
Netanjahus rote Linie: Keine Zukunft für Gaza ohne vollständige Entwaffnung der Hamas
JERUSALEM, 18.08.2026 (NH) – US-Sonderbeauftragter Jared Kushner hat Gespräche mit Hamas-Vertretern in Ägypten und anschließend mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu in Jerusalem geführt. An dem rund vierstündigen Treffen nahmen auch der ehemalige britische Premierminister Tony Blair und der Chef des Friedensrats, Nikolay Mladenov, teil. Im Mittelpunkt steht der Gaza-Plan von US-Präsident Donald Trump. Für Israel ist klar: Die vollständige Entwaffnung der Hamas ist Voraussetzung für einen weiteren israelischen Abzug und den Wiederaufbau des Gazastreifens.
Entwaffnung als Voraussetzung
Kushner traf sich in El Alamein 90 Minuten lang mit hochrangigen Hamas-Vertretern, darunter dem Leiter des politischen Büros, Khalil al-Hayya. Die US-Delegation erläuterte Trumps 20-Punkte-Plan, der die vollständige Entwaffnung der Hamas vorsieht. Die Terrororganisation soll ihre Waffen abgeben und die Regierungsverantwortung an eine technokratische Übergangsregierung übertragen.
US-Präsident Trump forderte parallel in einem Interview mit Fox News einen Stopp der israelischen Luftangriffe im Gazastreifen. Zugleich verlangte er von der Hamas die bedingungslose Abgabe ihrer Waffen. Kushner machte deutlich, dass angesichts der israelischen Skepsis konkrete Schritte zur Entwaffnung erforderlich seien.
Netanjahus rote Linie
Nach den Gesprächen in Ägypten reiste Kushner nach Jerusalem. Netanjahu kritisierte die direkten Gespräche mit Hamas-Führern und verwies darauf, dass es sich um die „Architekten des 7. Oktobers“ handele. Der Premierminister bekräftigte Israels Sicherheitsposition. Ein Abzug der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) von der strategisch wichtigen „Gelben Linie“ oder ein umfassender Wiederaufbau im Gazastreifen kommen erst infrage, wenn die Hamas vollständig entwaffnet ist. Die Waffen sollen unter US-Aufsicht an den Kommandeur der internationalen Stabilisierungstruppe (ISF) zur Vernichtung übergeben werden. Netanjahu stellte zudem klar, dass die IDF während der Übergangsphase ihre operative Handlungsfreiheit und das Recht auf Selbstverteidigung behalten müsse, um terroristische Bedrohungen zu neutralisieren.
Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) in Ramallah reagierte besorgt und beklagte, von Washington umgangen zu werden. Obwohl die Entwaffnung der Hamas auch eine langjährige Forderung der PA ist, sieht sie ihre politische Rolle gefährdet. PA-Vertreter warfen den USA vor, Präsident Mahmud Abbas ins Abseits zu drängen und der Hamas durch direkte Gespräche politischen Einfluss zu verschaffen.
Gemeinsame Arbeitsgruppen für Sicherheit und Wiederaufbau
Israel und der US-geführte Friedensrat einigten sich auf zwei gemeinsame Arbeitsgruppen. Die erste soll die Demilitarisierung und vollständige Entwaffnung des Gazastreifens vorantreiben. Die zweite befasst sich mit Infrastruktur, Wasserversorgung und Hygiene, um eine sanitäre Krise und mögliche Epidemien zu verhindern. Sollte die Hamas in den kommenden Wochen keine konkreten Schritte zur Entwaffnung unternehmen, machten Vertreter des Friedensrats deutlich, dass Israel auf internationale Unterstützung für ein Vorgehen gegen verbliebene Strukturen der Terrororganisation zählen könnte.
Jerusalem macht seine Position deutlich: Ein dauerhafter Frieden in Gaza setzt umfassende Sicherheit, die vollständige Entwaffnung der Hamas und die Beseitigung ihrer militärischen Strukturen voraus.
Titelbild: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu setzt klare Grenzen bei einem möglichen Rückzug israelischer Truppen aus Gaza. Foto: Chaim Goldberg/Flash90