
Ex-General will Israels Politik verändern: Ofer Winter gründet neue Partei
Von Alon David
JERUSALEM, 28.08.2026 – Der ehemalige Brigadegeneral Ofer Winter steigt in die israelische Politik ein. Mit seiner neuen Partei „Amcha Israel“ will er bei den kommenden Knesset-Wahlen antreten und eine möglichst breite Regierung des rechten Lagers bilden. Der Name „Amcha Israel“ bedeutet auf Deutsch sinngemäß „Dein Volk Israel“ und soll den Anspruch der Bewegung unterstreichen, eine Partei aus der Mitte der israelischen Bevölkerung heraus zu sein.
Winter ist in Israel vor allem als ehemaliger Kommandeur der Givati-Brigade bekannt. Während des Gaza-Krieges 2014 führte er seine Soldaten im Kampf und wurde wegen seiner entschlossenen Haltung zu einer bekannten Figur im religiös-nationalen Lager. Später kommandierte er unter anderem Spezialeinheiten. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee wurde er zunehmend politisch aktiv.
Nun will Winter selbst Verantwortung übernehmen. Bei der Vorstellung seiner Partei in Jerusalem erklärte er, „Amcha Israel“ sei eindeutig Teil des rechten Lagers. Ziel sei eine möglichst breite rechte Regierung mit zionistischen Partnern. Gleichzeitig betonte Winter, dass seine Partei von Menschen geführt werden solle, die nicht für die politischen Entscheidungen vor dem 7. Oktober verantwortlich gewesen seien.
Yoseph Haddad schließt sich Winter an

Besonders bemerkenswert ist die Zusammensetzung der neuen Partei. Der arabisch-israelische Aktivist Yoseph Haddad tritt auf Platz zwei der Liste an. Damit kommt es zu einem politischen Zusammenschluss, der noch vor wenigen Tagen keineswegs selbstverständlich war.
Haddad hatte zunächst selbst eine Partei registriert und öffentlich über einen Einstieg in die Politik nachgedacht. Nun hat Haddad sich entschieden, nicht mit einer eigenen Liste anzutreten, sondern sich Winters „Amcha Israel“ anzuschließen.
Haddad ist einer der bekanntesten arabisch-israelischen Unterstützer des Staates Israel. Der Aktivist tritt regelmäßig in israelischen und internationalen Medien auf und engagiert sich insbesondere gegen antisemitische und antiisraelische Narrative. Seine politische Karriere soll nun gemeinsam mit Winter beginnen.
Die Verbindung ist politisch bewusst gewählt: Winter steht für das religiös-nationalistische und sicherheitspolitisch harte Lager, Haddad bringt dagegen eine arabisch-israelische Perspektive und große mediale Reichweite ein.
Harte Positionen bei Sicherheit und Gaza
Inhaltlich vertritt Winter einen ausgesprochen harten sicherheitspolitischen Kurs. Eine Zweistaatenlösung lehnt er ab. Außerdem vertritt er die Position, dass ein Staat, der Israel angreift, dafür einen territorialen Preis zahlen müsse. Israelische Soldaten müssten bei militärischen Entscheidungen Vorrang haben.
Weitere Schwerpunkte der Partei sind die Integration ultraorthodoxer Männer in die Armee, eine Reform des Justizsystems und ein entschiedeneres Vorgehen gegen Kriminalität. Gleichzeitig will Winter auch arabische Israelis einbinden, die sich klar zum Staat Israel bekennen.
Damit versucht „Amcha Israel“, verschiedene Gruppen zusammenzuführen: ehemalige Soldaten und Reservisten, religiöse Zionisten, arabische Israelis, Angehörige von Opfern des 7. Oktober und Menschen, die sich bislang nicht in etablierten Parteien engagiert haben.
Konkurrenz für Netanjahus Likud?
Politisch könnte Winters Kandidatur jedoch zum Problem für das rechte Lager werden. Mehrere neue Parteien kämpfen derzeit um den Einzug in die Knesset. Wenn mehrere kleine Parteien gegeneinander antreten und die Sperrklausel nicht überwinden, können Stimmen verloren gehen.
Gerade deshalb könnte Haddads Entscheidung für Winter strategisch wichtig sein. Eine eigenständige Haddad-Partei hätte vor der Wahl um die notwendige Unterstützung kämpfen müssen. Als Nummer zwei auf Winters Liste erhält Haddad nun eine prominente Position innerhalb einer größeren politischen Formation.
Für Winter wiederum bedeutet die Zusammenarbeit mit Haddad, dass seine Partei nicht ausschließlich als Bewegung des religiös-nationalistischen Lagers wahrgenommen werden soll. Der Zusammenschluss soll zeigen, dass „Amcha Israel“ unterschiedliche Teile der israelischen Gesellschaft ansprechen will.
Vom General zum Politiker
Winter selbst beschreibt seinen Einstieg in die Politik als Fortsetzung seines bisherigen Lebenswegs. Nach 34 Jahren Militärdienst wolle er nun in einer anderen Form für die Zukunft Israels kämpfen.
Ob aus dem populären ehemaligen General ein erfolgreicher Politiker wird, ist allerdings noch offen. Die israelische Parteienlandschaft ist vor der Knesset-Wahl bereits stark fragmentiert. Für Winter wird deshalb entscheidend sein, ob es ihm gelingt, seine Bekanntheit in tatsächliche Wählerstimmen umzuwandeln.

Mit Yoseph Haddad an seiner Seite verfügt „Amcha Israel“ jedenfalls über ein ungewöhnliches politisches Duo: einen ehemaligen General aus dem religiös-nationalen Lager und einen christlichen arabisch-israelischen Aktivisten, der sich seit Jahren öffentlich für Israel einsetzt.
Der Name der Partei ist dabei Programm: „Amcha Israel“ – „Dein Volk Israel“. Winter will damit offenbar vermitteln, dass seine neue politische Bewegung nicht aus dem etablierten politischen System kommt, sondern aus der israelischen Gesellschaft selbst.
Titelbild: Ofer Winter bei der Vorstellung der neuen Partei „Amcha Israel“ unter der Führung von Ofer Winter im Vorfeld der kommenden Parlamentswahl in Jerusalem, 25. August 2026. Foto: Chaim Goldberg/Flash90.