
„Verteidigung ist nicht hermetisch“ – ehemaliger Kommandeur der Luftabwehr warnt vor Lücken in der israelischen Verteidigung
JERUSALEM, 21.10.2024 (NH) – Der Norden Israels ist zum Testgebiet für Raketen und Drohnen der Hisbollah geworden. Die Bedrohung hat sich in den vergangenen Wochen intensiviert und auf das Zentrum des Landes ausgeweitet. Täglich werden zwischen 100 und 200 Raketen auf Israel abgefeuert. Zum Beschuss aus dem Libanon kommen seit Monaten Angriffe aus dem Jemen, dem Irak, Syrien und dem Iran. Brigadegeneral a.D. Zvika Haimovich, ehemaliger Kommandeur des Luftverteidigungssystems, warnt, die ständiger Luftangriffe auf ganz Israel könnten nicht mehr hingenommen werden.
Kombination von Raketen- und Drohnenbeschuss
Israel kämpft auf mehreren Kriegsschauplätzen gegen Bedrohungen von nah und fern und in mehreren Dimensionen: Kurz- und Langstreckenraketen, Marschflugkörper und Drohnen. Die Geschosse explodieren nicht nur im Norden, sondern auch im Zentrum Israels und fordern Verletzte und Tote. Das islamistische Terrorregime in Teheran ist der Hauptdrahtzieher hinter den Angriffen auf das Heilige Land. Iranische Terrormilizen in der Region nutzen den Krieg Israels gegen die Hamas im Gazastreifen und beteiligen sich an dem Versuch, den kleinen jüdischen Staat zu vernichten. Israels Verteidigungssysteme und Luftwaffe werden herausgefordert, Mensch und Technik scheinen an ihre Grenzen zu stoßen.
Eine Taktik der Hisbollah ist es, Raketenangriffe mit Drohnenbombardements zu kombinieren. Diese Methode erhöht die Chance, dass zumindest eine Projektil das Ziel erreicht. „Der Himmel ist voll von Raketen, Flugkörpern und unseren Abfangjägern, was die Situation für unsere Verteidigung komplexer und herausfordernder macht“, so der ehemalige Brigadegeneral a.D. Zvika Haimovich. Haimovich diente 33 Jahre in der Flugabwehr und erklärt, der Schutz des Luftraums sei eine der Kernaufgaben der Luftstreitkräfte und erfordere einen 360-Grad-Schutz. Die Systeme müssten mit Bedrohungen aus allen Richtungen rechnen, eine absolute Abwehrhermetik könne aber nicht garantiert werden.

Amerikanisch-britische Koalition gegen Bedrohung aus dem Jemen
Die Möglichkeit, einige dieser Lücken zu schließen, sieht der Brigadegeneral in der Einführung laserbasierter Abwehrsysteme. Eine Einheitslösung sei das aber nicht: „Es ist immer eine Kombination von Systemen, die den besten Schutz bietet“, erklärt der 58-Jährige. Haimvich zufolge müsse Israel sich auf feindliche Versuche, tief im Landesinneren Schaden anzurichten, einstellen und entsprechend vorbereitet sein. „Allein in der vergangenen Woche haben wir rund 30 Drohnen gezählt, die meisten aus dem Libanon, aber auch sieben aus dem Irak und eine aus dem Jemen. In manchen Fällen ist die psychologische Wirkung dieser Drohnen größer als die von 180 Raketen aus dem Iran“, so der Experte.
Haimovitch erklärt, zu Beginn des Krieges habe sich eine effektive Koalition unter Führung der USA und Großbritanniens gebildet, die in der Region des Roten Meeres eine defensive Orientierung gegen die Bedrohung durch die Huthis darstelle. Dennoch gebe es auch an dieser Front weiter Fälle, auf die sich Israel konzentrieren müsse.
In Bezug auf den Iran erklärt der Brigadegeneral, das Regime der Ayatollahs verfüge über Verteidigungssysteme, von denen viele vor Ort mit etwas russischer Unterstützung hergestellt werden. „Wir sind mit diesen Systemen vertraut. Israel verfügt über hochentwickelte und tödliche Fähigkeiten, die den Iran sowohl aus der Luft als auch auf andere Weise erreichen können.“
Titelbild: Rauchschwaden sind zu sehen, als Raketen, die aus dem Libanon in den Norden Israels abgefeuert wurden, von einem israelischen Raketenabwehrsystem über der Stadt Zfat abgefangen werden. Foto: David Cohen/Flash90