
„Wir sind gekommen, um Leben zu retten“: Erdbebenhilfe bringt Venezuela und Israel zusammen
JERUSALEM, 09.07 2026 (TPS-IL/TM) – Als ein Venezolaner, dessen Mutter aus den Trümmern geborgen worden war, israelische Rettungskräfte bat, über ihrem Leichnam Psalmen zu rezitieren, „wurde uns bewusst, dass wir mehr als nur Ausrüstung und Fachwissen mitgebracht hatten – wir hatten Mitgefühl, Glauben und Menschenwürde mitgebracht“, erklärte Yosef Garmon, Leiter von ZAKA in Lateinamerika, gegenüber dem Pressedienst TPS-IL. Garmon ist als Teil einer israelischen humanitären Delegation in Venezuela im Einsatz, die auf die verheerenden Erdbeben vom 24. Juni reagiert.
Große Dankbarkeit erlebt
„Überall, wo wir hinkamen, wurden wir von den Menschen mit Dankbarkeit empfangen“, sagte Garmon. „An einer der Universitäten kamen Hunderte von Studenten heraus, um unserem Team zu applaudieren.“ Er fügte hinzu, sogar Institutionen, die zuvor ihre Unterstützung für die palästinensische Sache zum Ausdruck gebracht hatten, hätten die humanitären Bemühungen begrüßt. „Wir sind nicht gekommen, um über Politik zu diskutieren; wir sind gekommen, um Leben zu retten“, unterstrich Garmon: „Als das Vertrauen durch unsere gemeinsamen humanitären Bemühungen wuchs, baten uns Vertreter der Universität um eine israelische Flagge als Zeichen der Wertschätzung.“
Die Aktion erregte in Venezuela große Aufmerksamkeit, unter anderem durch Besuche hochrangiger Regierungsvertreter und eine umfangreiche Berichterstattung in den lokalen Medien.
Die Mission ist besonders bemerkenswert, da Israel und Venezuela keine diplomatischen Beziehungen mehr unterhalten, seit Caracas im Jahr 2009 nach dem Gaza-Konflikt von 2008–2009 die Beziehungen zu Jerusalem abgebrochen hat. In Venezuela lebt zudem eine kleine jüdische Gemeinde, deren Größe auf 3.000 bis 5.000 Menschen geschätzt wird.
Zusätzlich zu den Dutzenden Mitarbeitern, die bereits vor Ort in Venezuela im Einsatz sind, unterstützen nun etwa 20 Spezialisten aus Israel aus der Ferne, indem sie Felddaten analysieren und bei der Ausarbeitung einer langfristigen Wiederaufbaustrategie helfen.
Beschädigte Gebäude begutachtet
Die israelische Delegation, bestehend aus Mitarbeitern des Außenministeriums, des Heimatfrontkommandos der israelischen Streitkräfte und der Nationalen Katastrophenschutzbehörde, arbeitet weiterhin mit den lokalen Behörden zusammen, um beschädigte Gebäude zu begutachten, festzustellen, welche Bauwerke sicher wiederhergestellt werden können, und den obdachlos gewordenen Bewohnern bei der Rückkehr in ihre Häuser zu helfen.
Nach offiziellen Angaben der venezolanischen Behörden forderten die Erdbeben 3.535 Todesopfer, 16.470 Verletzte und machten mehr als 17.000 Menschen obdachlos.

An der Seite der offiziellen Delegation ist ZAKA im Einsatz, Israels ehrenamtliche Rettungsorganisation, die auf Such-, Rettungs- und Bergungsmaßnahmen spezialisiert ist.
Garmon berichtete, bereits die Anreise in das Katastrophengebiet habe eine Herausforderung dargestellt. Da die Flughäfen in der betroffenen Region nach dem Erdbeben geschlossen waren, reiste sein Team auf dem Landweg über Kolumbien ein – eine Reise, die mehr als 15 Stunden dauerte –, bevor es die Genehmigung der Regierung erhielt, in den betroffenen Gebieten tätig zu werden.
Rettungskräfte und Fachärzte aus Israel
Nach ihrem Einsatz schlossen sich die ZAKA-Teams den lokalen Rettungskräften an, um eingestürzte Gebäude zu durchsuchen, Opfer zu bergen und Lebensmittel, Medikamente sowie medizinische Hilfsgüter zu verteilen. Die Organisation entsandte zudem Fachärzte, um die überlasteten Krankenhäuser zu entlasten.
Während die unmittelbaren Rettungsmaßnahmen in die Wiederaufbauphase übergehen, verteilt ZAKA Zelte, haltbare Lebensmittel, Medikamente und andere lebensnotwendige Hilfsgüter und ermittelt gleichzeitig den längerfristigen Bedarf. Die Organisation prüft zudem Grundstücke für ein neues Wohngebiet für Familien, die ihr Zuhause verloren haben, nach dem Vorbild früherer Wiederaufbauprojekte, die sie in Guatemala durchführte.
Im Rückblick auf den Einsatz sagte Garmon, israelische Katastropheneinsatzteams brächten mehr als nur technisches Fachwissen mit: „Ein Einheimischer sagte uns: ‚Andere Delegationen hatten vielleicht mehr Ausrüstung oder größere Teams, aber ihr habt am meisten Licht und Hoffnung gebracht.'“
Titelbild: Helfer der israelischen Organisation ZAKA im Katastrophengebiet in Venezuela. Foto: TPS-IL