
Eisenkot sammelt die Opposition hinter sich: Bennett, Liberman und Golan empfehlen ihn als Premier
JERUSALEM 02.11.2026 (LS) – Gadi Eisenkot, Chef der Partei Yashar, könnte als Erster den Auftrag zur Regierungsbildung erhalten. Präsident Isaac Herzog empfängt ab Mittwoch die Fraktionen und beginnt mit den kleinen Parteien, in aufsteigender Reihenfolge nach Sitzzahl. Wen er beauftragt, bleibt seine Entscheidung. Erwartet wird, dass er jenem Kandidaten den Vortritt lässt, der die meisten Empfehlungen sammelt.
Bennett, Liberman und Golan empfehlen Eisenkot
Den Anfang machte am Sonntag Naftali Bennett. Seine Partei B’Yachad teilte mit, er habe „im gesamten Wahlkampf deutlich gemacht, dass er die Entscheidung der Wähler respektieren wird – und genau das tut er jetzt“. Bennett informierte Eisenkot persönlich. Yashar holte 21 Sitze, B’Yachad 12. Benjamin Netanjahus Likud bleibt mit 27 die stärkste Einzelpartei.
Am Montag folgte Avigdor Liberman. Er werde Eisenkot empfehlen und Yair Lapid, die Nummer zwei von B’Yachad, als Knesset-Sprecher unterstützen. Zugleich rechnete er mit dem designierten Premier ab. Mit nur 48 Mandaten für die Opposition habe man die Erwartungen „bei Weitem verfehlt“. Eisenkots Kampagne habe zudem die eigene Partei über den Block gestellt. Eine Regierung mit Netanjahu schließt Liberman kategorisch aus, ebenso eine Minderheitsregierung, die auf arabische Stimmen angewiesen wäre. Sein Wunschergebnis: eine zionistische Koalition mit dem Likud, aber ohne Netanjahu. Auf die Frage, wie das gelingen soll, erklärte er: „Vielleicht bekommen wir Überläufer aus dem Likud.“
Als Letzter erklärte Yair Golan, dessen Demokraten mit acht Sitzen vertreten sind, am Montag seine Unterstützung. Er hatte die Opposition schon zuvor zur Zusammenarbeit mit den arabischen Parteien gedrängt. Eisenkot hatte bis dahin verlangt, dass der Chef der größten Oppositionspartei den Block anführt – eine Regel, auf die sich die vier vor der Wahl nie offiziell geeinigt hatten.
67 Empfehlungen, aber ohne Liberman keine Mehrheit
Rechnerisch ist die Lage eindeutig: 48 Mandate der Opposition plus die erwarteten 19 der beiden arabischen Listen, Gemeinsame Liste und Ra’am, ergäben 67 Empfehlungen für Eisenkot gegenüber 53 für Netanjahus Block. Die Gemeinsame Liste kündigte an, nicht in eine Koalition einzutreten, aber helfen zu wollen, Netanjahu nach „schrecklichen vier Jahren“ abzulösen.
Genau hier liegt die Schwäche des Bündnisses. Liberman will keine Regierung, die von arabischen Parteien abhängt. Ohne ihn fehlt Eisenkot die Mehrheit für eine Regierung und ohne Unterstützung von rechts oder den ultraorthodoxen Parteien bleibt der Weg schmal. Eisenkot selbst hat Berichten zufolge ausgeschlossen, in eine Regierung unter Netanjahu einzutreten, selbst wenn Trump darum bäte.
Zuerst aber geht es um den Knesset-Sprecher. Liberman kündigte an, schon kommende Woche Unterschriften zu sammeln, um den Netanjahu-Vertrauten Amir Ohana abzulösen. Das sei „entscheidend“, auch für die Wahl des Staatskontrolleurs. Zwischen Liberman und Eisenkot soll es darüber ein angespanntes Gespräch gegeben haben, weil Eisenkot den Posten für seine eigene Fraktion beanspruchte. Dass Liberman Lapid unterstützt, bedeutet auch das Ende dieses Streits.
Wird Eisenkot beauftragt, hat er 28 Tage Zeit, eine Regierung zu bilden, mit einer möglichen Verlängerung um 14 Tage. Die neue Knesset wird am 10. November vereidigt.
Titelbild: Der Vorsitzende der Yashar-Partei, Gadi Eisenkot, zusammen mit Mitgliedern seiner Partei im Wahlhauptquartier der Partei in Tel Aviv. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90