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Israel hat in den letzten Wochen mehrmals erwägt, den Iran anzugreifen – Iran behauptet, Israel sende Terroristen

JERUSALEM 13.01.2026 (LS) – Die Spannungen zwischen Israel und dem Iran bleiben hoch. Zwei aktuelle Berichte zeichnen ein Bild von strategischer Nervosität auf israelischer Seite und scharfen Anschuldigungen aus Teheran. Während in Israel offen darüber gesprochen wird, wie nah man in den vergangenen Wochen an einer militärischen Operation war, versucht die iranische Führung, Proteste im eigenen Land als von außen gesteuert darzustellen.

Israels Abwägung zwischen Angriff und Zurückhaltung

Der ehemalige Chef des israelischen Militärgeheimdienstes, Tamir Hayman, erklärte in einem Radiointerview, Israel sei in den vergangenen Wochen zweimal sehr nahe daran gewesen, militärisch gegen den Iran vorzugehen. Beide Male habe man sich letztlich dagegen entschieden, unter anderem aus Sorge vor Fehlkalkulationen und unvorhersehbaren iranischen Reaktionen.

Hayman beschrieb die Lage als äußerst komplex. Nach seiner Darstellung gebe es derzeit keine Phase völliger Untätigkeit gegenüber Iran. Vielmehr liefen kontinuierlich Maßnahmen unterschiedlicher Art, von nachrichtendienstlicher Aktivität über Cyberoperationen bis hin zu verdeckten Schritten.

Zugleich verwies Hayman auf die enge Abstimmung zwischen Israel und den Vereinigten Staaten. Die Tatsache, dass mögliche Angriffe letztlich nicht umgesetzt wurden, habe die militärische und strategische Koordination zwischen beiden Ländern weiter vertieft. Ein zentraler Unsicherheitsfaktor bleibe die Führung in Teheran. Solange Ajatollah Ali Chamenei an der Spitze stehe, sei ein umfassender iranischer Angriff auf Israel weniger wahrscheinlich, da dieser eher vorsichtig agiere. Ein Machtwechsel hin zu einer stärker von den Revolutionsgarden dominierten Führung könne die Lage jedoch deutlich verändern.

Teheran spricht von ausländischer Einmischung

Während in Israel über Eskalationsszenarien diskutiert wird, schlägt die iranische Führung einen ganz anderen Ton an. Irans Präsident Masoud Pezeshkian behauptete in einem Fernsehinterview, die anhaltenden Proteste im Land seien keine wirklich innenpolitische Bewegung, sondern das Ergebnis gezielter ausländischer Einmischung. Er sprach von „terroristischen Akten“ und behauptete, feindliche Staaten hätten „Terroristen“ in den Iran geschickt, um Gewalt und Zerstörung zu verursachen.

In diesem Zusammenhang meldeten die iranischen Revolutionsgarden die Festnahme von zwei angeblichen Mossad-Agenten in der Provinz Khorasan. Diese sollen laut offiziellen Angaben an der Organisation größerer Unruhen beteiligt gewesen sein. Bei ihnen seien Kommunikationsmittel, Waffen und Ausrüstung gefunden worden. Die Vorwürfe sind unabhängig nicht überprüfbar, werden von der iranischen Führung jedoch als Beleg für eine ausländische Verschwörung dargestellt.

Pezeshkian betonte zugleich, die Regierung müsse auf reale wirtschaftliche und soziale Probleme reagieren. Er rief insbesondere junge Menschen dazu auf, sich nicht von angeblich aus dem Ausland gesteuerten Gruppen instrumentalisieren zu lassen. Parallel versuche die Regierung, Unternehmer und Wirtschaftsvertreter zu beruhigen und schnelle Lösungen für ihre Beschwerden zu finden.

Titelbild: Israelische Demonstrationen zur Unterstützung des iranischen Volkes. Foto: Tomer Neuberg/Flash90

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