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Israels Schattenkrieg im Libanon – Die unermüdliche Suche nach Ron Arad

JERUSALEM, 08.03.2026 (NH) – In einer dramatischen nächtlichen Operation haben israelische Spezialeinheiten im Osten des Libanon erneut versucht, das Schicksal eines der am längsten vermissten Soldaten des Landes zu klären. Die Eliteeinheit Shaldag operierte im Dorf Nabi Chit in der Beqaa-Ebene, einem Gebiet, das als Hochburg der Hisbollah gilt. Ziel des Einsatzes war die Suche nach Informationen oder sterblichen Überresten des seit fast 40 Jahren verschollenen Navigators Ron Arad. Laut israelischen Militärangaben wurden bei der Aktion keine neuen Funde gemacht, doch konnte durch den Einsatz eine der untersuchten Spuren zu seinem Verbleib endgültig ausgeschlossen werden.

Das Erbe von 1986: Wer ist Ron Arad?

Ron Arad ist in Israel weit mehr als nur ein vermisster Soldat; er ist ein nationales Symbol für das ungeklärte Schicksal der „Söhne des Landes“ und wird innerhalb der israelischen Gesellschaft als offene Wunde wahrgenommen.

Am 16. Oktober 1986 musste Arad zusammen mit seinem Piloten aus einer F-4 Phantom über dem Libanon abspringen, nachdem eine technische Fehlfunktion den Jet zur Explosion gebracht hatte. Während der Pilot unter schwerem Feuer gerettet werden konnte, geriet Arad in die Gefangenschaft der schiitischen Amal-Miliz. Seit Mai 1988 fehlt von ihm jede Spur. Geheimdienstberichte aus dem Jahr 2016 schätzen, dass Arad vermutlich bereits in den ersten Jahren seiner Gefangenschaft verstarb oder hingerichtet wurde, doch Gewissheit gibt es bis heute nicht. Die Rückführung jedes Soldaten – ob lebendig oder tot – ist tief im israelischen Ethos verwurzelt. Es gilt als ungeschriebener Vertrag zwischen Staat und Bürger, niemanden auf dem Schlachtfeld zurückzulassen. Zudem gilt die Rückführung gefallener Soldaten für ein Begräbnis in Israel als religiöse und moralische Pflicht. Trotz des Wunsches nach Gewissheit werden jedoch auch kritische Stimmen zur jüngsten Geheimmission aus den Reihen der Hinterbliebenen von Ron Arad laut. Arads Ehefrau Tammy mahnte gestern öffentlich und eindringlich, die Heiligkeit des Lebens zu wahren und keine jungen Soldatenleben für die Bergung sterblicher Überreste zu riskieren.

Die Grube, die in der Nacht auf Samstag von IDF-Truppen auf dem Nabi-Friedhof ausgehoben wurde. Ron Arad gilt seit fast 40 Jahren als verschollen. Foto: IDF-Sprecher / Arabische Netzwerke

Waffenruhe unter Druck: Die neue Bewaffnung der Hisbollah

Während Israel auch nach Jahrzehnten im Hinterland nach seinen Vermissten sucht, verschärft sich die Sicherheitslage an der Nordgrenze massiv. Israelische Sicherheitsbehörden warnten die USA kürzlich davor, dass die Hisbollah bestehende Abkommen systematisch bricht und sich in den vergangenen Monaten massiv neu bewaffnet. Berichten zufolge wurden in den letzten Wochen Hunderte Raketen und Munition aus Syrien in den Libanon geschmuggelt. Zudem nutzt die Organisation die im November 2024 unterzeichnete Waffenruhe zwischen den Parteien, um Tausende neue Kämpfer zu rekrutieren und im Kampf beschädigte Startrampen wieder einsatzbereit zu machen. Die Hisbollah selbst rechtfertigt ihr Vorgehen als „legitime Verteidigung“ gegen die mutmaßliche israelische Aggression.

Obwohl die libanesische Regierung unter Premierminister Nawaf Salam offiziell militärische Aktivitäten der Gruppe untersagt hat, verfügt die staatliche Armee kaum über die Mittel oder den politischen Rückhalt, um dieses Verbot effektiv durchzusetzen. Zwar gab es vereinzelte Verhaftungen bewaffneter Hisbollah-Mitglieder, doch warnen libanesische Behörden intern vor der Gefahr eines Bürgerkriegs, sollte man zu konfrontativ gegen die Miliz vorgehen.

Titelbild: Nächtliche Operation zur Suche nach den Überresten von Ron Arad durch Einheiten der Oded-Brigade im Süden Libanons. Foto: IDF-Sprecher

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