
Syrien sieht Sicherheitsgespräche mit Israel als möglichen Weg zum Frieden
JERUSALEM, 27.07.2026 (DR) – Syrien und Israel haben mit Unterstützung mehrerer Staaten damit begonnen, an einem Sicherheitsabkommen zu arbeiten. Die Vereinbarung könne später den Weg zu einem umfassenden Frieden ebnen, erklärte der syrische Präsident Ahmed al-Scharaa am Sonntag im arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira. Zugleich betonte al-Scharaa, ein Abkommen dürfe den syrischen Anspruch auf die Golanhöhen nicht beeinträchtigen. Sein Land habe jedoch kein Interesse an einem militärischen Konflikt mit Israel. Israel und Syrien unterhalten keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich formal weiterhin im Kriegszustand. Die Gespräche finden trotz anhaltender Spannungen statt. Noch am Sonntag meldete Syrien israelischen Beschuss im Süden des Landes, bei dem Infrastruktur beschädigt worden sei.
Gespräche über Sicherheit in Süd-Syrien
Die Kontakte zwischen beiden Ländern laufen bereits seit 2025. Bei Gesprächen unter amerikanischer Vermittlung ging es vor allem um eine neue Sicherheitsordnung in Süd-Syrien und einen israelischen Rückzug aus Gebieten, die die israelische Armee (IDF) nach dem Sturz des ehemaligen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Dezember 2024 eingenommen hatte. Damaskus fordert eine Rückkehr zu den Linien vor Assads Sturz. Der grundsätzliche Status der Golanhöhen war nach bisherigen Berichten dagegen nicht Teil der Gespräche. Diese Frage sollte auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Israel eroberte den strategisch wichtigen Höhenzug 1967 im Sechstagekrieg und annektierte ihn 1981. Die USA erkannten 2019 die israelische Souveränität über das Gebiet an. Die UNO und die große Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft erkennen die israelische Annexion dagegen nicht an. Syrien hält weiterhin an seinem Anspruch auf die Golanhöhen fest.
Für Israel besitzen die Höhen aufgrund ihrer Lage oberhalb des Nordens des Landes große sicherheitspolitische Bedeutung. Sie ermöglichen die Beobachtung weiter Teile Süd-Syriens und schaffen Abstand zwischen israelischen Ortschaften und möglichen feindlichen Kräften. Israel verlangt deshalb eine weitreichende Entmilitarisierung Süd-Syriens.
Unterstützung für staatliches Waffenmonopol im Libanon
Al-Scharaa äußerte sich auch zur Lage im Libanon. Syrien plane keine militärische Intervention, berate mit der libanesischen Regierung jedoch über mögliche Unterstützung. Die anhaltende politische und sicherheitspolitische Instabilität im Nachbarland wirke sich unmittelbar auf Syrien aus. Berichten zufolge hatten die USA Damaskus zuvor zu einem Vorgehen gegen die Hisbollah gedrängt. Syrien lehnte einen Militäreinsatz jedoch ab.
Al-Scharaa unterstützte zugleich das Ziel, sämtliche Waffen sowie Entscheidungen über Krieg und Frieden der libanesischen Staatsgewalt zu unterstellen. Parallel dazu soll die libanesische Armee im Rahmen einer von den USA vermittelten Vereinbarung schrittweise die Kontrolle über Gebiete im Süden des Landes übernehmen. Die Hisbollah lehnt ihre Entwaffnung weiterhin ab.
Titelbild: Syriens Präsident Ahmed al-Scharaa. Bild: Liri Agami/Flash90