
Gespräche mit Beirut – aber die Hisbollah will keinen Frieden
von Alon David
JERUSALEM / BEIRUT, 14.05.2026 – Die Bilder aus dem Libanon zeigen erneut Rauch über dem Süden des Landes, zerstörte Gebäude und Menschen, die zwischen den Fronten leben müssen. Während die USA versuchen, direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon voranzutreiben, wird gleichzeitig immer deutlicher: Solange die Hisbollah als bewaffnete Terrororganisation den Staat Libanon dominiert, bleiben echte Fortschritte kaum möglich.
Dabei ist eines wichtig festzuhalten: Israel führt keinen Krieg gegen die libanesische Bevölkerung. Israel hat kein Interesse an einer Eskalation mit den Menschen im Libanon. Das eigentliche Problem bleibt die vom Iran gesteuerte Hisbollah-Miliz, die den Süden des Landes seit Jahren militarisiert und den Libanon immer wieder in Konflikte mit Israel hineinzieht.
In den vergangenen Tagen forderte der libanesische Präsident Joseph Aoun die USA auf, Israel unter Druck zu setzen, die Angriffe im Südlibanon zu stoppen. Gleichzeitig laufen hinter den Kulissen weitere amerikanisch vermittelte Gespräche zwischen Jerusalem und Beirut.
Doch genau hier zeigt sich das grundlegende Problem des Nahen Ostens: Verhandlungen alleine reichen oft nicht aus, solange Terrororganisationen und radikale Regime weiterhin den Kurs bestimmen.

Israel will Gespräche – die Hisbollah lehnt sie ab
Zum ersten Mal seit Jahrzehnten finden direkte diplomatische Kontakte zwischen Israel und dem Libanon statt. In Washington sollen diese Woche weitere Gespräche folgen. Themen sind unter anderem die Stabilisierung der Grenze, ein möglicher Rückzug israelischer Kräfte und vor allem die Entwaffnung der Hisbollah.
Israels Position ist dabei klar: Frieden kann es nur geben, wenn die Hisbollah ihre Waffen verliert und der libanesische Staat wieder die Kontrolle über das eigene Land übernimmt.
Selbst libanesische Politiker äußern inzwischen ungewöhnlich offen Kritik an der Terrororganisation. Präsident Aoun erklärte zuletzt, Verhandlungen mit Israel seien „kein Verrat“. Verrat sei vielmehr, „das eigene Land für fremde Interessen in den Krieg zu ziehen“ – eine klare Anspielung auf die Hisbollah und den Iran.
Doch die Hisbollah lehnt direkte Gespräche weiterhin kategorisch ab und versucht, jede Annäherung zu sabotieren.
Der Einfluss des iranischen Mullah-Regimes
Der Libanon-Konflikt lässt sich nicht getrennt vom Iran betrachten. Die Hisbollah ist seit Jahrzehnten der wichtigste bewaffnete Arm des iranischen Mullah-Regimes in der Region. Waffen, Geld, Ausbildung und strategische Entscheidungen kommen direkt aus Teheran.
Genau deshalb erinnern die aktuellen Entwicklungen auch an die Verhandlungen mit dem iranischen Regime selbst. Immer wieder gab es Gespräche, internationale Vermittlungen und diplomatische Initiativen. Doch gleichzeitig setzt das iranische Regime weiter auf Terrornetzwerke, Destabilisierung und Gewalt in der gesamten Region.
Auch im Persischen Golf zeigt sich: Solange das iranische Terror-Mullah-Regime seinen regionalen Einfluss ausbauen will, bleiben dauerhafte diplomatische Lösungen extrem schwierig.
Im Westen wird häufig vergessen, dass auch viele Libanesen unter der Hisbollah leiden. Die Terrororganisation hat den Süden des Landes faktisch in eine militärische Front gegen Israel verwandelt. Große Teile der libanesischen Bevölkerung zahlen dafür den Preis – wirtschaftlich, politisch und sicherheitspolitisch.
Israel betont deshalb immer wieder, dass die militärischen Operationen gegen Terrorziele gerichtet seien. Nach Angaben Jerusalems behält sich Israel das Recht vor, gegen „geplante, unmittelbare oder laufende Angriffe“ vorzugehen.
Gleichzeitig wächst auch international die Erkenntnis, dass die Hisbollah das zentrale Hindernis für Stabilität ist. US-Außenminister Marco Rubio erklärte zuletzt, ein Frieden zwischen Israel und dem Libanon sei grundsätzlich möglich – das Problem bleibe jedoch die Hisbollah.
Trotzdem bleiben Gespräche wichtig
Trotz aller Rückschläge bleibt der diplomatische Kontakt zwischen Israel und dem Libanon entscheidend. Denn langfristige Stabilität wird es nur geben, wenn der Libanon wieder ein souveräner Staat wird – ohne iranische Kontrolle und ohne Terror-Miliz als Schattenarmee.
Gerade deshalb sind Gespräche wichtig. Nicht aus Naivität, sondern weil jede Möglichkeit genutzt werden muss, um zu verhindern, dass der Libanon endgültig zum nächsten Schauplatz regionaler Stellvertreterkriege wird.
Bereits vergangene Woche berichteten wir bei Fokus Jerusalem darüber, Warum Gespräche mit der libanesischen Regierung wichtiger sind denn je.
Titelbild: Der libanesische Präsident Joseph Aoun hält vom Präsidentenpalast in Baabda aus eine Fernsehansprache an das libanesische Volk. Foto: AFP/Lebanese Presidency