
Israel prüft Abschaffung des 200-Schekel-Scheins gegen Schattenwirtschaft
JERUSALEM, 23.10.2026 (NH) – Israel hat die Prüfung einer schrittweisen Abschaffung des 200-Schekel-Scheins vorangetrieben, um die Schattenwirtschaft und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Shay Aharonovich, Direktor der israelischen Steuerbehörde, erläuterte den Vorstoß auf der Jahrestagung des Steuerberaterverbandes in Eilat. Schätzungen zufolge könnten durch die Eindämmung nicht deklarierter Einnahmen jährlich 20 bis 30 Milliarden Schekel zusätzlich in die Staatskasse fließen.
Schlag gegen Schattenwirtschaft und organisierte Kriminalität
Die sogenannte Schattenwirtschaft, auf Hebräisch „Hon Schachor“, macht nach Expertenschätzungen rund 18 Prozent der israelischen Wirtschaftsleistung aus. Die Abschaffung der 200-Schekel-Banknote, der wertmäßig höchsten israelischen Banknote (200 Schekel sind umgerechnet ca. 57,50 Euro), soll es Kriminellen und Geldwäschern erschweren, größere Bargeldsummen anonym zu bewegen. Aharonovich verwies auf Polizeiermittlungen in Kommunalverwaltungen, darunter in Kfar Saba, die den Missbrauch von Bargeld im Zusammenhang mit Korruption verdeutlichen. Bereits 2024 hatte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu eine Prüfung der Abschaffung der Banknote angeordnet, um den Schwarzmarkt wirksamer zu bekämpfen. Ziel ist es, unversteuerte Gelder in den legalen Wirtschaftskreislauf zurückzuführen und illegale Finanzgeschäfte zu erschweren.
Zusätzliche Einnahmen für die nationale Sicherheit
Angesichts seiner Sicherheitsverpflichtungen an mehreren Fronten steht Israel vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Die Verteidigungsausgaben könnten in den kommenden Jahren auf bis zu 200 Milliarden Schekel jährlich steigen. Zusätzliche Steuereinnahmen aus der Schattenwirtschaft könnten helfen, den Haushalt zu entlasten und Steuererhöhungen bei der Mehrwert- oder Einkommensteuer zumindest teilweise zu vermeiden. Ob die erwarteten Einnahmen tatsächlich erzielt werden können, hängt jedoch von der Wirksamkeit der Reform ab.
Zentralbank verweist auf ihre Zuständigkeit
Die Initiative hat eine Debatte über die Zukunft des Bargelds und die Zuständigkeiten der Finanzinstitutionen ausgelöst. Die Bank von Israel unter Gouverneur Amir Yaron betonte, die Befugnis zur Außerkraftsetzung von Banknoten liege beim Zentralbankgouverneur. Der 200-Schekel-Schein bleibt vorerst ein reguläres Zahlungsmittel; eine Abschaffung erfordert eine entsprechende Entscheidung der zuständigen Stelle.
Gleichzeitig gewinnen digitale Zahlungsmittel in Israel an Bedeutung. Elektronische Transaktionen können die Nachverfolgbarkeit von Zahlungen verbessern und die Transparenz im Finanzsystem erhöhen. Kritiker warnen jedoch, eine Einschränkung des Bargelds könnte ältere Menschen und andere Gruppen mit geringerem Zugang zu digitalen Angeboten benachteiligen. Zudem könnten illegale Geschäfte auf andere Zahlungsmittel ausweichen. Befürworter sehen in der Initiative dennoch eine Chance, Steuerhinterziehung wirksamer zu bekämpfen und die finanziellen Handlungsmöglichkeiten des israelischen Staates zu stärken. Ob die Banknote tatsächlich abgeschafft wird, ist bislang offen.
Titelbild: Israel prüft die Abschaffung des 200-Schekel-Scheins, um die Schattenwirtschaft einzudämmen und zusätzliche Einnahmen für den Staatshaushalt zu erschließen. Foto: Nati Shohat/Flash90