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Hoffnungsträger: Israel setzt auf christliche Pilger für den Neustart des Tourismus

JERUSALEM, 05.02.2026 (BF) – Nach zwei Jahren Krieg, geopolitischer Unsicherheit und dramatisch eingebrochener Besucherzahlen sucht Israel nach Wegen aus der Tourismuskrise. Die Strategie ist klar umrissen. Christliche Pilger, evangelikale Gemeinden und proisraelische Zielgruppen sollen zur tragenden Säule der Erholung werden. Das Tourismusministerium setzt dabei auf gezielte Ansprache, digitale Werkzeuge und internationale Partner.

Auf der Internationalen Mittelmeer-Tourismusmesse (IMTM) in Tel Aviv stellte Tourismusminister Haim Katz eine neue Marketingoffensive vor. Mehr als 20 Millionen Schekel fließen in eine digitale Kampagne für Nordamerika. Der Fokus liegt auf evangelikalen Christen, jüdischen Gemeinden und Israel-Unterstützern. Die zentrale Botschaft lautet, dass Israel lebt, funktioniert und wieder bereisbar ist.

Katz sprach von vorsichtigem Optimismus. Mit der verbesserten Flugverfügbarkeit im Jahr 2026 gebe es erstmals seit Langem realistische Chancen auf eine Erholung. Die Kampagne trägt den Titel „I Am Israel“ und soll gezielt Vertrauen schaffen in einem Umfeld, das von Reisewarnungen und negativen Schlagzeilen geprägt ist.

Zahlen zeigen erste Bewegung

Die Lage der Branche bleibt angespannt. Vor dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 hatte Israel mit 5,5 Millionen Besuchern gerechnet. Tatsächlich kamen in jenem Jahr rund 3 Millionen. 2024 fiel die Zahl unter eine Million, 2025 lag sie bei etwa 1,3 Millionen. Zum Vergleich: 2019, dem Rekordjahr, verzeichnete 4,5 Millionen Touristen.

Tourismusministeriums-Direktor Michael Izhakov betont, dass erste Anzeichen einer Erholung sichtbar sind. In den ersten Wochen dieses Jahres reisten rund 140 000 Besucher ein, mehr als doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für 2026 rechnet das Ministerium vorsichtig mit zwei bis drei Millionen Touristen.

Für christliche Pilger ein wichtiges Ziel: der See Genezareth im Norden Israels. Foto: Michael Giladi/Flash90

Der Weg zurück bleibt fragil. Zwar endeten die intensiven Kampfhandlungen in Gaza nach einem Waffenstillstand im Oktober, doch die Spannungen rund um Iran und mögliche amerikanische Militärschläge sorgen weiterhin für Unsicherheit. Hinzu kommt ein internationales Klima, das Israel zunehmend kritisch gegenübersteht.

Digitale Pilgerreisen als Brücke

Ein zentrales Element der neuen Strategie ist Technologie. Auf der Messe wurde die Plattform HolyLandTravel.ai vorgestellt, eine KI-gestützte App zur Planung von Pilgerreisen. Unterstützt wurde der Start von US-Botschafter Mike Huckabee, selbst langjähriger evangelikaler Pastor und Israel-Reiseführer.

Huckabee zeigte sich überzeugt, dass der Tourismus zurückkehren wird, auch wenn es Zeit brauche. Er berichtete von leeren Hotels, kurzen Warteschlangen und biblischen Stätten ohne Gedränge. Die Sicherheitsfrage sei allgegenwärtig, sagte er, aber er fühle sich in Israel sicher, nicht anders als in vielen Teilen der USA.

Die App richtet sich vor allem an evangelikale Christen. Nutzer können individuelle Reiserouten erstellen, Budgets planen und thematische Schwerpunkte setzen. Ergänzt wird das Angebot durch automatisch generierte Podcasts, Video-Touren und eine Kartenintegration. Entwickelt wurde die Plattform in Zusammenarbeit mit Studierenden der Reichman University in Herzliya. Initiiert wurde das Projekt vom Philanthropen Jack Gottlieb.

Für das Tourismusministerium ist der Ansatz strategisch. Evangelikale Christen gelten als besonders reisefreudig und als loyale Zielgruppe. In den USA leben rund 80 Millionen von ihnen. Viele verbinden ihre Israelreise mit einem starken persönlichen und religiösen Bezug.

Der Neustart des Tourismus wird kein schneller sein. Doch Israel setzt bewusst auf jene Gruppen, für die das Land mehr ist als ein Urlaubsziel. Glaube, Geschichte und Identität sollen Vertrauen schaffen, wo Politik und Schlagzeilen es oft nicht tun.

Titelbild: Ein Höhepunkt für Touristen aus aller Welt ist der Blick vom Jerusalemer Ölberg auf den Tempelberg. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

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