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Warum Europa den Konflikt mit den Mullahs scheut

JERUSALEM 08.03.2026 (LS) – Die europäische Iranpolitik wird von vielen Kommentatoren als geprägt von Vorsicht, diplomatischen Illusionen und innenpolitischen Zwängen beschrieben. Statt einer klaren Konfrontation mit Teheran setzten viele europäische Staaten weiterhin auf Dialog und wirtschaftliche Beziehungen – selbst in Zeiten zunehmender Spannungen im Nahen Osten.

Europäische Länder und der Irankrieg

Wenige Stunden nach Beginn der Angriffe auf den Iran erklärte der spanische sozialistische Premierminister Pedro Sánchez auf X: „Wir lehnen die einseitige Militäraktion der Vereinigten Staaten und Israels ab.“ Der israelische Außenminister Gideon Sa’ar warf der spanischen Regierung daraufhin vor, „sich auf die Seite des Iran zu stellen“.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich erbost über die Weigerung des britischen Premierministers Keir Starmer, Amerika mit britischen Ressourcen zu unterstützen. „Er ist kein Churchill“, so der Präsident.

Frankreichs Emmanuel Macron äußerte sich besorgt über eine „Eskalation“ im Iran und ließ seinen Außenminister China anrufen. Seine Besorgnis teilt auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die sich „zutiefst besorgt“ über den Angriff zeigte und alle Parteien zu „größter Zurückhaltung“ aufforderte.

Furcht vor Eskalation und wirtschaftlichen Folgen

Europäische Regierungen wollen vor allem eine militärische oder politische Eskalation mit dem Iran vermeiden. Diese Haltung ist auch mit wirtschaftlichen Interessen verbunden. Viele europäische Länder haben über Jahre hinweg Handelsbeziehungen zum Iran aufgebaut und sind deshalb zurückhaltend, wenn es um harte Maßnahmen gegen das Regime geht. Der größte Handelspartner Irans ist Deutschland, gefolgt von Italien.

Diese Zurückhaltung ist auch Teil einer politischen Kultur, die Konflikte möglichst vermeiden möchte. „Europa glaubt weiterhin, dass man mit den Mullahs reden kann“, so der Kommentator Guilio Meotti. Doch diese Annahme habe sich wiederholt als Illusion erwiesen.

Weiter erklärt er: „Statt Stärke zu zeigen, hoffen viele europäische Politiker, dass Diplomatie allein das Problem lösen kann.“ Diese Hoffnung sei jedoch angesichts der regionalen Politik Irans zunehmend schwer aufrechtzuerhalten.

Innenpolitischer Druck in Europa

Neben wirtschaftlichen Interessen sind auch innenpolitische Faktoren ein wichtiger Grund für Europas vorsichtige Haltung. In vielen europäischen Ländern spielen gesellschaftliche Spannungen, Migration und politische Polarisierung eine große Rolle. Europäische Regierungen wollen deshalb vermeiden, zusätzliche Konflikte im Nahen Osten zu verschärfen. „Viele europäische Politiker fürchten die innenpolitischen Folgen eines offenen Konflikts mit Iran“, argumentiert Meotti.

Die politische Kultur Europas ist häufig stärker auf Kompromiss und Verhandlungen ausgerichtet als auf militärische Abschreckung. Israel und die Vereinigten Staaten hingegen sind eher bereit, militärische oder wirtschaftliche Druckmittel einzusetzen.

US-Senator Lindsey Graham äußerte sich sehr direkt: „Es ist erbärmlich, wie tief Westeuropa gesunken ist. An unsere europäischen Verbündeten: Ihr seid erbärmlich weich geworden und habt euren Enthusiasmus für die Bekämpfung des Bösen verloren, offenbar solange es nicht direkt vor eurer Haustür stattfindet. Was für eine Schande.“

Titelbild: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit US-Piloten. Foto: Maayan Toaf/GPO

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