
Eskalation an der Nordgrenze – Trump-Telefonat stoppt geplante Beirut-Offensive Israels
JERUSALEM, 03.06.2026 (NH) – Die Sicherheitslage an der israelischen Nordgrenze hat sich in den vergangenen Tagen deutlich verschärft. Trotz bestehender Vereinbarungen setzte die Terrororganisation Hisbollah ihre Angriffe auf israelische Militärstellungen, Städte und die Zivilbevölkerung fort. Die israelische Führung sah sich deshalb zu einer entschlossenen Reaktion veranlasst. Zum Schutz der Bevölkerung im Norden ordneten Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Israel Katz einen umfassenden Luftschlag gegen Terrorziele im Dahiya-Viertel von Beirut an.
Truppen bereits auf dem Weg zum Einsatz
Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) versetzten ihre Einheiten nach dem Befehl in höchste Einsatzbereitschaft. Berichten zufolge befanden sich Flugzeuge und weitere Kräfte bereits in der Einsatzvorbereitung oder sogar auf dem Weg zu ihren Zielen in der libanesischen Hauptstadt, als eine direkte Intervention aus Washington erfolgte. US-Präsident Donald Trump forderte in einem dringenden Telefonat mit Netanjahu, die Offensive in Beirut umgehend zu stoppen, um laufende Verhandlungen mit dem Iran nicht zu gefährden. Israel folgte der Bitte und beorderte die Streitkräfte zurück. Zugleich machte die Regierung deutlich, dass ihre Entschlossenheit zur Verteidigung des eigenen Territoriums unverändert sei.
Hartem Telefonat folgt innenpolitischer Widerstand
Medienberichte, insbesondere des US-Portals Axios, zeichneten ein angespanntes Bild des Gesprächs. Demnach soll Trump „wütend“ gewesen sein und Netanjahu mit Ausdrücken wie „f***ing crazy“ bezeichnet haben. Zudem seien Aussagen gefallen, wonach Netanjahu ohne Trumps Unterstützung „im Gefängnis“ säße. Israelische Regierungsvertreter wiesen dies zurück. Ein hochrangiger Beamter erklärte, das Gespräch sei zwar intensiv und hart geführt worden, persönliche Beleidigungen habe es jedoch nicht gegeben. Auch US-Medienpersönlichkeiten wie Mark Levin kritisierten die Informationslecks als Verstoß gegen nationale Interessen. Solche Berichte spielten nach ihrer Einschätzung vor allem dem iranischen Regime und der Hisbollah in die Hände.
Dennoch regte sich in Israel erheblicher politischer Widerstand gegen die Absage des Angriffs. Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir erklärte, es sei an der Zeit, dem US-Präsidenten „Nein“ zu sagen und die Hisbollah mit Härte zu treffen, um die Sicherheit im Norden wiederherzustellen. Der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot bezeichnete die Entscheidung als „demütigende Kapitulation“ vor einer unvernünftigen Forderung, die Israels Interessen schade. Auch Oppositionsführer Yair Lapid kritisierte, Israel dürfe sich nicht wie ein „Schutzstaat“ der USA verhalten. Ex-Premierminister Naftali Bennett warf der Regierung vor, die Souveränität preiszugeben.
Standhaftigkeit bleibt die oberste Priorität
Trotz diplomatischen Drucks und innenpolitischer Debatten bleibt die offizielle Position der israelischen Führung unverändert. Netanjahu stellte nach dem Telefonat klar: „Unsere Position bleibt dieselbe.“ Sollte die Hisbollah ihre Angriffe nicht einstellen, werde Israel nach Angaben der Regierung nicht zögern, auch Ziele in Beirut anzugreifen. Die Sicherheit der Bevölkerung sei nicht verhandelbar. Die IDF bleibe in höchster Alarmbereitschaft, um auf weitere Bedrohungen entschlossen zu reagieren.
Titelbild: Abfangraketen werden von israelischen Raketenabwehrsystemen auf anfliegende Raketen aus dem Libanon abgefeuert. Foto: Ayal Margolin/Flash90