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Leben zwischen den Sirenen: Kiryat Shmonas Rückkehr in den Krieg

JERUSALEM, 16. April 2026 (TPS-IL) – Batsheva liegt in ihrem Bett in einem unterirdischen Schutzraum in Kiryat Shmona. Neben ihr läuft der Fernseher, im Hintergrund ist das leise Rauschen einer Talkshow zu hören. Es gibt keine Fenster, kein Tageslicht, nur das gleichmäßige Summen von Leuchtstoffröhren, die einen fahlen Schein über den Raum werfen. Der Schutzraum ist sauber, eine Reihe ordentlich gemachter Betten erstreckt sich entlang der Wand. Batsheva, deren graues Haar über einer rosa Decke hervorblitzt, die sie bis zur Brust hochgezogen hat, ist allein mit dem Fernseher. Sie hat seit über einem Monat keine Sonne mehr gesehen.

Die ältere Frau hält sich seit Beginn der Kämpfe Anfang März in einem öffentlichen Schutzraum auf. Sie verlässt ihn nur kurz, um bei einem Nachbarn über dem Schutzraum zu duschen, und sagt, die Angst halte sie davon ab, in ihr Haus weiter oben in der Straße zurückzukehren. „Ich habe ein ungutes Gefühl, wenn ich hinausgehe, dass mir etwas zustoßen wird,“ erklärt sie.

Luftalarme prägen das Leben

Kiryat Shmona, die Stadt im Norden Israels, nahe der libanesischen Grenze, ist seit der Wiederaufnahme der Kämpfe mit der Hisbollah Anfang März zu einem Rhythmus aus unaufhörlichen Sirenen und Leben in Schutzräumen zurückgekehrt. Die Straßen sind ruhig, Geschäfte geschlossen, und die meisten Begegnungen finden in geschützten Räumen statt, statt in Wohnungen oder Cafés.

Batsheva, eine Bewohnerin von Kiryat Shmona, in einem Luftschutzbunker, den sie seit über einem Monat nicht mehr verlassen hat. Foto: Yoav Dudkevitch/TPS-IL

Vor dem Krieg war Kiryat Shmona eine pulsierende Stadt mit 24.000 Einwohnern. Heute ist schätzungsweise die Hälfte der Bevölkerung nach der Evakuierung im Jahr 2023 nicht zurückgekehrt.

Von den Einwohner, die geblieben sind oder kürzlich zurückgekehrt sind, schildert jeder eine andere Art, um mit Angst, Verbundenheit und Unsicherheit zu leben.

Bruria (61) wohnt mit ihrem Enkel, einem Erstklässler, in einer Notunterkunft. Das Restaurant ihrer Kinder ist seit Monaten geschlossen. Sie wurde 2023 evakuiert, als die Hisbollah nach dem Angriff der Hamas am 7. Oktober begann, Raketen auf Nordisrael abzufeuern. Bruria schwor, dass sie nicht noch einmal evakuiert werden würde: „Wir träumen davon, zu überleben und widerstandsfähig zu sein, aber sie sollten bis zum Ende durchhalten und keinen Waffenstillstand zwischendurch und weitere zwei Jahre Krieg zulassen. Ich werde Kiryat Shmona nicht verlassen, weil ich hier geboren bin, dies ist mein Zuhause, und ich bin nicht bereit, es zu verlassen“, betont sie.

Mit dem Taxi in den „Urlaub“

Evyatar ist ein junger Vater von zwei Kindern, der vor einem Jahr aus der Evakuierung zurückgekehrt ist. Er steht mit seiner Familie vor dem Haus seiner Eltern, wo sie auf ein Taxi warten. Sie sind auf dem Weg nach Tiberias zu einem viertägigen „Urlaub“, auf den alle Einwohner der Stadt Anspruch haben. Warum das Haus seiner Eltern? Da es in seinem eigenen Haus keinen Schutzraum gibt, wechselt Evyatars Familie zwischen dem Haus seiner Eltern und dem Haus der Eltern seiner Frau hin und her.

„Wir sind vor einem Jahr aus der Evakuierung zurückgekehrt und stehen nun wieder vor der Realität, dass wir für ein paar Tage in ein Hotel gehen müssen, um uns zu erholen. Wir wollen nicht evakuiert werden“, sagt er. „Warum nicht weggehen? Es sind gute Menschen hier. Ich bin hier geboren, meine Frau, meine Eltern, meine Großeltern – wir sind hier verwurzelt. Es ist schwer, ein Haus zu verlassen, das man liebt und in dem man glücklich ist.“

Koffer und ein Kinderwagen wurden in den Kofferraum gestopft. Fünf Minuten, nachdem das Taxi aus dem Blickfeld verschwunden war, ertönte eine Sirene, gefolgt von einem Knall. Die Realität in Kiryat Shmona macht für niemanden Halt.

Esther, die in ihren Sechzigern ist, hat ihr ganzes Leben in der Stadt verbracht und sagt, sie werde nicht noch einmal evakuiert werden. „Ich war anderthalb Jahre lang in einem guten Hotel untergebracht, habe aber aus dem Koffer gelebt“, erzählt sie. „Wir brauchen hier nur Sicherheit – alles andere ist ein gutes Leben.“

Esther sitzt mit einer Katze in ihrer Heimatstadt Kiryat Shmona im Freien, ein Schutzraum ist in Reichweite. Foto: Yoav Dudkevitch/TPS

Es ist später Nachmittag. Auf einem überdachten Spielplatz bewegen sich etwa ein Dutzend Kinder zwischen Rutschen, gepolsterten Matten und verschiedenen Spielgeräten hin und her, während ihre Stimmen von den verstärkten Wänden widerhallen. Eine alleinerziehende Mutter, die darum gebeten hat, anonym zu bleiben, sitzt in der Nähe, während ihre Tochter auf den Spielgeräten spielt.

Kinder sitzen vor Bildschirmen

„Ich bin schon seit dem Morgen hier“, sagt sie mit müder Resignation. Die Mutter unterrichtet Sonderpädagogik über Zoom und erzählt, dass ihre Tochter stundenlang vor Bildschirmen sitzt.

„Die Kinder laufen von Haus zu Haus, zum Fernseher, zum Tablet, zum Handy“, berichtet sie.

Der Lärm des Krieges sei allgegenwärtig. „Es ist schrecklich, so zu leben. Der Lärm, die Flugzeuge – ich habe kein Problem damit, dass wir dort schießen, aber der Lärm ist furchtbar. Das sechsjährige Mädchen kann unterscheiden, welche Schüsse von uns kommen und welche von ihnen, welche Abfangraketen sind und welche Drohnen.“

In Kiryat Shmona ist der Krieg nie wirklich außer Hörweite.

Titelbild: Sicherheitskräfte untersuchen die Überreste einer Hisbollah-Rakete aus dem Libanon, die in Kiryat Shmona eingeschlagen ist. Foto: Ayal Margolin/Flash90

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