
Israel organisiert Rückkehr der im Ausland Gestrandeten – Zehntausende wollen heim
von Alon David
JERUSALEM, 03.03.2026 – Der Krieg zwischen Israel und dem Iran spielt sich nicht nur in der Luft und auf strategischen Karten ab. Er betrifft ganz konkret Zehntausende Menschen, die sich plötzlich außerhalb des Landes wiederfinden – ohne Rückflug, ohne Plan, wann sie zurückkehren können. Mit der Schließung des israelischen Luftraums kam der zivile Flugverkehr vollständig zum Erliegen. Nach israelischen Schätzungen sitzen rund 150.000 bis 170.000 Israelis im Ausland fest.
Viele waren im Urlaub, auf Geschäftsreise oder bei Familienbesuchen. Als die Eskalation begann und Raketenangriffe einsetzten, wurden Flüge gestrichen, Maschinen umgeleitet und Crews außer Landes stationiert. Innerhalb weniger Stunden verwandelte sich normale Reisetätigkeit in eine logistische Ausnahmesituation.
Die israelische Fluggesellschaft El Al reagierte umgehend. Der reguläre Ticketverkauf wurde vorübergehend gestoppt, um vorhandene Kapazitäten für gestrandete Passagiere freizuhalten. Sobald Sicherheitsbehörden und Luftfahrtaufsicht die schrittweise Öffnung des Luftraums erlauben, sollen Rückholflüge priorisiert durchgeführt werden. Zunächst geht es um Reisende mit bestehenden Buchungen. Optionen zur Umbuchung oder Erstattung wurden eingerichtet.
Doch El Al ist nicht allein. Auch die israelischen Airlines Arkia und Israir arbeiten an Sonderlösungen. Da direkte Flüge nach Tel Aviv zeitweise nicht möglich sind, setzen einige Verbindungen auf Umwege: Passagiere werden aus europäischen Städten zunächst nach Taba in Ägypten geflogen. Von dort aus erfolgt – abhängig von der Sicherheitslage – die Weiterreise über den Landweg nach Israel. Diese Konstruktion ist kompliziert, aber sie zeigt, wie flexibel die israelische Luftfahrtbranche in Krisen agiert.

Für viele Israelis ist die Situation emotional belastend. Während ihre Familien in Schutzräumen sitzen oder bei Raketenalarm in den Norden oder Süden des Landes eilen, befinden sie sich tausende Kilometer entfernt. Der Wunsch, nicht irgendwo auszuharren, sondern nach Hause zu kommen – selbst in ein Land unter Beschuss – prägt die Stimmung. Es geht nicht nur um Logistik. Es geht um Zugehörigkeit.
Luftverkehr als geopolitische Achillesferse
Die aktuelle Lage verdeutlicht, wie verwundbar internationale Mobilität ist. Der Nahe Osten ist ein dicht vernetzter Luftraum. Wird ein Korridor gesperrt, entstehen sofort Dominoeffekte. Maschinen müssen Umwege fliegen, Treibstoffreserven neu kalkuliert werden, Slots verschieben sich, internationale Drehkreuze geraten unter Druck.
Israels Hauptflughafen Ben Gurion kann nur in stark eingeschränktem Rahmen operieren. Sicherheitsvorgaben bestimmen jede einzelne Bewegung. Internationale Airlines haben ihre Verbindungen vorübergehend ausgesetzt oder prüfen täglich neu, ob eine Wiederaufnahme vertretbar ist.
Für Israel ist die Lage besonders sensibel. Anders als bei gewöhnlichen Flugausfällen handelt es sich um eine sicherheitspolitische Extremsituation. Gleichzeitig steht der Staat traditionell in der Verantwortung, seine Bürger im Ausland nicht allein zu lassen. Diese Erwartung ist Teil des gesellschaftlichen Selbstverständnisses.
Während der Fokus klar auf der Rückholung israelischer Staatsbürger liegt, zeigt die Krise auch eine europäische Dimension. Am Rande dieser Entwicklungen sitzen weiterhin zahlreiche Deutsche in verschiedenen Golfstaaten fest – etwa in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Katar -, nachdem Verbindungen gestrichen oder Lufträume gesperrt wurden. Auch sie warten auf reguläre Flugmöglichkeiten oder alternative Routen.
Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran bleibt militärisch angespannt. Doch für viele Menschen ist er längst zu einer sehr persönlichen Erfahrung geworden: festzustecken zwischen gesperrten Himmeln und der Hoffnung, bald wieder heimkehren zu können.
Titelbild: Flugzeug der israelischen Fluggesellschaft El Al am Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv. Foto: Moshe Shai/Flash90