
Streit um Wasserabkommen: Israel erwägt die Einstellung zusätzlicher Wasserlieferungen an Jordanien
JERUSALEM 08.07.2026 (LS) – Israel will ein zusätzliches Wasserabkommen mit Jordanien vorerst nicht verlängern, solange Amman seine zunehmend feindselige Rhetorik gegenüber Jerusalem nicht mäßigt. Der Schritt könnte zu einer neuen diplomatischen Krise zwischen den beiden Nachbarstaaten führen.
Hierbei geht es nicht um die im Friedensvertrag garantierte Grundversorgung, sondern um zusätzliche Wassermengen, die Israel Jordanien aus politischem Entgegenkommen geliefert hatte. Genau diese Zusatzlieferungen stehen nun auf dem Prüfstand.
Israel erwartet mehr als nur stille Zusammenarbeit
Der Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien aus dem Jahr 1994 verpflichtet Israel, Jordanien jährlich 50 Millionen Kubikmeter Wasser zu liefern. Diese Menge liefert Israel weiterhin. Im Jahr 2021, während der Regierung von Naftali Bennett und Yair Lapid, hatte Israel jedoch zugesagt, die Menge an Frischwasser für Jordanien zu verdoppeln. Diese Zusatzvereinbarung lief Ende 2025 nach mehreren Verlängerungen aus.
Israel macht die Fortsetzung dieser zusätzlichen Lieferungen nun offenbar davon abhängig, dass Jordanien seine öffentliche Haltung gegenüber Israel mäßigt und die diplomatischen Beziehungen wieder vollständig normalisiert. Aus israelischer Sicht ist das keine Verletzung des Friedensvertrags, sondern eine politische Erwartung an einen Nachbarn, der weiterhin auf israelische Hilfe angewiesen ist.
Ein israelischer Vertreter erklärte, es gebe zwar keine rechtliche Verpflichtung, Jordanien über die vertraglich vereinbarte Menge hinaus Wasser zu liefern, aber „es gibt guten Willen zwischen den beiden Ländern“. Weiter führte er aus: „Jordanien braucht das Wasser, aber wenn man seinen Nachbarn hilft, erwartet man wärmere Beziehungen. Wenn es ein Treffen gibt, wird alles auf dem Tisch liegen – Normalisierung, Wasser und die Stärkung der bilateralen Beziehungen.“
Die Botschaft aus Jerusalem ist klar: Israel ist bereit, Jordanien weiter zu unterstützen, erwartet dafür aber nicht nur sicherheitspolitische Zusammenarbeit hinter verschlossenen Türen, sondern auch weniger feindselige öffentliche Angriffe. Während des Krieges gegen die Hamas war der Ton aus Amman gegenüber Israel immer schärfer geworden. In Israel wird diese Entwicklung als politisch gefährlich und langfristig destabilisierend betrachtet.
Jordanien zwischen Sicherheitskooperation und öffentlichem Druck
Der israelische Schritt kommt zu einem empfindlichen Zeitpunkt. Jordanien hatte während des Krieges mit Iran iranische Raketen und Drohnen über seinem Luftraum abgeschossen, die auf Israel gerichtet waren. Diese Zusammenarbeit war für Israels Sicherheit wichtig, setzte das jordanische Königshaus aber innenpolitisch unter Druck.
Dr. Ronen Yitzhak, Experte für israelisch-jordanische Beziehungen am Moshe-Dayan-Zentrum, ist der Meinung die Entscheidung Jerusalems werde in Amman wahrscheinlich als „Dolchstoß in den Rücken“ verstanden. Gerade weil Jordanien Israel während des Iran-Krieges unterstützt habe, sei der Zeitpunkt problematisch. In Jordanien werde die Nachricht von Gegnern Israels genutzt werden, um zu behaupten, Amman habe Israel geholfen und erhalte nun „Böses für Gutes“ zurück.
Israel steht damit vor einem schwierigen Balanceakt. Einerseits hat Jerusalem ein klares Interesse an einem stabilen Jordanien. Das Haschemitische Königreich ist ein wichtiger Sicherheitspartner, grenzt direkt an Israel und spielt eine zentrale Rolle für die Stabilität an Israels Ostgrenze. Andererseits ist Israel nicht bereit, dauerhaft zusätzliche Leistungen erbringen, während die jordanische Führung öffentlich eine immer härtere antiisraelische Linie fährt.
Titelbild: Wasser aus einer israelischen Entsalzungsanlage wird in den Fluss Zalmon und in den See Genezareth geleitet. Foto: Michael Giladi/Flash90