
Irans Raketen sind deutlich billiger als die israelische und amerikanische Abwehr
JERUSALEM, 30.07.2026 (DR) – Iran hat bei seinen jüngsten Angriffen auf amerikanische Stützpunkte im Nahen Osten verstärkt ballistische Raketen vom Typ Kheibar Shekan eingesetzt. US-Regierungsvertreter und Militärexperten bewerten sie aufgrund bisheriger Einsätze als präzise und mobil sowie als vergleichsweise schwer abzufangen. Zugleich kosten sie offenbar deutlich weniger als die israelischen und amerikanischen Abfangraketen.
Unterdessen setzte US-Präsident Donald Trump seine angekündigten Drohungen gegen Iran in der vergangenen Nacht um. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) griff Dutzende Ziele der Islamischen Revolutionsgarden im Iran an, darunter nach eigenen Angaben Einrichtungen für Raketen und Drohnen.
Irans Raketenarsenal mit großer Reichweite
Ihre technischen Eigenschaften erklären, warum die iranische Kheibar-Shekan-Rakete im Zentrum der Auseinandersetzung steht: Sie verfügt über Feststofftreibstoff und lässt sich von mobilen Abschussfahrzeugen aus starten, wodurch sie sich schnell verlegen lässt – was ihre Ortung und Zerstörung erschwert. Iran gibt ihre Reichweite mit 1.450 Kilometern an, während das International Institute for Strategic Studies (IISS) sie auf rund 1.300 Kilometer schätzt.
Vor Kriegsbeginn verfügte Iran nach amerikanischen und israelischen Schätzungen über rund 2.500 Kheibar-Shekan- und andere Mittelstreckenraketen. Experten gehen davon aus, dass Teheran die bisherigen Einsätze systematisch auswertet und seine Taktik laufend anpasst.
Angriffstaktik stellt Raketenabwehr vor Herausforderungen
Genau das zeigt sich nach Angaben amerikanischer Vertreter auch in der Praxis: Iran verändert gezielt Flugbahnen und Manöver der Kheibar-Shekan-Raketen, um Abwehrsysteme zu überwinden. Möglich macht das laut Experten ein abtrennbarer Gefechtskopf, der noch in der letzten Flugphase Kursänderungen erlaubt.
Ergänzt wird dies durch eine kombinierte Angriffstaktik: Das iranische Militär setzt die Raketen gemeinsam mit Angriffsdrohnen und älteren Raketenmodellen ein und zielt dabei unter anderem auf Radaranlagen der Luftverteidigung sowie Unterkünfte amerikanischer Soldaten. Nach eigenen Angaben fingen die USA und ihre Verbündeten den Großteil der Raketen ab, dennoch konnten einige die Abwehr durchbrechen. Iran erklärte zudem, gezielt das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sowie das Hauptquartier der israelischen Luftwaffe als Ziele ausgewählt zu haben.
Angriff kostet weniger als Abwehr
Diese Kombination aus Präzision und geringen Kosten macht die Kheibar Shekan zu einer besonderen Herausforderung für die Verteidiger. Iran veröffentlicht zwar keine offiziellen Produktionskosten, doch Schätzungen für iranische ballistische Raketen ähnlicher Reichweite liegen bei etwa 1 Million US-Dollar (870.000 Euro) pro Stück. Eine israelische oder amerikanische Abfangrakete kostet je nach System dagegen zwischen 2 und 15 Millionen US-Dollar (1,7 bis 13 Millionen Euro) – die Abwehr einer einzigen iranischen Rakete kann damit ein Mehrfaches ihrer mutmaßlichen Herstellungskosten verursachen. Werden mehrere Abfanggeschosse benötigt, steigt der Aufwand entsprechend weiter.
Trotz dieses Missverhältnisses bleibt die Abwehr unverzichtbar: Sie schützt Menschenleben, Militäranlagen und kritische Infrastruktur – ein Preis, den weder Israel noch die USA zur Disposition stellen.
Titelbild: Kheibar-Shekan-Raketen bei einer Militärparade in Teheran. Bild: Mohammad Hossein Ghanbarian/Student News Agency/Wikimedia Commons