
Türkei und Katar im Gaza-Plan: Warum Israel größere Reservisten-Einsätze erwägt
JERUSALEM 20.01.2026 (LS) – Die zweite Phase von Donald Trumps Friedensplan für Gaza sieht eine stärkere Rolle externer Akteure vor. In Israel wächst jedoch die Sorge, dass zentrale Sicherheitsfragen – insbesondere die tatsächliche Demilitarisierung des Gazastreifens – nicht verlässlich durch internationale Mechanismen durchgesetzt werden. Die Einbindung der Türkei und Katars in die Aufsichtsgremien gilt dabei als besonders sensibler Punkt.
Türkeis und Katars Rolle im Friedensplan
Der Gaza-Plan sieht vor, dass ein internationales Aufsichtsgremium die Umsetzung von Verwaltung, Wiederaufbau und Sicherheitsmechanismen begleitet. In diesem Rahmen sollen auch Vertreter der Türkei und Katars eine Rolle übernehmen. Beide Länder unterhalten enge Kontakte zur Hamas, was in Israel als problematisch angesehen wird.
Sicherheitskreise warnen, dass eine solche Zusammensetzung die Durchsetzung einer echten Entwaffnung erschweren könnte. Sollte die internationale Aufsicht nicht in der Lage sein, bewaffnete Strukturen im Gazastreifen wirksam zu beseitigen, müsste Israel nach eigener Einschätzung selbst eingreifen, um dieses Ziel zu erreichen.
Mögliche Folgen für Israels Reservisten
Nach israelischen Einschätzungen würde ein eigenständiges militärisches Vorgehen zur vollständigen Demilitarisierung Gazas erhebliche Kräfte erfordern. In diesem Szenario könnten vier bis fünf Reservedivisionen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte mobilisiert werden, darunter Einheiten, die bereits seit dem 7. Oktober mehrfach eingesetzt wurden.
Eine erneute großangelegte Einberufung hätte weitreichende militärische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen. Die Reservisten tragen einen erheblichen Teil der aktuellen Verteidigungslast Israels, und weitere Einsätze würden die Belastungsgrenze vieler Soldaten und Familien weiter erhöhen.
Die Debatte über die Rolle der Türkei und Katars im Gaza-Plan zeigt, wie eng diplomatische Entscheidungen mit konkreten militärischen Konsequenzen verknüpft sind. Solange offen bleibt, wer die Entwaffnung tatsächlich garantiert, bleibt für Israel die Option militärischer Eigenmaßnahmen ein zentrales Element der Planung.
Titelbild: Türkische Bagger befinden sich bereits im Gazastreifen. Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90