
Israel und Libanon verhandeln in Rom trotz scharfer Hisbollah-Drohungen
JERUSALEM 05.08.2026 (LS) – Unter amerikanischer Vermittlung haben Israel und Libanon am Dienstag in Rom eine neue Verhandlungsrunde begonnen. Die Gespräche finden trotz massiver Kritik der vom Iran unterstützten Hisbollah statt, die den Prozess als Demütigung für Beirut bezeichnet.
Gespräche über Rückzug und Entwaffnung
Die Delegationen beider Länder trafen am Morgen in der amerikanischen Botschaft in Rom ein. Die Gespräche sollen bis Donnerstag dauern. Zur israelischen Delegation gehören auch Vertreter der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF).
Im Mittelpunkt stehen sogenannte Pilotzonen im Südlibanon. Dabei handelt es sich um Testgebiete, in denen sich die IDF schrittweise zurückzieht und die libanesische Armee die Kontrolle übernimmt. Israel und Libanon hatten sich bereits im Juni in Washington auf einen Rahmen verständigt. Dieser sieht die Entwaffnung der Hisbollah, einen allmählichen israelischen Rückzug aus Südlibanon und die Stationierung der libanesischen Armee vor. Die Terrororganisation lehnt jede Entwaffnung ab und versucht weiterhin, ihre militärische Stellung im Südlibanon zu bewahren.
Ein israelischer Vertreter erklärte, Ziel dieser Runde sei es, den positiven Schwung fortzusetzen und Arbeitsgruppen zu sechs Themen einzurichten. Diese sollen sich mit See- und Landgrenzen, den Pilotzonen, der Entwaffnung der Hisbollah, dem Stopp iranischer Geldflüsse nach Libanon und dem Wiederaufbau Südlibanons befassen.
Libanons Premierminister fordert „einen Staat mit einer Armee“
Hisbollah-Chef Naim Qassem griff die Gespräche scharf an. Direkte Verhandlungen würden Libanon „nichts als Schande, Demütigung und aufeinanderfolgende Zugeständnisse“ bringen, erklärte er in einer Fernsehansprache. Er behauptete außerdem, der libanesische Präsident Joseph Aoun habe „weder als Schlichter noch als einigende Persönlichkeit gehandelt, sondern ist voreingenommen und spaltend geworden, was mit seiner Rolle und der Stärke des Libanon unvereinbar ist“.
Die Antwort aus Beirut fiel ungewöhnlich deutlich aus. Premierminister Nawaf Salam erklärte, die größte Unterstützung für Israel hätten jene geleistet, die Libanon in sinnlose Kriegsabenteuer hineingezogen hätten. Ohne die Hisbollah namentlich zu nennen, warf er ihr vor, Israel Vorwände für Angriffe geliefert, die Souveränität Libanons beschädigt, Städte und Dörfer zerstört und Hunderttausende Menschen vertrieben zu haben. Salam forderte einen Staat mit einer Armee, die ihre Autorität über das gesamte Staatsgebiet ausübt.
Kurz vor Beginn der Gespräche veröffentlichte die libanesische Armee Fotos beschlagnahmter Waffen an der syrischen Grenze. Nach eigenen Angaben fing sie 122-Millimeter-Grad-Raketen ab, die aus Syrien nach Libanon geschmuggelt worden waren. Damit wollte Beirut offenbar zeigen, dass es seine Aufgabe ernst nimmt. Die IDF zerstört währenddessen weiterhin Hisbollah-Befestigungen, Bunker und Tunnelanlagen in Gebieten unter israelischer Kontrolle. Jerusalem wird die Gespräche in Rom daran messen, ob Libanon nicht nur verhandelt, sondern die Hisbollah tatsächlich zurückdrängt.
Titelbild: Israelische und libanesische Flaggen am Denkmal der Südlibanesischen Armee (SLA) in der Nähe der israelisch-libanesischen Grenze nach der Unterzeichnung eines Abkommens zwischen Israel und dem Libanon im Juni 2026. Foto: Ayal Margolin/Flash90