
Israel versorgt Beduinen-Clan im Gazastreifen mit Waffen, um die Hamas zu schwächen
JERUSALEM, 06.06.2025 (TPS/TM) – Mit Zustimmung von Premierminister Benjamin Netanjahu hat Israel Waffen an Gruppen im Gazastreifen geliefert, die der Hamas feindlich gegenüberstehen. „Israel handelt auf Empfehlung der Leiter des Sicherheitsapparats auf verschiedene Weise, um die Hamas zu besiegen“, erklärte das Büro des Regierungschefs in einer Reaktion auf Äußerungen des Knesset-Abgeordneten Avigdor Liberman. Netanjahu selbst bestätigte später: „Wir haben in Absprache mit den Sicherheitsbehörden auf Clans im Gazastreifen zurückgegriffen, die gegen die Hamas sind.“
Kritik von Ex-Minister Liberman
Der Vorsitzende der Oppositionspartei Israel Beiteinu und ehemalige Verteidigungsminister, Avigdor Liberman, hatte gegenüber Kan News behauptet, dass die Waffentransfers ohne Genehmigung des Kabinetts erfolgt seien. „Die israelische Regierung liefert auf Befehl des Premierministers Waffen an eine Gruppe von Kriminellen und Straftätern, die sich mit dem Islamischen Staat identifizieren“, kritisierte der Politiker.
Seine Äußerungen folgen auf die jüngste Behauptung einer im Gazastreifen ansässigen bewaffneten Gruppierung, die angibt, die Kontrolle über „von der Hamas befreite“ Gebiete zu haben. Yasser Abu Shabaab (32), der Anführer dieser Miliz, sagte in einer aufgezeichneten Botschaft, dass seine Kräfte „unter der legitimen palästinensischen Regierung“ – womit er sich auf die Palästinensische Autonomiebehörde bezog – und „in voller Koordination“ mit dieser operierten.
Die fragliche Beduinengruppe wird manchmal als Miliz und manchmal als kriminelle Bande bezeichnet. Ihr Anführer Yasser Abu Shabab ist Mitglied eines großen Clans im südlichen Gazastreifen. Sie wurde in der Vergangenheit mit Schmuggeloperationen ägyptischer dschihadistischer Gruppen in Verbindung gebracht. Unklar ist, warum Liberman sie als mit dem Islamischen Staat verbunden bezeichnete.
Die Gruppe wurde in den vergangenen Tagen bei ihren Aktivitäten in der Nähe des Grenzübergangs Kerem Shalom gefilmt. Auf den von Abu Shabab im Internet veröffentlichten Aufnahmen sind seine Kämpfer in Militäruniformen zu sehen, auf denen die palästinensische Flagge und die Aufschrift „Counter-Terrorism Mechanism” prangen.
Israelische Quellen bestätigten, dass Israel den Clan mit Kalaschnikow-Gewehren ausgerüstet hat, von denen einige während des laufenden Krieges von der Hamas beschlagnahmt worden waren.
Hilfstransporte gesichert oder geplündert?
Die Miliz operiert in Rafah in einem Gebiet, das unter israelischer Militärkontrolle steht. Abu Shabab behauptet, die humanitären Hilfskonvois, die über die südlichen Grenzübergänge nach Israel gelangen, zu sichern. Andere beschuldigen seine Bande jedoch, die Konvois zu plündern.
Laut dem ehemaligen Spitzenbeamten des Geheimdienstes Shin Bet, Schalom Ben Hanan, liegt es im Interesse Israels, dass palästinensische Stammesbanden im Gazastreifen gegen die Hamas kämpfen. Das sagte er gegenüber der Jerusalem Post. Wenn Palästinenser im Gazastreifen die Hamas aus bestimmten Gebieten verdrängen, müssten israelische Soldaten diese Kämpfe nicht führen und seien weniger gefährdet, von der Hamas-Guerilla in Hinterhalte gelockt zu werden.
Andere Fachleute, die sich anonym äußern, sehen die Waffenlieferungen an die Gruppe kritisch: „Ihr Hauptaugenmerk liegt auf Schmuggel, Prostitution und Erpressung – nicht auf der palästinensischen nationalen Sache”, so ein israelischer Offizieller gegenüber Ynetnews. „Dennoch sind sie Teil der arabischen Nation, Beduinen und Bewohner des Gazastreifens. Es gab keinen Konsens über den Plan, insbesondere wegen des Risikos, dass sie diese Waffen eines Tages gegen israelische Truppen einsetzen könnten.“
Foto: Bewaffnete Palästinenser in Rafah (Archivaufnahme). Bild: Abed Rahim Khatib / Flash 90