
Iranischer Außenminister warnt: Kein offizieller Waffenstillstand mit Israel – Konflikt kann jederzeit wieder aufgenommen werden
JERUSALEM 03.08.2025 (LS) – In einem Interview mit iranischen Medien bekräftigte der iranische Außenminister Abbas Araghchi, es liege keine Einigung über einen Waffenstillstand mit Israel vor. Seinen Worten zufolge könnte der Krieg jederzeit aufs Neue beginnen.
„Komplett vorbereitet“
„Die Aggression hat aufgehört, und damit hat auch unser Recht auf Verteidigung aufgehört“, erklärte Araghchi. „Das ist alles. Es gibt kein Waffenstillstandsabkommen, es gibt nichts anderes. Sie haben die Aggression ohne Bedingungen eingestellt, und wir haben die Verteidigung eingestellt. Wenn es keine Aggression gibt, gibt es natürlich keinen Grund, uns zu verteidigen. Da sie also ohne Bedingungen die Einstellung der Angriffe gefordert haben, haben wir zugestimmt.“
„Alles kann wieder aufgenommen werden. Sie können wieder anfangen, wir können wieder anfangen. Es gibt keinen offiziellen Waffenstillstand, und alles ist möglich, und nicht nur der Iran sollte besorgt und beunruhigt sein.“ Araghchi äußerte zudem, sollte Israel Operationen fortsetzen, sei der Iran „komplett vorbereitet“,
Iran fordert finanzielle Entschädigungen von den USA
Der Iran hat seit dem Scheitern der Atomverhandlungen mit den USA Gespräche mit einer Reihe europäischer Politiker geführt. Doch Araghchi ist der Meinung, es gebe keinen Grund, die Verhandlungen mit den Europäern fortzusetzen. „Da sie die Sanktionen nicht aufheben oder beenden können, können sie die Aggression nicht stoppen. Sie können nichts tun.“
Gleichzeitig betonte er, finanzielle Entschädigungen seien Voraussetzung für eine Rückkehr zu Verhandlungen mit den USA. Diese Forderung hatte er bereits zuvor in einem Interview mit der Financial Times geäußert.
„Finanzielle Entschädigung für das, was uns zugefügt wurde, und natürlich, wie Sie wissen, sind bei diesen Angriffen zahlreiche Menschen aus unseren Reihen ums Leben gekommen. Wir können also nicht einfach zu den Verhandlungen zurückkehren und so tun, als wäre alles normal. Die Situation ist nicht mehr dieselbe“, erklärte er. „Sie haben uns angegriffen. Unsere Einrichtungen wurden schwer beschädigt. Wir können also nicht in Verhandlungen eintreten und so tun, als wäre nichts geschehen. Das ist offensichtlich. Die Verhandlungen werden dieses Mal also viel schwieriger werden, und sie müssen verstehen, dass sie mit dem Angriff auf unsere Nuklearanlagen den Weg zu Verhandlungen nicht einfacher, sondern komplizierter und schwieriger gemacht haben.“
Nuklearanlagen angeblich wiederhergestellt
Araghchi räumte zwar ein, die Operation „Rising Lion“ habe einen Großteil der nuklearen Kapazitäten Teherans zerstört, behauptete jedoch, der Iran hätte die Anlagen wiederstellen können.
„Obwohl in Fordo und Natanz viele hochmoderne Zentrifugen zerstört wurden, können wir weiterhin Uran anreichern, wir haben nach den Angriffen immer noch die Kapazitäten dazu“, verkündete er. „… Wir verfügen über das theoretische und praktische Wissen dafür … Vor den Angriffen hatten wir alles. Die Gebäude werden wieder aufgebaut und die Maschinen ersetzt, weil die Technologie vorhanden ist; wir haben viele Wissenschaftler und Techniker, die in unseren Anlagen gearbeitet haben, und wie ich bereits sagte, sind wir dazu in der Lage. Aber wann und wie wir die Anreicherung wieder aufnehmen, hängt von den Umständen ab.“
Titelbild: Der iranische Außenminister Abbas Araghchi. Foto: Khamenei.ir