. Aufgrund seiner strengen Haltung gegenüber denjenigen, die er der Kollaboration verdächtigte, und gegenüber seinen Rivalen, erhielt Sinwar den Spitznamen „Der Schlächter von Khan Yunis“. Im Jahr 1989 wurde er wegen der Ermordung von vier angeblichen Kollaborateuren zu fünfmal lebenslänglicher Haft verurteilt.

Yahya Sinwar und Hamas-Funktionäre bei einer Kundgebung der Hamas in Gaza-Stadt am 1. Oktober 2022. Foto: Attia Muhammed/Flash90

Im Gefängnis lernte er fließend Hebräisch und beschäftigte sich eingehend mit der israelischen Gesellschaft. Während seiner Gefangenschaft wurde ihm in einem israelischen Krankenhaus ein Krebstumor aus seinem Kopf entfernt. Er hat sich nie bei denen bedankt, die ihm das Leben gerettet haben.

Im Rahmen des Schalit-Deals wurde er schließlich 2011 aus dem Gefängnis entlassen und begann, seine Position in der Führung der Hamas im Streifen zu etablieren. Im Jahr 2017 wurde er schließlich zum Chef der Organisation gewählt.

Titelbild: Ein Mann verteilt auf dem Mahane-Yehuda-Markt in Jerusalem Süßigkeiten zur Feier der Tötung des Hamas-Führers Yahya Sinwar. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

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