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Dutzende junge ultraorthodoxe Männer treten den Armeedienst an

TEL HA’SHOMER, 02.09.2025 (NH) – Im Schatten scharfer Debatten und gewalttätiger Ausschreitungen haben sich gestern Dutzende junge ultraorthodoxe Männer im Rekrutierungszentrum der israelischen Armee (IDF) in Tel Ha’Shomer gemeldet. Im Rahmen eines besonderen Rekrutierungstages für ultraorthodoxe Einheiten erhielten die angehenden Soldaten ihre Uniformen, verabschiedeten sich für ungewisse Zeit von ihren Eltern und begannen ihre 2,8 Jahre lange Militärreise. Die jungen Gläubigen haben sich für Kampfeinheiten angemeldet, die auf die Bedürfnisse orthodoxer Rekruten zugeschnitten sind. Sie wurden den Infanteriebataillonen Netzah Yehuda und Hashmonaim, den Fallschirmjägern, der Givati-Brigade und der Grenzpolizei zugeteilt.

„Wir werden sterben, aber wir werden uns nicht rekrutieren lassen“

Während in den vergangenen zwei intensiven Kriegsjahren die Rufe innerhalb der israelischen Gesellschaft nach einer „Lastenteilung” immer lauter wurden, weigerten sich insbesondere orthodoxe Gesellschaftsschichten, der israelischen Armee beizutreten. Während Minderheiten freiwillig in den Kampfdienst eintreten und immer mehr Frauen an der Front kämpfen, sorgten extremistische Gläubige mit dem Slogan „Wir werden sterben und uns nicht rekrutieren lassen” für einen tiefen Bruch zwischen den Parteien. Trotz des massiven Drucks ultraorthodoxer Extremisten gegen die Einberufung in die IDF scheint die Bereitschaft moderner Orthodoxer, sich für die israelische Armee zu verpflichten, jedoch langsam zu steigen. So trafen gestern Dutzende junge Gläubige im Rekrutierungsbüro der israelischen Armee in Tel Ha’Shomer ein.

Für die 18- und 19-jährigen Jugendlichen sowie für ihre Eltern ist der Einzug in die israelische Armee ein sehr emotionaler Tag. Für orthodoxe Familien kann dieser Lebensabschnitt aufgrund der Diskussionen auf der Straße jedoch noch sensibler und heikler sein. Israelischen Medienberichten zufolge baten daher viele der Interviewten aufgrund der Komplexität des Themas um Verzicht auf Fotos und Filme.

Rekrutierung für die Hasmonäische Brigade. Die Identitäten der Soldaten wurden aus Sicherheitsgründen unkenntlich gemacht. Foto: Sprecher der IDF

Die Armee hat Rahmenbedingungen für orthodoxe Soldaten geschaffen

Einer der jungen Rekruten, Yehoyada Cohen, der der Hashmonaim-Brigade zugeteilt wurde, erklärte, warum er sich entschieden hat, die nächsten 36 Monate in der IDF zu dienen: „Es ist unsere Zeit. Die Soldaten haben alles gegeben, um sich zu melden, und jetzt sind wir an der Reihe. Ich hoffe, dass die Armee es uns ermöglichen wird, Israel zu verteidigen und gleichzeitig unsere Lebensweise als Haredim zu bewahren.“ Die Eltern des jungen Mannes unterstützten ihren Sohn: „Diejenigen, die die Thora studieren, sollten die Thora lernen. Aber wenn jemand diesen Weg vollendet hat, sollte er auch an dieser Mizwa (religiöses Gebot) teilhaben. Es ist gut, dass die Armee Rahmenbedingungen geschaffen hat, die es den Orthodoxen ermöglichen, zu dienen und gleichzeitig ihre Religion auszuüben. Als Eltern wollen wir darauf vertrauen, dass unsere Söhne in einem Rahmen geschützt werden, der ihren Lebensstil wahrt.“

Ultraorthodoxe jüdische Soldaten der Hashmonaim-Brigade nehmen nach Abschluss ihrer siebenmonatigen Grund- und Fortgeschrittenenausbildung am 6. August 2025 an einem Barettmarsch an der Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem teil. Viele der orthodoxen Soldaten halten an ihrem Wunsch fest, das Thorastudium und den Armeedienst zu verbinden. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Hoffen wir, dass Gott alle Soldaten beschützt

Ein weiterer gläubiger Rekrut ist der 19-jährige David. Er ist Absolvent des ultraorthodoxen Vorbereitungsprogramms „Nitzotz Ba’Emuna” und trat der Infanteriebrigade Netzah Yehuda bei. „In den letzten zwei Jahren habe ich nicht mehr an der Jeschiwa (Thoraschule) studiert und hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war, meinen Beitrag zu leisten. Ich freue mich darauf, Kampfsoldat zu werden und mich für das israelische Volk einzusetzen.“ Seine Eltern gingen mit gemischten Gefühlen in diesen sensiblen Tag. Der Vater des angehenden Kämpfers erklärte, dass der Dienst in der Armee und das Ausleben des Judentums oft nicht zusammenpassten und sich eine Kombination der beiden oft als schwierig erweise. „Heute gibt es jedoch einige Rahmenbedingungen, die dies möglich machen. Das Wichtigste bleibt die Unterstützung von zu Hause. Es war seine Entscheidung, und wir unterstützen ihn. Möge Gott sie alle beschützen.“

Die Organisation „Shomer Israel“, die ultraorthodoxe Strömungen in der IDF vereint, behauptet, dass es möglich ist, orthodox zu sein und gleichzeitig Soldat in einer der Kampfeinheiten zu werden. „Shomer Israel“ veröffentlichte gestern eine Erklärung: „Wir sind stolz auf jeden Rekruten, der sich dafür entscheidet, die Einhaltung der Thora mit einem Beitrag zur Sicherheit Israels zu verbinden.“

Die erwarteten Proteste extremistischer orthodoxer Fraktionen, die in der Vergangenheit versucht hatten, die Einberufungsveranstaltungen zu stören, blieben gestern aus.

Titelbild: Das israelische Militär versucht, innerhalb der orthodoxen Gesellschaft das Streben zu erwecken, freiwillig in der Armee zu dienen. Hierzu werden Einheiten eröffnet, die auf den religiösen Lebensstil der Rekruten zugeschnitten sind. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

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