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Nur Tage nach US-Iran-Vereinbarung: Iran droht mit Hormus-Sperre

JERUSALEM, 21.06.2026 (DR) – Nur Tage nach der Unterzeichnung der Rahmenvereinbarung zwischen den USA und Iran gibt es widersprüchliche Meldungen über den Status der Straße von Hormus. Während Irans Militär eine Schließung ankündigte, lief der Schiffsverkehr nach Angaben des iranischen Außenministeriums und der USA weiter.

Widersprüchliche Angaben aus dem Iran

Noch am Samstagmorgen hatte das iranische Außenministerium Berichte über eine Schließung der Straße von Hormus zurückgewiesen. Der Schiffsverkehr laufe normal, teilte ein Sprecher mit.

Am Nachmittag erklärte jedoch Irans militärisches Oberkommando, die Straße sei wegen eines „eklatanten Bruchs“ der Vereinbarung geschlossen worden. Als Begründung nannte das Militär laut der staatsnahen Nachrichtenagentur Tasnim die fortgesetzten israelischen Angriffe im Libanon sowie den ausbleibenden Abzug israelischer Truppen. Die Islamische Revolutionsgarde warnte Schiffe davor, sich der Meerenge zu nähern.

Hintergrund ist die Lage im Südlibanon: Dort war erst am Freitag eine Waffenruhe in Kraft getreten. Israels Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, warf der vom Iran unterstützten Hisbollah vor, israelische Truppen innerhalb von 24 Stunden mit 147 Raketen, rund 20 Drohnen und neun Panzerabwehrraketen beschossen zu haben. Israel reagierte mit Luftangriffen im Südlibanon. Libanesische Medien und Rettungskräfte meldeten mindestens 27 Tote.

Damit ging die erneute Eskalation von einem Verbündeten Irans aus, der ebenfalls von der im MoU vorgesehenen Einstellung der Kämpfe erfasst wird. Israel hatte das Memorandum dagegen nicht unterzeichnet. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte ausdrücklich erklärt, sein Land sehe sich nicht an dessen Bedingungen gebunden. Dennoch wertete Teheran die israelische Reaktion auf den Hisbollah-Beschuss als Verstoß der USA gegen die Vereinbarung. Der vorausgegangene Angriff der Hisbollah blieb in der iranischen Darstellung unerwähnt.

USA: Kein Hinweis auf Schließung

US-Vizepräsident JD Vance widersprach der Darstellung des iranischen Militärs in einem Interview mit Fox News. Das US-Zentralkommando teilte mit, am Samstag hätten 55 Handelsschiffe die Meerenge passiert und dabei mehr als 17 Millionen Barrel Öl transportiert.

Vor dem Krieg lief fast ein Fünftel der weltweiten Rohöl- und Flüssiggaslieferungen durch die Straße von Hormus. Zunächst hatte die iranische Ankündigung jedoch keine erkennbaren Auswirkungen auf den Schiffsverkehr.

Rahmenabkommen mit 60-Tage-Frist

Die zugrunde liegende Vereinbarung trägt den Namen Islamabad Memorandum of Understanding (MoU). US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian hatten sie am Mittwoch unterzeichnet.

Das MoU ist kein endgültiger Vertrag. Es soll die Kämpfe an allen Fronten – einschließlich im Libanon – vorerst beenden und eröffnet eine 60-tägige Frist für weitere Verhandlungen.

Ein für Freitag geplantes Treffen zur Umsetzung wurde zunächst verschoben. Am Wochenende kamen die Delegationen schließlich in der Schweiz zusammen. Im Mittelpunkt der von Pakistan und Katar vermittelten Gespräche stehen das iranische Atomprogramm, die Lage im Libanon und die Umsetzung des MoU.

Analysten hatten bereits vor der Unterzeichnung gewarnt, das Abkommen verschaffe dem Regime in Teheran vor allem Geld, internationale Legitimität und Zeit, ohne dessen Machtstrukturen tatsächlich zu schwächen.

Titelbild: Verhandlungsraum für die Atomgespräche zwischen den USA und Iran in Wien, 04.07.2015. Bild: U.S. Department of State/Wikimedia Commons

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