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Nach Polizeigewalt gegen Gaza-Flotilla-Aktivisten: Israel wirft Spanien Heuchelei vor

JERUSALEM/BILBAO, 25.05.2026 (DR) – Nach einem gewaltsamen Polizeieinsatz gegen pro-palästinensische Flotilla-Aktivisten am Flughafen von Bilbao hat Israel eine Stellungnahme der spanischen Regierung gefordert. Die Aktivisten waren zuvor Teil der sogenannten „Global Sumud Flotilla“ gewesen, die versucht hatte, die israelische Seeblockade vor dem Gazastreifen zu durchbrechen.

Gewalt am Flughafen Bilbao

Nach ihrer Rückkehr nach Spanien kam es am Samstag am Flughafen Bilbao im Baskenland, einer Autonomen Gemeinschaft Spaniens, zu Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der spanischen Flotilla-Delegation, Unterstützern und der baskischen Polizei Ertzaintza. Videoaufnahmen zeigen, wie Beamte Aktivisten über den Boden des Terminals ziehen und Schlagstöcke einsetzen. Vier Personen wurden festgenommen. Nach spanischen Berichten werden ihnen schwere Gehorsamsverweigerung, Widerstand gegen die Staatsgewalt und Angriff auf einen Polizeibeamten vorgeworfen.

Der Vorfall ereignete sich, als sechs Mitglieder der spanisch-baskischen Delegation nach ihrer Ankunft aus der Türkei vor Kameras posierten. Laut baskischer Polizei blockierten Aktivisten und Unterstützer dabei einen der Ausgänge des Ankunftsbereichs. Die „Global Sumud Flotilla“ schilderte den Auslöser anders: Ein Familienmitglied habe versucht, eine Absperrung zu überqueren, um eine der zurückgekehrten Personen zu umarmen – woraufhin die Situation eskalierte.

Die baskische Polizei leitete eine interne Untersuchung ein. Mehrere linke Parteien und Bündnisse kritisierten den Einsatz scharf; am Sonntag demonstrierten nach Medienberichten rund 2.000 Menschen in Bilbao gegen den Polizeieinsatz.

Israel dreht den Vorwurf um

Der Vorfall erhält besondere politische Brisanz, weil Spanien wenige Tage zuvor selbst diplomatisch gegen Israel vorgegangen war. Hintergrund war ein Video von Israels Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, in dem er festgehaltene Flotilla-Aktivisten verhöhnte, während diese gefesselt auf dem Boden knieten. Fokus Jerusalem berichtete bereits über den diplomatischen Eklat nach dem Flotilla-Einsatz und die scharfe Kritik an Ben-Gvir auch aus Israel selbst.

Nach den Bildern aus Bilbao reagierte Israel mit einem ähnlichen diplomatischen Schritt. Auf Anweisung von Außenminister Gideon Sa’ar wurde die spanische Geschäftsträgerin Francisca Pedrós ins Außenministerium in Jerusalem einbestellt. Dort warf ihr Botschafter Yossi Amrani, politischer Direktor des Ministeriums, der spanischen Regierung Heuchelei vor: Madrid verurteile Israel für die Durchsetzung einer aus israelischer Sicht rechtmäßigen Seeblockade, während spanische Sicherheitskräfte selbst schwere Gewalt gegen dieselben Aktivisten anwendeten.

Amrani kritisierte zudem, dass Ministerpräsident Pedro Sánchez den Polizeieinsatz nach israelischer Darstellung nicht öffentlich verurteilt habe. Zugleich forderte Israel Spanien auf, sich zum Fall des Flotilla-Aktivisten Saif Abu Keshk zu erklären. Dem spanischen Staatsbürger werden von israelischer Seite Verbindungen zur Hamas vorgeworfen; vergangene Woche wurde er von den USA mit Sanktionen belegt.

Madrid zählt in Europa zu den schärfsten Kritikern Israels und hatte zuletzt sogar eine Aussetzung des EU-Handelsabkommens mit Israel gefordert. Nach den Bildern aus Bilbao liefert nun ausgerechnet der Umgang spanischer Sicherheitskräfte mit denselben Aktivisten Israel die Grundlage für den Vorwurf der Doppelmoral.

Titelbild: Ein spanischer Polizist schlägt einen Aktivisten der „Global Sumud Flotilla“ bei dessen Ankunft am Flughafen Bilbao. Foto: Idurre Etxaburu/AFP

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