
Judäa und Samaria: Militär verstärkt Präsenz bei Olivenernte – Polizei ermittelt nach Angriffen
JERUSALEM, 18.10.2026 (NH) – Die israelischen Sicherheitskräfte haben ihre Präsenz in Judäa und Samaria zu Beginn der jährlichen Olivenernte verstärkt. Angesichts der anhaltenden Terrorgefahr und zunehmender Spannungen sollen sie landwirtschaftliche Arbeiten schützen, gewaltsame Konfrontationen verhindern und die Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten.
Gegenseitige Übergriffe und Brandstiftung bei Abu Falah
Ein Schwerpunkt der Spannungen lag im Raum der Palästinenserdörfer Abu Falah und al-Mughayyir. Dort rückten nach Angaben des Regionalrats Binyamin zahlreiche Palästinenser sowie ausländische Aktivisten auf jüdische Höfe vor, setzten ein Feld in Brand und griffen herbeieilende Anwohner mit Steinen an. Dabei wurden mehrere Israelis leicht verletzt. Der Regionalrat warf der Palästinensischen Autonomiebehörde vor, die Angriffe gezielt mitorganisiert zu haben. Zudem wurde die US-amerikanische Fotojournalistin Heidi Levine bei Auseinandersetzungen in Abu Falah verletzt.
Gewalt gegen Diplomaten und internationale Reaktionen
Einen schweren Zwischenfall gab es im christlich geprägten Dorf Taybeh, wo eine Gruppe vermummter jüdischer Extremisten eine europäische Delegation aus belgischen, französischen und polnischen Diplomaten sowie katholischen Vertretern angriff. Die Angreifer zertrümmerten die Scheibe eines belgischen Konsulatsfahrzeugs, stießen den französischen Bürgermeister Bernard Bodo zu Boden und riefen „Viva la France“. Neben diesem Übergriff kam es zu weiteren Zwischenfällen im Straßenverkehr bei Ateret, Zusammenstößen in Beit Lid, Sachbeschädigungen an Fahrzeugen in Dir Jarir sowie Ermittlungen zu Viehdiebstählen.
Die Gewaltwelle löste erhebliche internationale Reaktionen aus. Der belgische Außenminister Maxime Prévot verurteilte den Angriff scharf, stellte einen direkten Zusammenhang zur israelischen Siedlungspolitik her und kündigte an, sich auf EU-Ebene für Sanktionen gegen die Verantwortlichen und deren Unterstützer einzusetzen. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot bezeichnete die Taten als abscheulich und forderte die Festnahme der Täter sowie den Schutz der Zivilbevölkerung gemäß Völkerrecht. Auch das polnische Außenministerium drückte seine Empörung aus. US-Botschafter Mike Huckabee bezeichnete den Angriff auf die US-Journalistin Heidi Levine als feigen Terrorakt und forderte langjährige Haftstrafen. US-Außenminister Marco Rubio verlangte ebenfalls ein klares Durchgreifen der israelischen Behörden.

Innerhalb Israels führten die Vorfälle zu unterschiedlichen Stellungnahmen. Außenminister Gideon Sa’ar und die israelische Armee (IDF) verurteilten die Gewalt nachdrücklich, merkten jedoch an, dass der Diplomatenbesuch nicht im Voraus abgestimmt worden war. Staatspräsident Isaac Herzog entschuldigte sich persönlich bei der verletzten Journalistin, während die Polizei die Ermittlungen einer Spezialeinheit übertrug. Das Büro von Premierminister Benjamin Netanjahu äußerte hingegen Zweifel am dargestellten Hergang des Diplomatenangriffs und warnte vor voreiligen Schlüssen vor Abschluss der Untersuchungen.
Anti-Terror-Einsätze und Sicherheitsmaßnahmen
Die verstärkte Militärpräsenz erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Bedrohungen durch palästinensische Terrorgruppen, gegen die die Sicherheitskräfte regelmäßig vorgehen. Dazu zählt auch die Festnahme einer vierköpfigen Terrorzelle in Dschenin. Die Armee betont, gegen sämtliche Rechtsverstöße unabhängig von den Beteiligten konsequent vorzugehen.
Titelbild: Die israelischen Sicherheitskräfte verstärken ihre Präsenz in Judäa und Samaria während der jährlichen Olivenernte. Foto: Nasser Ishtayeh/Flash90