
Iranische Telefonkampagne: Versuch der Rekrutierung israelischer Bürger
JERUSALEM, 2.10.2025 (BF) – In Israel häufen sich Berichte über verdächtige Anrufe, die offenbar aus Teheran gesteuert wurden. Hunderte Bürger meldeten, sie hätten Nachrichten in gebrochenem Hebräisch erhalten, in denen angebliche iranische Geheimdienstagenten versuchten, sie für Spionagetätigkeiten anzuwerben. Polizei und Nationale Cyber-Direktion untersuchen den Vorfall, der Teil einer breit angelegten Einschüchterungs- und Rekrutierungskampagne sein soll.
Neue Dimension hybrider Kriegsführung
Die Botschaften, die über aufgezeichnete Sprachnachrichten verbreitet wurden, hatten eine klare Botschaft: Der iranische Geheimdienst suche „qualifizierte Agenten“. Viele Empfänger waren schockiert, dass solche Nachrichten gezielt an israelische Telefonnummern gesendet wurden. Sicherheitskreise sprechen von einer psychologischen Operation, die das Vertrauen in die eigene Sicherheit untergraben soll.
Die Cyber-Direktion stellte klar, dass das reine Entgegennehmen solcher Anrufe keine Gefahr für die Telefone darstelle. Dennoch rief sie die Bevölkerung dazu auf, sofort aufzulegen und keinerlei Reaktionen zu zeigen. Die Kampagne sei hauptsächlich darauf ausgelegt, Unruhe zu stiften, Aufmerksamkeit zu erzeugen und vielleicht einzelne Bürger zur Kooperation zu bewegen.
Für Beobachter kommt dieser Vorfall nicht überraschend. Iran versucht seit Jahren, israelische Bürger über verschiedene Kanäle zu erreichen. Immer wieder lockten vermeintliche Arbeitgeber über soziale Netzwerke mit lukrativen Angeboten, die sich bei genauerem Hinsehen als getarnte Versuche zur Spionage entpuppten. In mehreren Fällen wurden Israelis bereits wegen Kontakten zum iranischen Geheimdienst festgenommen.
Der jetzige Versuch zeigt eine neue Dimension. Mit massenhaften Telefonanrufen, die gleichzeitig große Teile der Bevölkerung erreichen, setzt Teheran auf Quantität und psychologische Wirkung. Experten bezeichnen es als „hybriden Krieg“, bei dem nicht nur Waffen, sondern auch Information und Einschüchterung eingesetzt werden.
Israel warnt Bevölkerung
Iran hat in den vergangenen Jahren seine Aktivitäten gegen Israel massiv ausgeweitet. Dazu gehören Cyberangriffe auf staatliche Einrichtungen, Desinformationskampagnen in sozialen Medien, Drohnenoperationen im Nahen Osten und der Versuch, Zivilisten zu rekrutieren. Für Teheran ist dies Teil einer Strategie, die auf Destabilisierung setzt.

Die israelische Polizei erklärte, die Anrufe seien „bewusst lancierte Versuche, Panik in der Bevölkerung zu verbreiten und gleichzeitig Rekrutierungen für iranische Aktivitäten zu betreiben“. Das Nationale Cyberzentrum rief die Bürger dazu auf, wachsam zu bleiben und verdächtige Vorfälle sofort zu melden. Israel hat bereits vor einigen Monaten eine nationale Aufklärungskampagne gestartet, die die Risiken verdeutlichen sollte. Unter dem Motto „Easy Money, Heavy Cost“ wurden Bürger darauf hingewiesen, dass schon scheinbar harmlose Kontakte zu schweren strafrechtlichen Konsequenzen führen können.
Psychologische Front des Krieges
Für internationale Beobachter macht dieser Vorfall deutlich, wie globalisierte Kommunikation zu einem neuen Schlachtfeld geworden ist. Iran nutzt Telefonnetze und digitale Plattformen, um seine Botschaften direkt in israelische Haushalte zu bringen. Dabei geht es weniger um die tatsächliche Anwerbung hunderter Agenten, sondern um das Signal: Niemand ist sicher, die Bedrohung kann jederzeit ins Private eindringen.
Die Telefonkampagne zeigt, dass moderne Kriege längst nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld entschieden werden. Sie reichen in private Wohnzimmer und auf persönliche Smartphones. Für Israel ist dies Teil einer langen Reihe von Versuchen, die Gesellschaft zu destabilisieren. Während Raketen und Drohnen sichtbare Bedrohungen darstellen, wirken Anrufe und digitale Botschaften subtiler. Sie sollen Angst erzeugen, Zweifel säen und Menschen in eine Grauzone ziehen, in der sie anfälliger für Manipulationen werden.
Die israelischen Sicherheitsdienste reagieren mit Entschlossenheit. Doch der Vorfall verdeutlicht, dass die Auseinandersetzung mit dem Iran längst auch eine psychologische und digitale Dimension erreicht hat. Im hybriden Krieg sind nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten direkt angesprochen – und genau das scheint Teherans Kalkül zu sein.
Titelbild: Sicherheitsbehörden warnen die Israelis vor Anrufen aus Teheran, die zur psychologischen Kriegsführung gehören. Foto: Chaim Goldberg / Flash90