
Israel setzt Angriffe fort, bis die Hisbollah entwaffnet ist – auch wenn ein neuer Krieg droht
JERUSALEM, 30.07.2025 (BF) – Trotz des Waffenstillstands vom November 2024 setzt die israelische Armee (IDF) ihre Angriffe auf die Hisbollah fort. Das Ziel besteht darin, die Miliz zu entwaffnen, auch wenn das Risiko eines neuen Krieges wächst.
Die IDF hat seit dem Waffenstillstand rund 500 Angriffe geflogen. Schätzungsweise 70 bis 80 Prozent der Raketen der Hisbollah sind zerstört oder unbrauchbar. Die Zahl ihrer Abschussvorrichtungen ist drastisch gesunken.
Die militärische Schlagkraft der Organisation ist deutlich reduziert. Vor dem Krieg standen der Hisbollah etwa 150.000 Raketen zur Verfügung, heute kann sie nur noch einige Dutzend gleichzeitig abfeuern. Auch die Koordinierung großer Raketenangriffe ist stark eingeschränkt.
Pläne für Entführungen
Die IDF meldet schwere Verluste bei der Hisbollah: 4000 bis 5000 Kämpfer wurden getötet, rund 9000 sind so schwer verwundet, dass sie nicht mehr einsatzfähig sind – mehr als die Hälfte der rund 25.000 regulär eingesetzten Kräfte. Die Eliteeinheit Radwan schrumpfte von 6000 auf 2500 bis 3000 Soldaten, viele davon nun für interne Sicherheit statt Angriffe eingesetzt.
Während seine Militärmacht schwindet, plant die Hisbollah laut aktuellen Berichten gezielte Entführungsaktionen. Die Eliteeinheit Radwan soll für geplante Grenzübergriffe und Kidnappings bereitstehen. Das Ziel: Aufmerksamkeit erregen, politische Hebel schaffen und Israel herausfordern. Bereits im November 2024 deckten Sicherheitsbehörden auf, dass zwei arabisch-israelische Staatsbürger Waffen schmuggelten und Entführungen nach Anweisung der Hisbollah planten.
Der Verlust von Schmuggelrouten nach Syrien sowie vermehrte israelische Angriffe auf mögliche Übergabepunkte haben die Wiederbewaffnung erschwert. Finanziell bleibt die Hisbollah dennoch mittels iranischer Unterstützung handlungsfähig: Etwa eine Milliarde Dollar pro Jahr fließen an die Gruppe, während der Libanon bis zu 250 Millionen von westlichen Staaten erhält.
Israels strategische Linie
Die IDF hat seit November 2024 insgesamt 1263 Verstöße gegen den Waffenstillstand registriert. Davon wurden 666 an die libanesische Armee übergeben. Diese bearbeitete laut IDF etwa 82 Prozent erfolgreich. Israel behält sich dennoch vor, bei Bedarf direkt einzugreifen.

Ein Großangriff auf Israel wird derzeit als unwahrscheinlich eingeschätzt: Die verbliebenen Kräfte der Hisbollah sind verstreut, schlecht organisiert und weit von der Grenze entfernt. Ein Szenario mit mehreren Tausend Radwan-Kämpfern in einem koordinierten Angriff gilt als unrealistisch. Kleinere Grenzübergriffe oder Überraschungsaktionen bleiben jedoch denkbar.
Israel verfolgt weiterhin eine klare Linie: militärischer Druck, Abschreckung durch Überlegenheit und diplomatischer Druck mit Unterstützung der USA. Ziel ist es, die libanesische Regierung zum eigenen Handeln zu bewegen. Solange dies nicht geschieht, bleibt die IDF in Alarmbereitschaft. Die vollständige Entwaffnung der Hisbollah bleibt erklärtes Ziel – mit allen Mitteln.
Die islamistisch-schiitische Hisbollah („Partei Gottes“) hatte den Libanon viele Jahre lang als „Staat im Staat“ beherrscht. Im September 2024 ließ Israel heimlich mit Sprengstoff präparierte Pager explodieren, die von der Hisbollah zur Kommunikation genutzt worden sind. Es gab mindestens 37 Tote und 3000 Verletzte. Ihr legendärer Anführer Scheich Hassan Nasrallah starb bei einem gezielten israelischen Luftangriff in Beirut. Von diesen Schlägen hat sich die Terrorgruppe bis heute nicht erholt.
Titelbild: Israelische Soldaten auf einem Panzer in einem Aufmarschgebiet nahe der israelischen Grenze zum Libanon im November 2024. Foto: David Cohen/Flash90