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Ausnahmezustand im Supermarkt: Zwischen Panik, Schock und Vorbereitung

JERUSALEM, 03.03.2026 (NH) – Der US-israelische Militärschlag gegen das brutale Mullahregime im Iran hat viele Israelis zutiefst verunsichert. Das liegt vor allem daran, dass die Operation „Brüllender Löwe“ an einem besonderen Tag startete: dem Schabbatmorgen. Während viele große Supermärkte geschlossen blieben, unterbrach ohrenbetäubender Raketenalarm das öffentliche Leben ein weiteres Mal abrupt.

Erster Kriegstag geprägt von „Schlafanzug-Einkäufen“

Die Folge des Kriegsausbruchs war ein massiver Ansturm auf jene wenigen Ketten, die zum Schabbat geöffnet hatten – darunter die Läden AM-PM und Tiv Taam. Augenzeugen berichteten von Szenen, die den Ausnahmezustand widerspiegelten: Menschen, die direkt aus den Schutzräumen in die Läden eilten, teils noch im Schlafanzug. Eine Mutter aus Tel Aviv schilderte, wie ihre Kinder von Sirenen geweckt wurden – und sie unmittelbar danach aufbrach, um Wasser, Konserven und Grundnahrungsmittel zu besorgen. Die Zahlen unterstreichen die Dynamik: In den ersten beiden Tagen schnellten die Kreditkartenausgaben für Lebensmittel um rund 48,9 bis 49 Prozent im Vergleich zur Vorwoche in die Höhe. Die Kette Carrefour meldete für den ersten Sonntag nach Kriegsbeginn einen massiven Umsatzsprung von 300 Prozent gegenüber dem vorherigen Sonntag. Was zunächst wie ein unkontrollierbarer Kaufsturm wirkte, war vor allem Ausdruck eines psychologischen Schocks.

Beruhigung ab 1. März – Vorbereitung zahlt sich aus

Bereits in den Berichten vom 1. und 2. März 2026 zeigte sich jedoch ein deutlich anderes Bild. Die Lage in den Supermärkten entspannte sich spürbar. Trotz der extremen und weiterhin sehr hohen Lebensmittelnachfrage meldeten die verschiedenen Ketten keine Versorgungsengpässe. Die Regale blieben gefüllt, die Logistikketten stabil. Ein Grund dafür liegt in der strategischen Vorbereitung: Seit fast zwei Monaten hatten Drohungen aus den USA auf eine mögliche Eskalation hingewiesen. Händler und Produzenten stockten ihre Bestände massiv auf. Viele Israelis nutzten diese Vorwarn- und Wartezeit ebenfalls, um sich in Ruhe mit haltbaren Lebensmitteln und Wasservorräten einzudecken.

Führungskräfte von Carrefour und Tnuva betonten gestern, das System arbeite mit voller Kapazität. Auch wenn bei Tnuva rund zehn Prozent der Belegschaft aufgrund von einer weiteren Runde von Reservedienst-Einberufungen fehlten, konnten sämtliche Lieferorte – von Kiryat Shmona im Norden bis Eilat im Süden – weiterhin versorgt werden. Hamsterkäufe über den normalen Bedarf hinaus wie in früheren Militärauseinandersetzungen wurden nach Unternehmensangaben nicht verzeichnet und seien auch nicht notwendig.

Vom Schock zum „Notstands-Alltag“

Während am ersten Tag vielfach „wahllos“ eingekauft wurde, zeigt sich unter der israelischen Bevölkerung inzwischen ein verändertes, gezielteres Kaufverhalten. Gefragt sind vor allem Produkte für den Schutzraum: Mineralwasser, Konserven, Snacks, Hygieneartikel. Der beängstigende Ausnahmezustand ist einer Form des organisierten Krisenmodus gewichen – ein Modus, in den die Israelis in den vergangenen zweieinhalb Jahren leider zu oft wechseln mussten. Die Bilder vom 28. Februar – Menschen in Schlafkleidung zwischen Einkaufswagen, Sirenen im Hintergrund – stehen sinnbildlich für den Moment des Schocks. Doch ebenso deutlich zeigt sich nun: Die monatelange Vorbereitung von Markt und Industrie hat das System stabil gehalten. Aus Panik wurde Planung, aus dem ersten Ansturm ein kontrollierter „Notstands-Alltag“.

Während dieser organisierte „Notstands-Alltag“ nun den Rhythmus bestimmt, bleibt die leise, aber beharrliche Hoffnung, dass nach Sirenen und Schutzräumen bald wieder die normale Routine ins Heilige Land zurückkehrt – eine Zeit, in der Einkaufswagen nicht mehr vom Ausnahmezustand erzählen, sondern vom selbstverständlichen Frieden des Alltags.

Titelbild: Bürger decken sich mit Lebensmitteln ein, während Israel auf eine mögliche weitere Eskalation mit dem Iran vorbereitet ist. Foto: Michael Giladi/Flash90

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