zurück zu Aktuelles

Der mutmaßliche Drohnen-Einkäufer der Hisbollah steht in Celle vor Gericht

von Alon David

CELLE / JERUSALEM, 20.11.2025 – Es gibt Prozesse, die weit entfernt stattfinden – und trotzdem tief ins eigene Leben hineinreichen. Für mich ist dieser hier genau das.

Ich war im Norden Israels, als der Krieg tobte. Ich habe die Alarme gehört, die Einschläge, die Drohnen über den Dörfern und den Siedlungen. Ich habe erlebt, wie Menschen im Grenzgebiet zur Hisbollah monatelang nicht wussten, ob der nächste Tag der letzte sein könnte.

Wohnhaus in Kiryat Schmona, Sommer 2024: Das Gebäude ist komplett zerstört nach massivem Beschuss durch die Hisbollah. Trümmer, herausgerissene Wände und verbrannte Fassadenteile zeigen das volle Ausmaß der Zerstörung. Foto: Alon David

Jetzt ist der Krieg vorbei. Aber die Verantwortung für das, was im Norden passiert ist, verschwindet nicht. Und genau deshalb schaue ich auf den Prozess in Celle (Niedersachsen) – auch wenn ich nicht vor Ort im Gericht bin.

Ein Mann und der Vorwurf, für die Hisbollah eingekauft zu haben

In den Medien war zu sehen, wie der Angeklagte Fedal Z., 35, den Hochsicherheitssaal des OLG Celle betritt. Ein Familienvater, lachend, ganz entspannt.

Die Bundesanwaltschaft dagegen zeichnet ein völlig anderes Bild:

Ein Mann, der über Jahre Bauteile für bewaffnete Drohnen der Hisbollah besorgt haben soll. Drohnen, wie sie im Norden Israels die Häuser, Felder und Straßen überflogen – und die das Leben Zehntausender Menschen bedrohten.

Motor einer Hisbollah-Drohne, die im Norden Israels als Waffe gegen Zivilisten eingesetzt wurde. Es handelt sich um einen 3W Professional GmbH Motor aus Hanau, Deutschland – ein deutsches Bauteil, das in einer Terrordrohne der Hisbollah verbaut war. Aufgenommen im Sommer 2024. Foto: Alon David

1,4 Millionen Euro für Terror-Technik

Laut Anklage: Motoren, Propeller, Epoxidharz, Batterien, Schläuche.

Einige der Motoren soll die Hisbollah später in Sprengstoffdrohnen verbaut haben, die 2024 in Israel einschlugen – darunter in einem Seniorenheim bei Tel Aviv und bei mir im Norden.

Warum mich dieser Prozess persönlich trifft

Ich weiß, was diese Drohnen bedeuten. Ich habe die Sirenen gehört, die Bunker gesehen, die nächtlichen Schatten am Himmel. Ich habe erlebt, wie ganze Familien evakuiert wurden. Wie Kinder nicht mehr durchschliefen.

Wenn man einmal unter dieser Bedrohung gelebt hat, versteht man, dass Terror nicht irgendwo entsteht, sondern auch in Europa. In Werkstätten, Lagern, Versandzentren. In Bestellungen, Überweisungen, Lieferungen. Und dass Menschen wie Fedal Z., wenn sich die Vorwürfe bestätigen, direkten Anteil daran haben.

Vielleicht zum ersten Mal: ein Hauch von Gerechtigkeit

Im Prozess wird darüber berichtet, dass der Angeklagte auf einer Beerdigung in Hisbollah-Uniform auftrat, kämpferische Rede inklusive. Einen Mann, der dazu beigetragen haben soll, dass die Hisbollah ihr Drohnenarsenal erweitern konnte.

Für mich – und für viele, die im Norden Israels leben ist dieser Prozess mehr als ein juristisches Verfahren. Er ist ein seltenes Zeichen, dass Terror nicht nur an der Front bekämpft wird, sondern auch dort, wo er organisiert, bezahlt und beliefert wird. Vielleicht wird zum ersten Mal einer jener Männer verurteilt, die im Hintergrund den Terror am Leben halten, ohne Uniform, ohne Sturmgewehr, sondern mit Bestelllisten und Lieferketten.

Und vielleicht versteht Europa endlich, dass Terror nicht nur im Nahen Osten entsteht.

Sondern dass er auch hier beginnt. Mit einem Klick auf „Bestellen“.

Titelbild: Zerstörtes Wohnhaus in Metulla nach massivem Hisbollah-Beschuss. Teile des Dachs und der Fassade fehlen, Trümmer liegen verstreut, ein weiteres sichtbares Zeichen des Terrorfeuers auf den Norden Israels im Jahr 2024. Foto: Alon David

Weitere News aus dem Heiligen Land