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Staatsprüfer Englman: Israel fehlt eine umfassende nationale Sicherheitsdoktrin

JERUSALEM 12.11.2025 (LS) – Ein Bericht des Obersten Rechnungsprüfers und Ombudsmann Matanyahu Englman macht fehlende Sicherheitsstrukturen für Israels Verwundbarkeit am 7. Oktober verantwortlich.

Dem Bericht zufolge hat trotz mehrfacher Versuche im Laufe der Jahrzehnte keine israelische Regierung jemals eine umfassende nationale Sicherheitsdoktrin verabschiedet oder offiziell gebilligt, die als Grundlage für die Arbeit der israelischen Armee (IDF) und anderer Sicherheitsbehörden dienen könnte.

In der Praxis stützt sich Israels Verteidigungspolitik weiterhin auf die von David Ben-Gurion in den 1950er Jahren formulierte Doktrin, deren Kernpunkte Abschreckung, Frühwarnung und entscheidender Sieg sind. Diese Doktrin wurde jedoch nie in einem offiziellen Grundsatzdokument festgeschrieben oder von der Regierung gebilligt.

Versagen beim Aufbau einer Sicherheitsstrategie

Der aktuelle Bericht legt dar, mehrere einschlägige Entscheidungen seien ausgeblieben: Es fehlten verbindliche Vorgaben für die Zuständigkeiten in Krisenfällen, ein zentral gesteuertes Frühwarnsystem und klare Verantwortlichkeiten zwischen Zivilregierung, Geheimdiensten und Militärführung. Diese Lücken hätten die Reaktionsfähigkeit Israels erheblich beeinträchtigt.

Laut Englman trug das Fehlen einer solchen Strategie maßgeblich dazu bei, dass man von der Invasion der Hamas am 7. Oktober überrascht wurde.

Englman weist darauf hin, dass Warnungen vor einer massiven Bedrohung an Israels Grenzen nicht ausreichend umgesetzt worden seien. Bereits im April 2025 hatte ein Bericht hervorgehoben, Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant seien vor einer schwachen Grenzsicherung gewarnt worden.

In dem Bericht heißt es, dass dies „ein mehrjähriges Versagen offenbart, während dessen die politische Führung ihrer Verantwortung nicht nachgekommen ist, sicherzustellen, dass der Staat Israel auf die sich wandelnden Sicherheitsherausforderungen auf der Grundlage eines konkreten, aktualisierten und offiziell genehmigten nationalen Sicherheitskonzepts vorbereitet war”.

Unzureichende Übungen und Ausrüstungsdefizite

Der Untersuchungsbericht des Staatsprüfers zeigt auf, dass streng geplante Verteidigungsübungen vor dem 7. Oktober nicht in ausreichendem Maße stattfanden. „Die Fortführung regelmäßiger Szenarioübungen, insbesondere im Grenzgebiet Negev, war ungenügend und beeinträchtigte die Einsatzbereitschaft der Truppen erheblich.“

Zudem identifiziert der Bericht technische Mängel bei der Grenzrasterung und Sensorüberwachung im Negev-Korridor: Ältere Infrarot-Sensoren, unzureichende Drohnendeckung und mangelhafte Kommunikationssysteme führten laut Prüfung zu Verzögerungen bei der Entdeckung der Infiltration durch die Hamas. Diese Defizite im Bereich der Vorbereitung und Ausrüstung hätten laut Englman das Risiko erhöht, dass der große Überraschungsangriff am 7. Oktober eine so gravierende Wirkung entfalten konnte.

Englman forderte die Regierung auf, unverzüglich zu handeln und eine klare und aktualisierte nationale Sicherheitsdoktrin zu formulieren, die die aktuelle geostrategische Realität Israels widerspiegelt.

Titelbild: Der israelische Staatsrechnungsprüfer Matanyahu Englman bei einer Sitzung des Staatskontrollausschusses in der Knesset. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

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