
Raketen, Explosionen, Massenunfälle: So trainiert MDA Israels Sanitäter für den Ernstfall
JERUSALEM, 13.08.2026 (DR) – Der israelische Rettungsdienst Magen David Adom (MDA) hat in Ramla ein neues Trainingszentrum eröffnet, das auf ein außergewöhnlich breites Spektrum möglicher Einsätze zugeschnitten ist. Sanitäter wissen zu Schichtbeginn oft nicht, was der Tag bringt: einen Herzinfarkt, eine komplizierte Geburt – oder einen Raketeneinschlag, einen Gefahrstoffunfall und viele Verletzte gleichzeitig. Das Zentrum wurde nach Angaben von Ynet im Januar 2026 offiziell eröffnet.
Vom Badezimmer bis zum Gefechtsfeld
In den Übungsräumen lassen sich unterschiedlichste Einsatzorte nachbilden: eine komplette Wohnung mit Küche, Wohnzimmer, Kinderzimmer und Dusche, aber auch ein Supermarkt, ein Kindergarten, eine Klinik oder ein Strand. „Wenn du sagst, ein Patient sei in der Dusche zusammengebrochen, dann liegt er wirklich in der Dusche – nicht nur theoretisch“, zitiert Ynet Dr. Shafir Botner, seit Januar 2026 MDA-Chefparamediker.
Hochrealistische Übungspuppen reagieren auf die Behandlung der Trainierenden. Bei korrekten Maßnahmen stabilisiert sich ihr Zustand, bei Fehlern verschlechtert er sich – bis hin zum simulierten Tod des Patienten.
Gefahrstoffe und Kriegsszenarien im Training
Ein eigener Gefahrstoffbereich verlangt von den Auszubildenden, Schutzausrüstung anzulegen und Patienten aus kontaminierten Umgebungen zu bergen. Anders als in manchen anderen Ländern ist dieses Training bei MDA keiner Spezialeinheit vorbehalten. „Alle unsere Rettungswagenbesatzungen können das“, erklärte Botner.
Hinzu kommt eine Mixed-Reality-Umgebung. Mit Spezialbrillen erleben die Teilnehmer Explosionen, Gefechtslärm und Feuer. Auch militärische Sanitäter können dort Kampfeinsätze simulieren. Ein maßstabsgetreuer Krankenwagen auf einer hydraulischen Plattform bildet anschließend die Fahrt zum Krankenhaus nach.
Nach Raketenangriffen oder Explosionen können israelische Sanitäter mit Helm und Schutzweste in weiterhin bedrohte Gebiete geschickt werden. Botner bezeichnete sie deshalb als einige der weltweit am stärksten mit Kriegseinsätzen konfrontierten Sanitäter.
Praxis und psychische Widerstandsfähigkeit
Die Simulation ergänzt die praktische Ausbildung. Angehende MDA-Paramediker absolvieren zusätzlich Unterricht, klinische Einsätze in Krankenhäusern und begleitete Fahrten in mobilen Intensivrettungswagen, bevor sie selbstständig arbeiten dürfen.
Seit dem Hamas-Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und den folgenden Kriegen mit wiederholten Raketen- und Drohnenangriffen hat die Vorbereitung auf Einsätze mit vielen Verletzten zusätzliche Bedeutung erhalten. MDA integriert deshalb auch psychische Widerstandsfähigkeit von Beginn der Ausbildung an. Geschulte Mitarbeiter achten nach besonders belastenden Einsätzen auf Anzeichen von Überlastung und vermitteln bei Bedarf professionelle Hilfe. „Wir warten nicht darauf, dass jemand zu uns kommt und um Hilfe bittet“, erklärte Botner. „Wir gehen auf die Mitarbeiter zu.“
Titelbild: Mitarbeiter von Magen David Adom bei einer früheren Evakuierungsübung. Bild: Moshe Shai/Flash90